Das 45. Hallenfußballturnier der SV Böblingen war 2017/18 zugleich das letzte. Wie schon bei der ersten Auflage 1974 gewann damals der Gastgeber aus der Kreisstadt. Bei der zweiten Ausgabe hingegen gab es vor 50 Jahren einen Überraschungssieger: die SpVgg Holzgerlingen.
Das Hallenturnier in Böblingen war für lange Zeit eine feste Institution in der lokalen Fußballszene. Ende 2018 wurde es erstmals abgesagt, danach kam Corona, und seitdem wurde der Budenzauber am Murkenbach niemals wiederbelebt. Es war der triste Abgang eines einstigen Zuschauermagneten.
Vor einem halben Jahrhundert sah die Welt noch ganz anders aus. 1974 hatte die damalige SpVgg Böblingen erstmals ein Hallenturnier ausgetragen und es auch gleich gewonnen. In all der Zeit bis zum traurigen Ende kamen die Sieger in der Regel aus der Landes-, Verbands- oder Oberliga. Nicht so bei der zweiten Auflage, als die SpVgg Holzgerlingen das einzige Mal ganz oben auf dem Treppchen stand, nachdem sie bei der Premiere gleich Zweiter geworden war.
Der Verein kickte zu jener Zeit in der A-Klasse, was der heutigen Bezirksliga entspricht, und hatte nicht etwa eine Spitzenmannschaft, sondern spielte gegen den Abstieg. Zur Winterpause stand der Klub vom Schönbuchrand zwar im Mittelfeld der Tabelle, hatte aber nur zwei Punkte Vorsprung auf das Schlusslicht.
Besser lief es unter dem Dach. Das Team erreichte das Endspiel gegen Nachbar TV Altdorf, welches es nach Siebenmeterschießen auf die kleinen Tore mit 2:1 gewann. Von Hektik und Dramatik in der voll besetzten Murkenbachhalle war in der Kreiszeitung die Rede. Zuvor hatte es die Sportvereinigung in der Zwischenrunde mit dem VfL Sindelfingen (1:1) und der SpVgg Weil im Schönbuch (2:1) zu tun gehabt. Ein Viertel- und Halbfinale wurde nicht ausgespielt, sondern der Erstplatzierte war automatisch für das Endspiel qualifiziert.
In jenem Finale scheuten beide Kontrahenten das Risiko. Deshalb stand es nach regulärer Spielzeit 0:0. Vom Punkt aus traf zunächst der TVA, dessen Keeper Manfred Zivny dann den ersten gegnerischen Versuch entschärfte. Als auch die Altdorfer verschossen hatten, fiel der 1:1-Ausgleich. Allerdings erst im zweiten Versuch, da der Schiedsrichter wegen einer Regelwidrigkeit – der Schlussmann hatte sich zu früh bewegt – den Schuss wiederholen ließ. „Im Anschluss kam es auf den Rängen zu tumultartigen Szenen, als einige meinten, ihrem Ärger darüber freien Lauf lassen zu müssen“, hieß es im damaligen KRZ-Bericht. Nachdem Kurt Rauser gegen SpVgg-Torwart Hans Klimek verschossen hatte, gelang der entscheidende Holzgerlinger Treffer zum Sieg. „Im Anschluss beschimpften und beleidigten die Anhänger des Verlierers den Unparteiischen auch noch bei der Siegerehrung“, schrieb der Böblinger Bote.
Den Turniersiegern Hans Wohlbold, Klaus Kempter, Fritz Thanner, Manfred Fellinghauer, Harald Göth, Robert Maurer, Peter Nausch, Hans Zuckriegl, Hans Klimek und Günther Berner war es egal. Sie genossen den unerwarteten Triumph.
Fellinghauer, mit 219 Toren der fünftbeste Torschütze aller Zeiten bei den Grün-Weißen, erinnert sich. „Der Ausrichter war damals etwas knickrig. Ich meine, für den zweiten Platz haben wir Stutzen bekommen. Als wir dann Erster wurden, gab es kurze blaue Hosen“, erzählt er schmunzelnd. „Aber wir haben nicht wegen der Preise, sondern wegen der Freude am Fußball gespielt.“ Was zahlreiche Fans auf der Tribüne zu schätzen wussten, die lautstark unterstützten. „Das Böblinger Hallenturnier war für uns etwas Besonderes, da sind wir mit Respekt hingefahren. Dass wir es gewinnen können, damit hat niemand gerechnet“, erzählt der inzwischen 74-Jährige. Dass es im Endspiel hoch her ging, wundert den Goalgetter nicht. „Es war immer Krieg gegen Altdorf.“
Manfred Fellinghauer hängte im Sommer 1980 seine Kickstiefel im Alter von erst 30 Jahren an den Nagel. „Im Nachhinein ärgert es mich, dass ich so früh aufgehört habe. Vom Leistungsvermögen hätte ich noch drei, vier Jahre spielen können“, sagt der frühere Linksaußen, der sich als trickreicher Techniker beschreibt, welcher wenig verletzt war. Er hatte 1974 vor dem Coup am Murkenbach übrigens ein Angebot vom einem Klub aus der I. Amateurliga. „Als Ur-Holzgerlinger war es nicht so leicht zu wechseln. Es war vielleicht ein Fehler, es nicht anzunehmen.“
Letztlich wechselte er vom Rasen an den Spielfeldrand und ist weiterhin treuer Hotze-Zuschauer, zumal in den 90er-Jahren auch sein Neffe Andreas Haasner das SpVgg-Trikot trug. „Ich bin bei den Heimspielen immer auf dem Sportplatz. Bis vor zwei Jahren bin ich mit sieben anderen Zuschauern auch noch zu den Auswärtsspielen gefahren“, nickt Fellinghauer.
Den aktuellen Höhenflug des Teams als momentan Zweiter der Bezirksliga Stuttgart/Böblingen mit nur zwei Punkten Rückstand auf Primus TSVgg Plattenhardt, nimmt er erfreut zur Kenntnis. „Diese Saison ist alles drin“, denkt er. „Bei den vielen jungen Spielern macht es Spaß zuzuschauen. Ich bin auch bei den Partien der A-Junioren auf dem Sportplatz, deswegen wusste ich, dass wir nun zwei starke Jahrgänge bei den Aktiven haben würden.“