Im Plieninger Hallenbad könnten Tätigkeiten wie die Aufsicht künftig von einem Verein übernommen werden. Foto: picture alliance / dpa

Vorerst sollen die Öffnungszeiten in den Stuttgarter Hallenbädern nun doch beibehalten werden. Wie es langfristig in den Schwimmbecken weitergeht, weiß aber niemand. Bei den Freizeitschwimmern auf den Fildern hält sich die Begeisterung deshalb noch in Grenzen.

Filder - Allzu euphorisch ist die Stimmung unter den Hobbyschwimmern an diesem Mittag im Sonnenberger Hallenbad nicht. Die meisten betrachten das Zurückrudern des Stuttgarter Bäderamts eher skeptisch. Ende Januar hatte die Verwaltung Pläne vorgestellt, nach denen die Öffnungszeiten in den städtischen Hallenbädern drastisch reduziert werden sollten. Dafür sollten Vereine und Schulen mehr Zeit in den Bädern bekommen. Daraufhin gab es eine enorme Protestwelle unter Freizeitschwimmern. Nun hat die Stadt zurückgerudert. Der neue „Königsweg“, so sagte es der zuständige Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau kürzlich, sehe nun so aus, dass man mehr Wasserflächen schaffen wolle, sodass Vereine, Schulen und eben auch Hobbyschwimmer ausreichend Kapazitäten in den Becken bekommen.

Werner Macharczek aus Stuttgart-Vaihingen betrachtet diese Entwicklung skeptisch: „Meiner Meinung nach sollte die Stadt den Fokus eher darauf legen, die bestehenden Bäder richtig zu betreiben, statt nun über An- oder gar Neubauten zu sprechen.“ Er halte es zum Beispiel nicht für nachvollziehbar, warum sich die Deckensanierung im Vaihinger Hallenbad von März bis Oktober hinziehe. „Ich habe das Gefühl, dass die Stadt einfach keine Leute hat, um den Betrieb dort am Laufen zu halten und die Sanierung deshalb bewusst langsam gemacht wird.“ Dass die Stadt kein Personal für die Bäder finde, überrascht den 61-Jährigen wenig. „Es wird kein Geld investiert, um die Stellen richtig auszuschreiben. Und dem Personal, das es gibt, wird so wenig bezahlt, dass man sich nicht wundern muss, wenn die Mitarbeiter ständig fehlen“, meint er.

In Stuttgart-Plieningen soll ein Verein übernehmen

Rudolf von Podewils äußert sich etwas positiver: „Ich bin froh, dass es einen solchen Protest gab, wodurch die Stadt zurückgerudert ist.“ Der 60-Jährige kommt aus Aidlingen (Kreis Böblingen), nimmt regelmäßig an Triathlons teil und geht deshalb oft schwimmen – in verschiedenen Bädern; immer da, wo geöffnet und wenig los ist. „Wenn die Öffnungszeiten noch mehr eingeschränkt werden, müssen wir Freizeitschwimmer noch mehr hin- und herfahren.“

Während in Sonnenberg im Gespräch ist, ein Becken an das bestehende Schwimmbad anzubauen, gibt es in Plieningen die Überlegung, dass das Hallenbad im Wolfer künftig von einem Verein betreut werden soll. Folker Baur, Vorsitzender des TV Plieningen, hatte dies immer wieder vorgeschlagen, nun hält auch das Bäderamt diese Idee für denkbar. Der Verein könnte in eigener Zuständigkeit Schwimmzeiten anbieten. So wird es zum Beispiel bereits im Mombach-Bad in Bad Cannstatt gehandhabt. Voraussetzung für ein solches Konzept ist aber, dass sich ein Verein findet, der die Betreuung des Bades und der Nutzer übernimmt – andernfalls sollen die Öffnungszeiten für die Bürger nur noch so lange bestehen bleiben, bis das Hallenbad Sonnenberg generalsaniert ist und die Öffnungszeiten dort ausgeweitet werden. Bereits jetzt hat das Plieninger Bad lediglich freitags für die Öffentlichkeit geöffnet, an den anderen Tagen ist es für Vereine und Schulen reserviert.

TV Plieningen ist offen für Betreuung des Bads

Der TV-Vorsitzende Folker Baur zeigt sich weiterhin für die Möglichkeit offen, dass sein Verein – möglicherweise in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen – die Betreuung des Hallenbads übernehme. „Man müsste aber zuerst einmal ein Gespräch mit dem Bäderamt führen, was genau für uns machbar wäre. Bevor wir uns etwas überlegen, brauchen wir eindeutige Aussagen: ob wir auch den Hygienebereich überwachen sollen, ob dafür jemand speziell geschult werden muss, wie es mit der Badeaufsicht und dem Kassenbereich ist, ob zum Beispiel auch ein Kassenautomat möglich wäre – und so weiter.“

In Plieningen seien generell viele Menschen sehr bemüht, dass das Bad auch weiterhin für die Öffentlichkeit geöffnet bleibe, sagt Baur. Für ihn sei das Zurückrudern der Stadt deshalb auch eine sehr gute Nachricht. „Ich finde, dass die Stadt die Bäder unbedingt subventionieren muss. Man spart sich dadurch ja zum Beispiel auch Kosten für Kuren und Ähnliches, wenn die Bürger Stuttgarts durch Bewegung gesund bleiben.“

Wunsch nach Doppelnutzung

Christian Günther sieht dies ganz ähnlich. Der Mann aus dem Steckfeld ist Mitglied im Schwimmclub (SC) Möhringen und begeisterter Hobbyschwimmer. Eine gewisse Skepsis ist jedoch auch ihm anzumerken: „Die Idee eines Trägervereins für das Plieninger Bad finde ich nicht so schlecht. Aber ob ein Verein schon um 7 Uhr morgens das Bad für uns ‚Vor-der-Arbeit-Schwimmer‘ öffnen würde? Schön wär’s, allein mir fehlt der Glaube.“ Er würde es bevorzugen, dass das Bad öfter doppelt genutzt werde – also dass Schulen, Schwimmkurse und Vereine parallel zum öffentlichen Badebetrieb in dem Becken sind. „Das wurde freitags auch schon immer praktiziert, wenn ab dem späten Vormittag eine Schwimmschule eine Bahn abgetrennt hat und dort ihre Schwimmkurse absolviert hat. Daneben durften die normalen Badegäste ihre Bahnen ziehen. Warum soll es diese Möglichkeit nicht auch weiterhin geben?“, fragt er.

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