In Backnang startet das Hallenbad am Montag in die Wintersaison, das Freibad bleibt bis zum 27. September geöffnet. Foto: Stoppel/Archiv

Viele Freibäder machen zu. Die Schwimmer können ausweichen in die Hallenbäder, die am Montag vielerorts wieder öffnen. Das Korber Freibad bleibt geöffnet, der Hundebadetag fällt aus, geplant ist ein Benefiz-Eisschwimmen.

Backnang - Was hatten die Schwimmer im Frühjahr nicht alles befürchtet: Dass die Bäder wegen Corona womöglich gar nicht öffnen würden. Dass komplizierte Regelungen ein Training unmöglich machen würden. Dass die Städte und Gemeinden es nicht hinbekommen würden, den Zugang zu den Freibädern vernünftig zu regeln. Die Bilanz aus Sicht vieler Sportschwimmer: „Selten so entspannt trainiert.“ In fast allen Freibädern mussten Zeitfenster gebucht werden, fast immer hatte man aber freie Bahn.

Die Bäderbetreiber vermelden indes deutlich geringere Einnahmen und höhere Verluste als in den Vorjahren. Genau beziffern ließen sich die Summen aber noch nicht. In Backnang beispielsweise geht man von einem Minus „im niedrigen sechsstelligen Bereich“ aus.

Obwohl die meisten Freibäder jetzt schließen, müssen sich Wasserratten nicht auf eine Entzug einstellen. Denn in der kommenden Woche öffnen viele Hallenbäder, die wegen der Corona-Pandemie geschlossen worden waren, die Pforten.

Benefiz-Eisschwimmen statt Hundebadetag

Etwa in Backnang. Das Wonnemar in der Murrstadt beginnt mit einem Anbaden speziell für Familien mit kranken und behinderten Kindern, die von der Stiftung Sternentraum betreut werden. Zudem werde die Freibadsaison in Backnang bis zum 27. September verlängert, in keinem anderen Freibad in der Region könne „also länger geschwommen werden, als in Backnang“, heißt es in einer Pressemitteilung der Murrbäder.

Abwarten. Der Vorsitzende des Vereins, der das Freibad in Korb betreibt, Albert Heinrich, sagt: „Wir lassen unser Bädle länger offen.“ Der beliebte Hundebadetag zum Saisonabschlussindes fällt wegen der Pandemie aus, alternativ sei ein Benefiz-Eisschwimmen geplant, das am Samstag 14. November um 14 Uhr beginnen soll. Der Hundebadetag im Freibad in Kernen-Stetten wurde übrigens ebenfalls gestrichen. In Remshalden wird die Freibadsaison mit einem Kleiderschwimmen am Sonntag, 13. September, beendet.

Im Murrhardter Freibad indes soll am 20. September ein Hundebedetag stattfinden, das Bad bleibt für Schwimmer bis einschließlich Mittwoch, 16. September geöffnet.

Wieder Schwimmkurse für Kinder

Für die Hallenbäder gelten spezielle Corona-Regeln. Wie in Backnang bekommt man meist nur garantiert Einlass, wenn das Ticket vorab online gebucht worden ist. Falls aber Kapazitäten frei seien, könne der Eintritt an der Kasse bezahlt werden, so die Auskunft vom Wonnemar. Verkauft werden Anderthalb- und Vier-Stunden-Tickets. „Die Maximalkapazität für das Familienbad“ werde um gut die Hälfte reduziert. Auch alle anderen Hallenbäder lassen weit weniger Schwimmer rein also sonst.

Im Fellbacher F 3 Bad werden laut Auskunft der Betreiber „die beiden Indoor-Bereiche Erlebnis- und Sportwelt“ am Montag, 14. September, wieder geöffnet, sie seien fast genau sechs Monate lang wegen Corona geschlossen gewesen. Eintrittskarten müssen vorab reserviert werden, denn es dürften maximal 93 Besucher in die Sportwelt und 202 in die Erlebniswelt. Auch die Schwimmkurse für Kinder sowie die Aquafitness-Angebote für Erwachse solle es wieder geben. Die Freibadsaison endet in Fellbach jetzt am Sonntag.

Weinstadt und Korb: Keine Online-Buchung nötig

Das Hallenbad in Waiblingen ist bereits seit Mitte Juni wieder geöffnet. Die Schul- und Vereinsbäder in Neustadt und Hegnach sowie das Lehrschwimmbecken in Bittenfeld sind seit dem 11. Juni offen. Die Freibäder in Waiblingen und in Bittenfeld schließen am Abend des 15. September die Pforten. In Schorndorf ist das Hallenbad schon wieder offen, im Freibad kann man noch bis zu diesem Sonntag schwimmen.

Auch in Weinstadt werden die beiden Freibäder (in Beutelsbach und in Strümpfelbach) an diesem Sonntag letztmals öffnen. Laut einer Sprecherin der Stadt sind „auffallend viele“ Besucher aus Nachbarorten gekommen, denn man könne in Weinstadt ohne vorherige Onlinebuchung schwimmen – wie übrigens auch in Korb. In Weinstadt hätten Badegäste nur an ein paar „ganz heißen Tagen“ abgewiesen werden müssen, weil das Kontingent ausgeschöpft gewesen sei. Das Hallenbad in Beutelsbach ist noch zu, es werde über eine Öffnung noch nachgedacht, so die Sprecherin weiter.

Sportbecken im Freibad Winnenden bleibt offen

In Winnenden heißt es: „Am 14. September ist es endlich soweit: Wir öffnen das Hallenbad wieder.“ Eine begrenzte Zahl an Tickets könne online gebucht werden, wer keine Möglichkeit habe, ins Internet zu gelangen, dem werde im Kundenzentrum im Gebäude Ecke Schlossstraße/Wallstraße geholfen, heißt es in einer Pressemitteilung des Wunnebads. Jahreskarten, die vor der coronabedingten Schließung gekauft worden seien, seien nun wieder gültig. Die Tickets würden „um den verloren gegangenen Zeitraum“ verlängert. Dennoch sei es nötig, ein kostenfreies E-Ticket zu buchen. Neue Dauerkarten würden vorerst nicht angeboten. Die Freibadsaison endet am Sonntag, 13. September. Das Sportbecken im Ferien allerdings bleibe auch in diesem Herbst und im Winter offen – so Corona es zulässt, das muss man wohl für alle Angaben anfügen.

Mit Blick auf die Freibadsaison sagt der Leiter der Backnanger Bäder, Ricardo Hass: Besonders die Sportschwimmer wünschten sich, die neuen Corona-Regelungen mit Doppelbahnen und weniger Betrieb würden auch künftig beibehalten.

DLRG kritisiert seit vielen Jahren das Bädersterben

Winterfreibad
Bei der Deutschen Gesellschaft für das Bäderwesen wird nach Aussage des Geschäftsführers Christian Ochsenbauer auch über eine Öffnung von Freibädern im Winter zumindest nachgedacht. Das, sagt der Fachmann, „könnte eine Alternative werden“ – falls Corona dazwischenfunkt.

DLRG
Eine Umfrage der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat 2017 ergeben, dass rund 60 Prozent der zehnjährigen Kinder in Deutschland keine sicheren Schwimmer sind. Die Zahl werde wegen Corona wohl steigen, befürchten die Lebensretter. Weil Kurse der Pandemie wegen ausfielen, drohe ein Nichtschwimmer-Jahrgang. Deutschland, kritisiert der DLRG-Sprecher Achim Wiese, entwickle sich zum Nichtschwimmerland. Bundesweit würden Jahr für Jahr durchschnittlich rund 80 Bäder geschlossen. Deshalb hat die DLRG die Aktion „Rettet die Bäder!“ ins Leben gerufen.

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