Heizen wird immer teurer: Auch an den Hallenbädern im Kreis Böblingen gehen die gestiegenen Energiekosten nicht spurlos vorbei. Noch dazu nagt an den teils fast 50 Jahre alten Gebäuden der Zahn der Zeit. Was das genau bedeutet, ist in Maichingen zu sehen.
Die Zukunft des Maichinger Gartenhallenbades ist ungewiss. Das größte Problem für den betreibenden Förderverein sind die gestiegenen Energiekosten. Ab dem kommenden Jahr wird der Verein für Gas und Strom Mehrkosten von 230 000 bis 260 000 Euro stemmen müssen. Der Vorsitzende Alfred Kuhne spricht von einer Steigerung von 300 Prozent bei Strom und 350 Prozent bei Gas. „In einem bis eineinhalb Jahren sind wir pleite“, unkt Kuhne. „Das können wir mit den Einnahmen nie reinkriegen.“ Dabei hat der Verein die Wassertemperatur bereits gesenkt, um die Mehrkosten durch die Gasumlage aufzufangen. Eine Zeit lang könne der Verein von den Rücklagen – derzeit etwa 400 000 Euro – leben. Um das Bad allerdings für Privatleute, Vereine und Schulen erhalten zu können, hofft Kuhne auf Unterstützung der Stadt Sindelfingen.
Ohne Ehrenamt geht nichts mehr
Das Gartenhallenbad sollte bereits 1995 geschlossen werden, doch die Maichinger gründeten einen Förderverein, um das Bad in Eigenregie zu betreiben. Seitdem haben sich etwa 800 Mitglieder gefunden, von denen 60 regelmäßig aktiv mithelfen. Sie sitzen an der Kasse, schreiben Rechnungen, schippen bei Bedarf Schnee, pflegen den Garten mit Spielplatz und kümmern sich um die technischen Aspekte des 1974 gebauten Schwimmbads. Sechs von ihnen sind als sogenannte Frühöffner jeden Morgen vor allen Badegästen im Bad und kontrollieren die Chlorwerte und kümmern sich um die technischen Aspekte.
Hoffnung auf Sicherheit
Das Bad sei sehr gut ausgelastet, sagt Kuhne. Von 5.30 Uhr bis in die späten Abendstunden sei die Wasserfläche an insgesamt zehn Schulen und 15 Vereine vergeben. Dazu kommen täglich mehrere Stunden für den öffentlichen Badebetrieb. Der Verein hat im vergangenen Jahr 67 541 Badegäste gezählt – so viele wie seit 2018 nicht mehr. Zusätzlich zu diesen Einnahmen bekommt der Förderverein von der Stadt einen Zuschuss von 128 000 Euro im Jahr – rund 1,90 Euro pro Badegast, rechnet Kuhne vor.
Chlorwasser schädigt Beton
Doch nicht nur die Energiepreise machen dem Verein zu schaffen: Ein großes Thema ist das Gebäude selbst. Das mietet der Verein für 6000 Euro im Jahr von der Stadt Sindelfingen. Dafür hat er die Verpflichtung, das Bad für die Öffentlichkeit bereitzustellen. „Der Mietvertrag geht über zehn Jahre und läuft Ende 2024 aus“, so Kuhne. „Wir müssen ihn also verlängern, aber wir fragen uns: Warum bekommen wir keine unbegrenzte Bestandsgarantie?“ Von der Stadt gibt es dazu positive Signale„Wir sind gerade dabei, eine Sitzungsvorlage für den Gemeinderat vorzubereiten, in der es um eben so eine Zusage für die beiden vereinsgeführten Bäder geht“, sagt Christian Keipert, der Leiter des Sport- und Bäderamts.
Keipert meint neben dem Gartenhallenbad das Klostergartenbad im Herzen der Stadt. Sollte der Gemeinderat zustimmen, könnten beide Bäder dauerhaft von den jeweiligen Vereinen gemietet werden. „Uns ist klar, dass wir investieren müssen, um die vielfältige Bäderlandschaft in der Stadt zu erhalten“, so Keipert. Und investieren müsste die Stadt wohl ordentlich.
Das Chlor setzt dem Beton zu
Zwar habe der Förderverein in den vergangenen elf Jahren rund eine halbe Million Euro in das Schwimmbad gesteckt, doch an die Bausubstanz habe man sich nicht gewagt. „Alles, was nicht Anlage ist, muss neu gemacht werden“, sagt Kuhne. Das Kinderbecken und die Duschen seien erst vor Kurzem durch den Verein neu gestaltet worden. Aber die ganz großen Bauarbeiten müsse die Stadt als Eigentümerin stemmen, findet er. Dringend angegangen werden müsse die Sanierung des Hauptschwimmbeckens.
Mehr als eine Freizeiteinrichtung
Dort sei der Beton durch das Chlorwasser am Zerfallen. Das Problem sei schon seit zehn Jahren bekannt. „Es wird mit der Zeit nicht besser und auch nicht billiger“, meint Kuhne. War für die Sanierung vor einigen Jahren noch eine Summe von 300 000 Euro im Gespräch, rechnet er nun eher mit mindestens einer Million Euro Kosten für die Reparatur. Auch energetisch müsse einiges passieren, zum Beispiel an der Decke und den Fenstern. Die seien zwar doppelt verglast, aber halt aus einer ganz anderen Zeit. Keipert versichert, man schnüre derzeit ein Investitionspaket, auch den Zuschuss wolle man – sofern der Gemeinderat zustimmt – erhöhen.
Ein Blick in den Kreis
Kommunen stecken Millionenbeträge in Bäder, doch warum eigentlich? Weil, wie die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) nicht müde wird zu betonen, Bäder mehr sind als eine Freizeiteinrichtung. Baden und Schwimmen seien menschliche Grundbedürfnisse. Schwimmen zu können, sei eine grundlegende Kulturtechnik und könne überlebenswichtig sein. Daher hätten Schwimmbäder eine fundamentale Bedeutung für die Gesellschaft als Daseinsvorsorge, so die DGfdB.
Der Maichinger Förderverein, sollte es mit ihm zu Ende gehen, wäre nicht der erste, der nicht überdauert. Anno 2016 hatte sich der Döffinger Förderverein Hallenbädle aufgelöst, nachdem die Gemeinde Grafenau die zwei Millionen Euro Sanierungskosten nicht hatte aufbringen können. Eine Folge: Das Döffinger Lernschwimmbecken schloss damals seine Pforten.
Vorsichtiger Optimismus
Ebenfalls hohe Sanierungskosten stehen noch anderen Bädern im Kreis Böblingen ins Haus. Darunter – wie berichtet, das Sindelfinger Hallenbad, das Rappenbaum-Hallenbad in Dagersheim, und für das Gartenhallenbad in Waldenbuch. In Waldenbuch müssen die Schwimmhalle mit Sanitär- und Umkleidebereich, die technischen Anlagen sowie der Sanitär- und Umkleidebereich der Sporthalle neu gemacht werden. Auch hier hätten die gestiegenen Energiekosten die Betreiber gezwungen, die Eintrittspreise anzuheben.
Der Waldenbucher Hauptamtsleiter Ralph Hintersehr spricht von Mehrkosten von 140 000 Euro allein für das Blockheizkraftwerk im Technikbereich. Die Stadt reagierte mit reduzierten Wassertemperaturen und strich den Warmbadetag. „In Kürze wird ein vom Gemeinderat beauftragter Dienstleister eine Bündelausschreibung für Strom und Gas auf den Weg bringen“, so Hintersehr. Künftig wolle man eine CO2-neutrale Energieversorgung für das Hallenbad erreichen. Fossile Brennstoffe sollen dann nicht mehr zum Einsatz kommen.
Wie es mit dem Gartenhallenbad in Maichingen weitergeht, das liegt nun in der Hand des Sindelfinger Gemeinderates. Aber: „Wir sind vorsichtig optimistisch, dass der Gemeinderat die Genehmigung für die Sanierung erteilt“, sagt Kuhne.