Weil kein akzeptables Gebot für die Straße zur geplanten Ludwig-Uhland-Halle eingegangen ist, will die Gemeinde Gärtringen nun europaweit ausschreiben. Bis es eine neue Straße gibt, liegt auch der Bau der Halle auf Eis.
Das Wort „Wucher“ wollte bei der Vergabe der Verkehrsanlagen rund um die neue Ludwig-Uhland-Halle in der Gärtringer Gemeinderatssitzung am Dienstag niemand in den Mund nehmen. Brauchte auch niemand, denn der Hinweis der Gemeindeverwaltung, dass die einzige Firma, die sich um den Auftrag beworben habe, 37 Prozent mehr Geld verlangt als kalkuliert, genügte der Verwaltung, um das Vergabeverfahren zu stoppen.
Doch damit ist Gärtringens größtes Bauvorhaben ebenfalls vorläufig gestoppt. Denn bevor die Verkehrsanlagen und damit die Zufahrtsstraße auf dem engen Grundstück nicht errichtet ist, ist es auch nicht sinnvoll, die neue Ludwig-Uhland- Halle anzufangen. Sie soll im nächsten Jahr die bereits abgebrochene alte Mehrzweckhalle ersetzen und wird auf dem engen Baufeld zwischen dem Rathaus und der Ludwig Uhland Schule direkt in der Ortsmitte stehen.
Auf Heller und Pfennig ausgerechnet
Was das ganze Projekt kosten darf, haben zwei Planungsbüros im Auftrag der Verwaltung auf Heller und Pfennig berechnet. Dass das jetzt eingegangene Angebot um 37 Prozent Prozent darüber liegt, löste nicht nur beim Bürgermeister Thomas Riesch Kopfschütteln aus, sondern auch beim Leiter des Bauamtes Friedemann Erbele.
Denn in die Kalkulation der beiden Büros seien nicht einmal zwölf Monate alte Preise eingeflossen, auch hätten sich die Preise am Rohstoff-Markt nicht so verändert, dass die Teuerung um 37 Prozent gerechtfertigt sei. Der hohe Preis könnte höchstens daran liegen, dass die Bauzeit von einem halben Jahr knapp kalkuliert sei, mutmaßten Riesch und Erbele, und dass die Aufgabe so komplex sei, dass sie sich nur wenige Firmen zutrauten. Die Erklärung, dass durch die Großprojekte wie Stuttgart 21 und die Verbreiterung der A 81, die Kapazitäten der Baufirmen gebunden seien, fruchtete nur halb: Genauso könne man sich fragen, wenn schon schweres Gerät und große Firmen in der Nähe seien, warum sie diesen Auftrag nicht gleich miterledigen.
Die Bauzeit darf jetzt länger sein
Aber es ging in der Gemeinderatsitzung nicht nur darum, Erklärungen zu finden, sondern vor allem Lösungen. Was die Verwaltung vorschlug, war gewissermaßen die Flucht nach vorne. Die Zufahrtsstraße solle europaweit ausgeschrieben werden, und die möglichen Baufirmen sollten ein ganzes Jahr Zeit für den Bau haben, um „einem erneuten Desinteresse des Markes vorzubeugen“, wie es sinngemäß in der Beschlussvorlage hieß. Der Gemeinderat stand voll und ganz hinter der Strategie des Bürgermeisters und des Ortsbauamtes. Matthias Bock, der Fraktionssprecher der Freien Wähler, signalisierte seine Zustimmung, genauso wie Inge Friedrich von der Grünen Liste, die noch berichtete, wie fassungslos der Gemeinderat gewesen sei, angesichts der unverhofften Teuerung. Die Abstimmung fiel denn auch einstimmig zugunsten einer zweiten, diesmal europaweiten, Ausschreibung aus.
„Wir sollten vorankommen, aber nicht um jeden Preis“, wertete Thomas Riesch die neue Strategie des Gemeinderates abschließend. Der neue Zeitplan sieht so aus, dass der Gemeinderat Anfang Juni die Vergabe beschließt und die Arbeiten an den Zufahrtswegen der Halle dann Mitte Juli beginnen würden. Der Rohbau sollte dann Ende März des kommenden Jahres fertig sein.