Großes Gedränge beim Volksfest. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Halbzeit auf dem Volksfest. Und Finale beim Landwirtschaftlichen Hauptfest. Das Doppel auf dem Wasen war gefragt beim Publikum, 1,5 Millionen Gäste kamen aufs Volksfest, mehr als 200 000 Gäste drängte es zu Tieren und Traktoren.

Stuttgart - Der Landwirt hat offenbar die Mechanismen der Großstadt besser verstanden als der Städter selbst. Während am vergangenen Samstag beim Auftakt des Volksfests das Chaos tobte, die Menschen zum VfB und auf den Rummel drängten, blieben die Bauern lieber daheim, fütterten die Tiere und brachten das Heu ein. Nur 9000 Besucher kamen am vergangenen Samstag aufs 100. Landwirtschaftliche Hauptfest. „Offenbar ganz bewusst“, sagt Andreas Kroll, Chef der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, „die Leute sind dem Trubel aus dem Weg gegangen.“ Dafür kamen sie am Montag, Dienstag und Donnerstag zuhauf, bis zu 30 000 Menschen drängten da auf die Agrarmesse.

Zehn Prozent mehr Besucher

Bisher verzeichnete man zehn Prozent mehr Besucher als bei der letzten Auflage vor vier Jahren. Und so wird man, glaubt Kroll, „vielleicht sogar die 200 000 Besucher übertreffen“. Präsident Joachim Rukwied vom Landesbauernverband ist „hoch zufrieden“ mit der Veranstaltung.

Nachdem die Bauern ja im Verlauf des Jahres mehrmals den Regen herbeigesehnt hatten, seien sie nun froh gewesen, dass es eine Woche lang trocken blieb. EU-Kommissar Phil Hogan hat er am Freitag über den Platz geleitet, dabei sprach man über die Sorgen und Nöte des Bauernstands. Doch offenbar waren die gar nicht so groß, nach einer Woche Bad Cannstatt zog Rukwied das Fazit: „Unsere Landwirte sind guter Stimmung.“ Und weil sich das in etlichen Käufen von Landmaschinen niederschlug, waren auch die 600 Aussteller wohlgemut.

Eitel Sonnenschein also. So glücklich war der Landesbauernverband als Veranstalter der Jubiläumsmesse, dass er erstmals für gleich zwei neue Auflagen unterschrieb. Auch 2022 und 2026 wird das Landwirtschaftliche Hauptfest auf dem Wasen stattfinden. Das erleichtert in.Stuttgart das Ertüchtigen des Platzes. Es gibt nämlich nur eine Zufahrt aufs Gelände, das ist jene auf den Campingplatz. Und die ist so eng, dass keine zwei Laster aneinander vorbeikommen. Das heißt, der eine muss warten, bis der andere vorbei gefahren ist. Man kann sich vorstellen, was das für Mühe macht, wenn etwa die Tiere ankommen oder die Lieferanten morgens Essen und Getränke bringen. Da will man für die Zukunft Abhilfe schaffen. In der näheren Zukunft hat sich in.Stuttgart jetzt aber noch um eine Woche Volksfest zu kümmern.

1,5 Millionen Gäste beim Volksfest

Bis zum Donnerstagabend waren 1,5 Millionen Besucher aufs 173. Cannstatter Volksfest gekommen. Kroll: „Damit werden wir wohl die angestrebten 3,5 Millionen Besucher erreichen.“ Das wären weniger als die 4,1 Millionen Gäste im Vorjahr. Das liegt schlicht daran, dass der Platz für das Volksfest wegen des Landwirtschaftlichen Hauptfests ein Drittel kleiner ist. Passen sonst 90 000 Menschen während des Volksfests auf den Platz, sind es nun 70 000.

An diesem Wochenende will die Stadt schauen, dass die Anwohner nicht wieder gnadenlos zugeparkt werden und entsprechend kontrollieren. Und in.Stuttgart weist daraufhin, dass vom Bahnhof Bad Cannstatt am Samstagabend Busse zum Hauptbahnhof fahren. Dieses Angebot haben am vorigen Samstag nur 280 Menschen genutzt, trotz großer Schilder und obwohl es umsonst ist. Kroll: „Die Leute haben lieber auf die nächste S-Bahn gewartet.“ Ob es dieses Angebot nächstes Jahr geben werde, wird noch ausgewertet. Ebenso, wie es mit dem Historischen Volksfest weitergeht. Eine neue Auflage soll es geben, wohl auf dem Wasen. Kroll: „Dort gehört das Fest hin, dort ist es zuhause.“ Wann und wie es stattfindet, darüber wird man sich die nächsten Monate die Köpfe zerbrechen, den altertümlichen Charme will man schließlich bewahren.

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