Jubiläumsschau der Staatsgalerie Stuttgart Zerstörte Plakate am S21-Zaun treffen das Museum hart

Von Adrienne Braun 

Plakate erinnern an die vielen Ausstellungen, die die Staatsgalerie schon gemacht hat. Foto: Staatsgalerie
Plakate erinnern an die vielen Ausstellungen, die die Staatsgalerie schon gemacht hat. Foto: Staatsgalerie

Die Jubiläumsausstellung der Staatsgalerie Stuttgart läuft gut – aber trotz freien Eintritts bleibt der große Ansturm aus.

Stuttgart - Es gab, so wie es sich gehört, zum Geburtstag reichlich Präsente. Die Staatsgalerie Stuttgart wird in diesem Jahr 175 Jahre alt – und hat nicht nur 21 Kunstwerke geschenkt bekommen, sondern von Sponsoren und den Freunden der Staatsgalerie sogar noch ein ganz besonderes Geschenk: Sie spendieren den Besucherinnen und Besuchern während der Jubiläumsausstellung „#meinMuseum“ freien Eintritt ins gesamte Haus.

Nun ist Halbzeit – und Euphorie und Festtagslaune sind einer gewissen Ernüchterung gewichen. Denn die Besucherzahlen sind zwar nicht schlecht, allerdings auch nicht so gigantisch, wie man es sich durch den freien Eintritt erhofft hatte. Im vergangenen Jahr kamen in den Monaten Mai und Juni knapp 18 000 Besucher in die Sammlung, für die damalige Sonderschau liegen keine eigenen Zahlen vor. Seit der Eröffnung der Jubiläumsschau „#mein Museum“ Anfang Mai kamen insgesamt 27 630 Besucherinnen und Besucher in die Staatsgalerie. Zieht man von dieser Zahl allerdings die 6000 Gäste des Jubiläumsfests ab, schwindet der Vorsprung und die Unterschiede zum vergangenen Jahr sind nicht mehr eklatant.

Warum der freie Eintritt noch nicht so stark genutzt wird, hat aus Sicht der Staatsgalerie einen klaren Grund: Die finanzielle Unterstützung wurde erst wenige Tage vor der Ausstellungseröffnung zugesagt und konnte entsprechend nicht mehr auf den Plakaten und in den Broschüren angekündigt werden. „Es ist mit dem freien Eintritt relativ spontan gewesen“, sagt die Direktorin Christiane Lange, „wir konnten ihn nicht mit einem halben Jahr Vorlauf bewerben und posten.“ Neben dem schönen Sommerwetter, das allen Museen zu schaffen macht, hat die Staatsgalerie aber auch Pech: Große Plakate am Bauzaun von Stuttgart 21 wiesen auf das Jubiläum und den freien Eintritt hin. Dreizehn dieser bunten Flächen sind nun abgerissen worden. Die Staatsgalerie geht davon aus, dass S21-Gegner die Plakate entfernt haben, um wieder ihre Parolen gegen S 21 auf den Zaun zu sprayen. „Das ist echt gemein“, sagt Christiane Lange. Sie habe zwei Jahre bei Bahn, Stadt und Land gekämpft, auf den Bauzäunen Werbung machen zu dürfen. Mittel für neue Plakate hat die Staatsgalerie nicht. „Das kostet richtig Geld, das zu produzieren und aufzuhängen“, so Lange.

Besucher stimmen gern für ihr Lieblingswerk

Deshalb hält sie es erst recht für verfrüht, schon jetzt Bilanz zu ziehen und ist weiterhin überzeugt, dass „freier Eintritt nützen kann“ – zumal die Resonanz auf die Jubiläumsausstellung gut sei, wie Steffen Egle sagt. Er leitet die Kunstvermittlung und hat die Jubiläumsschau kuratiert. Viele Besucher würden es positiv bewerten, dass mal kein kunsthistorischer Blick eingenommen werde und es eine vergleichsweise schlanke Ausstellung sei. Für Egle ist die „größte Erfolgsgeschichte“ aber das Lieblingsstück. Schon seit zwei Jahren kann jeder auf der Homepage der Staatsgalerie sein Lieblingswerk küren, aber erst seit Beginn der Jubiläumsausstellung werde das Angebot häufig genutzt, besondere Publikumsfavoriten würden zum Teil mit bis zu 400 Herzchen versehen. Das Lieblingswerk der Woche wird immer separat präsentiert – in dieser Woche ist es ein Gemälde von Neo Rauch.

In „#mein Museum“ werden die Besucher auch aufgefordert, die Arbeit der Staatsgalerie zu kommentieren. Allerdings sei das meiste „auf der Ebene Besucherbuch“, sagt Steffen Egle und schrieben die Besucher, was ihnen gefallen habe. Qualifizierte Beiträge, die dem Museum ein belastbares Feedback über das Programm geben, sind rar. In der Jubiläumsschau könne man „tolle Neuentdeckungen“ machen, schreibt eine Besucherin, „Das Depot darf ruhig öfter „ausgelüftet werden. Dann ist die Überraschung beim Wiederkommen umso größer.“

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