Als hätte eine Bombe eingeschlagen: Schön geht anders. Eindrücke vom Santiago-de-Chile-Platz. Foto: Caroline Holowiecki

Der Santiago-de-Chile-Platz war am Wochenende ekelhaft vermüllt. Schon früher war der Ausguck auf dem Haigst in Stuttgart-Degerloch ein beliebter Partytreff. Sind die Feiernden zurück?

Degerloch - Was für ein Schlachtfeld! Während über dem Santiago-de-Chile-Platz die Sonne lachte, gab es auf der Erde nichts zu lachen. Der Aussichtsplatz auf dem Haigst war am Wochenende eine Müllhalde. Der komplette Boden übersät mit Scherben von zerschmissenen Alkoholflaschen, Pizzaschachteln und anderer Abfall machten die Suche nach einem Sitzplatz zum echten Problem, und wer sich vorn ans Mäuerchen stellte und dachte, dass er so den ekligen Unrat einfach ausblenden kann, wurde eines Besseren belehrt, denn auch das Gebüsch unterhalb glich einem gigantischen Mülleimer.

Dabei gehört die Aussichtsplattform doch zu den schönsten in der Stadt. Auf der Stuttgart-Tourist-Homepage wird sie als Ausflugsziel beworben. Bei jenen, die auf dem Blaustrümpflerweg wandern, erfreut sich der Ausguck großer Beliebtheit. Aber eben auch beim Partyvolk. Wie Martin Thronberens, ein Sprecher der Stadtverwaltung, berichtet, hat es vor etwa zwei Jahren gehäuft Beschwerden der Anwohner gegeben, „Jugendliche und junge Erwachsene hatten den Platz zum Vorglühen für sich entdeckt.“ Müll inklusive.

Die Ferkeleien sind keine Degerlocher Spezialität

Kaum ist die Sonne wieder da, folgt der Dreck. Die Ferkeleien sind allerdings keine Degerlocher Spezialität. „In Stuttgart hat die Vermüllung in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Unter den weggeworfenen Abfällen leiden das Erscheinungsbild unserer Stadt und das Wohlbefinden sowie die Lebensqualität der Bürger“, hatte der OB Fritz Kuhn bereits im August 2017 moniert.

Ein Vergleich: In Stuttgart sind 2016 insgesamt 6206 Tonnen Straßenkehricht angefallen. 2006 waren es noch 5142 Tonnen gewesen, obwohl die Zahl der Abfalleimer von knapp unter 4000 auf knapp über 5000 gestiegen war. Der Gemeinderat hat wegen des Problems im aktuellen Haushalt zehn Millionen Euro zusätzlich freigegeben, knapp 30 Millionen Euro insgesamt. Das Geld fließt unter anderem in eine Sauberkeitskampagne, neue Mülleimer und Maschinen, aber auch in mehr als 120 neue Jobs. Darunter Mitarbeiter für den Vollzugsdienst, die als Müll-Streifen patrouillieren.

Die Stadt Stuttgart hat das Thema im Blick

Im Moment wird der Santiago-de-Chile-Platz mit seinen drei 60-Liter-Eimern viermal pro Woche gereinigt, ab Mitte März sogar sechsmal. Durch verstärkte Kontrollen konnte die Vergnügungsszene verdrängt werden, sagt Martin Thronberens. Seit dieser Zeit habe der Vollzugsdienst keine Klagen vernommen. Auch die Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold betont, dass der Platz bisher nicht verstärkt in Sachen Vandalismus oder Müll in Erscheinung getreten sei. „Es gibt kaum Beschwerden“, sagt sie.

Dennoch will man dem Thema beim städtischen Ordnungsamt nachgehen. „Sollte sich bei den nun folgenden Kontrollen herausstellen, dass sich hier ein Hotspot gebildet hat, werden die Kontrollen dort intensiviert“, heißt es aus dem Rathaus. Und immerhin: Nach dem neuen Bußgeldkatalog des Umweltministeriums droht Müllsündern beim Wegwerfen oder Liegenlassen von Kippen, Verpackungen oder Getränkedosen ein Bußgeld von 75 Euro. Bei Mengen über zwei Kilo oder bei scharfkantigen Gegenständen fängt die Geldbuße sogar erst bei 100 Euro an.

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