Jörg Haiders Mutter in den Ausstellungsräumen des Haider-Museums in Klagenfurt. Foto: APA

Weniger als 400 Menschen haben bislang eine Jörg Haider gewidmete Ausstellung besucht.

Klagenfurt - Haider als Säugling mit Schnuller, als Student, als frisch Vermählter, im Urlaub oder an der Seite des Dalai Lama. 150 Fotos, ergänzt durch 20 Videoclips auf fünf Bildschirmen stellen im Klagenfurter Bergbaumuseum das Leben des vor 15 Monaten tödlich verunglückten Kärntner Landeshauptmanns dar. In Glasvitrinen sind Schaukelpferd, Kinderschuhe, das Hochzeitskleid von Gattin Claudia und diverse modische Outfits zu betrachten.

Allerdings: Nur wenige wollen das alles sehen. Mit 70.000 Besuchern hatte Museumsleiter Gerhard Finding bei der Eröffnung im Oktober 2009 gerechnet. Doch schon in den ersten Wochen hatte sich gezeigt, dass es kein überbordendes Interesse gibt. Den Sicherheitsleuten, die den erhofften Ansturm der Haider-Fans unter Kontrolle halten sollten, wurde schon im Dezember gekündigt.

Selbst die Rechnung mit den Verschwörungstheorien rund um Haiders tragisches Ende - bei weit überhöhter Geschwindigkeit und alkoholisiert entglitt ihm die Kontrolle über sein Auto - geht nicht auf: Der computertomografische Befund, der auf einen "Fremdkörper im Bereich der rechten Niere" und auf "13 Zentimeter lange Hautverfärbungen in Kehlkopfhöhe" verweist, lockt keine Massen an, die sich aus den Dokumenten einen Beweis für die Ermordung Haiders zusammenreimen würden.

Die laut Landeshauptmann Gerhard Dörfler "auf tausendfachen Wunsch der Bevölkerung" entstandene Ausstellung ist bisher von nicht mal 4000 Menschen besucht worden. Selbst wenn jeder tatsächlich den vollen Eintrittspreis von fünf Euro berappt haben sollte, wurde nicht einmal die Hälfte der Kosten eingespielt.

Offensichtlich ist der Haider-Hype verpufft. Unmittelbar nach seinem Tod schien sich in Kärnten tatsächlich so etwas wie ein Haider-Kult zu entwickeln. Tatkräftig gefördert von seinen politischen Erben wurden Leben und Sterben des BZÖ- und früheren FPÖ-Chefs zum Drama verklärt, das den Toten zum Elvis Presley der Kärntner Politik machen sollte.

Die Spekulation schien aufzugehen: Kärnten versank in einer Welle der Trauer, das Lebenswerk des Verstorbenen wurde noch rosiger gesehen als zuvor und das BZÖ schaffte bei den Landtagswahlen im vergangenen März mit 45 Prozent ein Rekordergebnis. Es war der letzte Triumph Haiders und der erste Wahlsieg eines Toten.

Seither geht es bergab. Das Debakel um die notverstaatlichte Landesbank Hypo-Alpe-Adria lässt sich nicht mehr unter den Kärntner Teppich kehren. Das Desaster ist ebenso Haiders Erbe wie die höchste Pro-Kopf-Verschuldung, welche der Landeshauptmann den Kärntnern mit der "Brot-und-Spiele-Politik" aufgebürdet hat. Erleichtert wird dieser Prozess der Einsicht durch die absurde Schmierenkomödie der Haider-Erben. Die als großer Coup inszenierte Wiedervereinigung von FPÖ und BZÖ in Kärnten führte zu einer weiteren Spaltung. Mittlerweile geben sich drei Parteien als die wahren Erben Haiders aus: Die wiedervereinigte Freiheitliche Partei Kärntens (FPK), das die Fusion ablehnende Rest-BZÖ und die Kärntner FPÖ, die sich ebenfalls nicht - wie vom Wiener Parteichef Heinz-Christian Strache gewünscht - einfach auflösen will.

Eigentlich könnten die Kärntner Rechtspopulisten ihren Wettstreit, wer der treueste Haider-Jünger ist, beenden. Denn die Marke "Jörg" verliert dramatisch an Zugkraft. So versuchte das Klagenfurter Auktionshaus Cavinnash jetzt vergeblich einen Porsche 911 zu versteigern, der Haider gehört hatte. Im November hatte ein Fan noch 90.000 Euro geboten, aber dann nicht zahlen können. Jetzt fand sich zum Ausrufungspreis von 45.000 Euro kein Interessent.

Die Ausstellungsmacher, die eigentlich an Haiders 60. Geburtstag in dieser Woche schließen wollten, hoffen weiter auf den großen Ansturm. Bis Oktober wird die Devotionalienshow verlängert. Klagenfurts Vizebürgermeister Albert Gunzer will zumindest die Kosten hereinbringen. Im Mai werden Tausende Besucher zum GTI-Treffen in Kärnten erwartet, im September gibt's eine ähnliche Veranstaltung für die Harley-Davidson-Gemeinde. Vielleicht verirrt sich dann der eine oder andere GTI- oder Harley-Fan in die Ausstellung, die selbst Kärntner nicht begeistern kann.

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