Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, besucht die Hagia Sophia im Stadtviertel Sultanahmet. Foto: dpa

Ihm gefalle die Moschee-Nutzung besser als wenn „massenweise Touristen reinlatschen“. Der deutsche Schriftsteller Feridun Zaimoglu schlägt sich im Streit um die Hagia Sophia auf die Seite Erdogans.

Hamburg - Schriftsteller Feridun Zaimoglu sieht die umstrittene Umwandlung des Istanbuler Wahrzeichens Hagia Sophia in eine Moschee positiv. „Ich begrüße, wenn in einem Gotteshaus wieder ein Gott angebetet wird“, sagt Zaimoglu in einem Interview der „Zeit“-Beilage Christ & Welt. „Die Hagia Sophia wurde ja schließlich nicht als Verwahranstalt und Showroom von Kultgegenständen gebaut.“

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte am 10. Juli den Status der Hagia Sophia als Museum aberkannt und damit einen Beschluss des Ministerrats aus dem Jahr 1934 gekippt. Kurz danach ordnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen. Ab Freitag wird es als Moschee genutzt.

Verständnis für Gläubige

Erdogans Entscheidung hatte Proteste hervorgerufen. Zaimoglu äußerte Verständnis, dass die Menschen an heiligen Stätten hängen. „Wir sprechen vom Hergebrachten, von steingewordener Geschichte“, sagte er. „Aber erst mal werden nun in der Hagia Sophia nicht mehr massenweise Touristen reinlatschen und immerfort Fotos knipsen können.“ Zaimoglu (Jahrgang 1964) wuchs in Deutschland auf, die Türkei ist das Heimatland seiner Eltern.

Die Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) wurde im 6. Jahrhundert nach Christus erbaut und war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wandelte Sultan Mehmet II. die Hagia Sophia in eine Moschee um.

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