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Häussler-Gruppe mit Problemen - Folgen für Projekte in Stuttgart-Ost ungewiss.

Stuttgart - Das Firmenimperium des Projektentwicklers Rudi Häussler wackelt. Für einige Gesellschaften im Konzern hat der Stuttgarter Altmeister der Investoren die Insolvenz beantragt. Nun rechnet man im Rathaus mit einem monatelangen Stillstand bei zwei Projekten im Stadtteil Berg.

Es ist ein Teufelskreis. Durch die drohende Pleite bei drei Gesellschaften könnte das ganze Imperium von Rudi Häussler (82) zusammenkrachen wie ein Kartenhaus, spekuliert man in Wirtschaftskreisen. Noch scheinen Häusslers Hotelprojekt beim Mineralbad Berg sowie die Sanierung der historischen Villa Berg und der von Häussler geplante Wohnungsbau im Park der Villa nicht von den Insolvenzanträgen betroffen zu sein. Doch was wirklich daraus wird, könnte sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Aufregung und Verwirrung sind groß, Gesprächspartner rar.

Montagnachmittag bei der Häussler-Gruppe in Möhringen: Der erkrankte Rudi Häussler ist nicht da, der Finanz- und Verwaltungschef Andreas Oberem von der Häussler Holding terminhalber nicht erreichbar. Die Mitarbeiter verweisen auf die Anwaltskanzlei Grub, Brugger und Partner, die sich um Häusslers Angelegenheiten und die Insolvenzverfahren kümmert. Doch mit dem Schicksal der Villa und des Wohnbauprojekts in Berg sowie des Hotelprojekts beim Mineralbad Berg hat sich die Kanzlei noch nicht befasst. Bisher habe man sich nur mit der Großbaustelle Seepark in Möhringen beschäftigt. "Das hatte oberste Priorität", heißt es in der Kanzlei.

Städtebaubürgermeister Matthias Hahn ist Realist. Nach Lage der Dinge werde es bei den Projekten in Berg jetzt "einen gewissen Stillstand" geben, sagte er. Für die rund 60 hochwertigen Wohnungen, die Häussler anstelle der alten Fernsehstudios im Park der Villa Berg erstellen wollte, sei vom Gemeinderat noch nicht einmal die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen. Da der Architekt und Häussler-Stellvertreter Cemal Isin vor zwei Wochen aus der Geschäftsführung der Häussler-Gruppe ausgeschieden sei, habe die Stadt sozusagen ihren Ansprechpartner in Baufragen verloren.

Das Projekt ist seit vielen Monaten umstritten. Die SPD lehnt es ab. Die Grünen betrachten es sehr kritisch, waren aber noch Häusslers Hoffnungsträger für eine Mehrheit im Gemeinderat. Die Bedingungen wollte man längst vor den Sommerferien klären, aber die Fronten waren verhärtet und Häusslers Erkrankung hinderlich.

Eine Mehrheit im Gemeinderat wolle das Wohnbauprojekt nicht, glaubt Bürgermeister Hahn, verschiedene Überlegungen, am Rand des Parks alternative Bauflächen bereitzustellen, hätten nicht weitergeholfen. Hahn selbst und die Verwaltungsspitze würden das Wohnbauprojekt dagegen in Kauf nehmen, um damit die Fernsehstudios aus dem Park zu beseitigen, die sonst wahrscheinlich noch länger bleiben werden. Andere wollen die theoretische Chance auf Wiederherstellung des Parks nicht durch neue Wohnungen verbauen lassen. Die historische Villa könnte zwar bereits jetzt saniert werden, doch das wollte Häussler bisher nicht beginnen. Grund: Der Wohnungsverkauf sollte das Geld für die Sanierung der Villa bringen. Ein Ausweg aus dem Dilemma ist jetzt noch weniger in Sicht. Schon zirkuliert im Rathaus die Ansicht, dass die Problemfälle in Berg sich jetzt nicht vor der Landtagswahl am 27.März lösen lassen. Denn der Bezirksvorsteher im Osten, Martin Körner (SPD), ist auch Kandidat.

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