Die Urlaubszeit ist für Betroffene von häuslicher Gewalt oft besonders schwierig. Die Amila-Beratungsstelle in Böblingen erklärt, wieso das so ist, und gibt Betroffenen Ratschläge.
Sommerferien bedeuten für viele Freizeit, Sonne, Entspannung und Urlaub. Doch es gibt auch Menschen, denen es vor Feiertagen und Ferienzeiten graut. Menschen zum Beispiel, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.
Bei Amila, der Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt im Kreis Böblingen, gehen dann pro Woche häufig rund zehn Neuanfragen ein. Insbesondere in den Wochen nach den Ferien verzeichnet man dort einen solchen Anstieg.
Für von Gewalt Betroffene sind Ferien oft keine schöne Zeit
Doch an was liegt das? Während der Ferienzeit würden öffentliche Schutzräume wie Schule, Hort oder Sportvereine vor allem für Kinder wegbrechen, erklärt eine Sozialpädagogin der Beratungsstelle. Kontakt zu Lehrenden, Freunden, Kollegen nehme ab. Zwangsläufig müssten die Betroffenen viel mehr Zeit mit der Person verbringen, die in der Familie Gewalt ausübe. Dies werde verstärkt, wenn die gewalttätige Person selbst Urlaub habe und mehr Zeit zu Hause verbringe. Gleichzeitig sei in Ferienzeiten auch der Zugang zu Hilfe erschwert: Oftmals seien Öffnungszeiten und die Erreichbarkeit durch Urlaubszeiten verkürzt.
Vielleicht ist es in der gemeinsamen Wohnung zu eng, es ist heiß, die Nerven liegen blank, die Urlaubszeit belastet das Bankkonto – all dies können verschlimmernde Faktoren sein, weiß die Beratungsstelle.
Was rät die Beratungsstelle Amila Frauen und Kindern?
Amila rät Frauen und Kindern in dieser Situation, vor allem Angebote wie das Hilfetelefon zu nutzen, aber auch Freunde und Nachbarn um Unterstützung zu bitten. Auch einen Fluchtplan parat zu haben – mit Notfalltasche und einem sicheren Ort – sei nützlich. Die Beratungsstelle Amila ist in der Ferienzeit ebenfalls erreichbar und bietet anonyme, kostenlose und selbstbestimmte Beratungen an. In den Gesprächen werden Handlungsmöglichkeiten und Schutzmaßnahmen erarbeitet. In Gefahrensituationen gelte auch immer: die Polizei rufen.
Selbst wenn Betroffene in der Ferienzeit wenig Privatsphäre haben, um beispielsweise Beratungstermine zu vereinbaren, rät Amila, Gespräche beispielsweise über Dritte ausmachen zu lassen. Über die Homepage von Amila können Betroffene ebenfalls Kontakt aufnehmen – die Webseite besitzt einen Safe-Exit-Button, über den Nutzer im Notfall die Seite schnell und spurlos verlassen können. Doch auch Nachbarn, Verwandte oder Freunde können in der Ferienzeit achtsam sein: So können sie Möglichkeiten schaffen, mit Betroffenen ohne die gewaltausübende Person Dinge zu unternehmen.
Die Amila-Webseite ist zu finden unter www.amila-beratung.de.