OB Belz staubt die Häs der Narren ab, Bianca Hartmann moderiert. Foto: Anke Kumbier

In Böblingen wurden Häs abgestaubt und der Narrenbaum aufgestellt. Bedeutet: Die fünfte Jahreszeit hat offiziell begonnen.

„Narri-Narro“ schallt es laut über die Albabrücke in Böblingen. Sie geht wieder los, die schwäbisch-alemannische Fasnet, die nicht wie der Karneval am 11.11. sondern am 6.1. beginnt. Die Freude über den Start in die närrische Zeit ist groß.

 

Da hält auch der Schnee, der am Dienstagmorgen vom Himmel rieselt und die ganze Stadt in eine feine, weiße Decke hüllt, die Narren nicht davon ab, zum traditionellen Häsabstauben und Narrenbaumstellen zusammenzukommen. Das Wetter erinnert daran, um was es bei der Fasnet auch geht: mit Lärm und närrischer Freude den Winter und die Dunkelheit zu vertreiben.

Und der Winter hat zumindest ein kleines Einsehen mit den Narren. Als pünktlich um 11.11 Uhr der Fanfarenzug von Grün-Weiss Böblingen zu spielen beginnt, fallen keine weißen Flocken mehr vom Himmel. Die Musiker und die Minigarde begleiten den Einzug des bunt geschmückten Narrenbaums über die Albabrücke bis zum Restaurant „Seegärtle“, wo er später aufgestellt wird.

Belz staubt Masken ab

„Es fühlt sich richtig gut an“, fasst Bianca Hartmann von den Kemmla-Hexa ihre Stimmung zusammen. „Man ist wieder in der Gruppe zusammen, alle kennen sich. Das macht einfach Spaß.“ Dann steigt sie auf einen Wagen, der als Bühne dient und von dem aus sie das Häsabstauben moderiert.

Ihr zur Seite steht Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz, der eine ganz besondere Aufgabe hat: Mit einem großen Staubwedel fächert er über Masken, Felle und Hüte und staubt symbolisch die Häs der Narren ab. Ab dem 6. Januar dürfen die Masken nämlich offiziell getragen werden, bis sie Aschermittwoch wieder im Schrank verschwinden. Belz hat einiges zu tun: Zehn Fasnetgruppen gibt es in Böblingen. Unter ihnen mit Grün-Weiss die älteste Gruppe, die sich im Jahr 1982 gründete, dicht gefolgt von den Kemmla-Hexa im Jahr 1986. In knalliger Farbe und mit aufwendig geschminkten Gesichtern stechen die Gift-Grünen Schlossberg-Hexen hervor, an Buntheit kaum zu überbieten sind die fröhlichen Häs der Lombamenscher.

Höhepunkt der Fasnet Mitte Februar

Beim Blick ins Gesicht der verschiedenen Hexen-Gruppen wird deutlich, dass jede Maske einzigartig ist. Gruselig-wild sehen die Reichsgrafpfänder aus, gespenstisch-schaurig die Bluadschlotzer und die Schlossgeischdr der Freien Narrenzunft. Nicht minder unheimlich die knorrigen Masken der Wasserbuggl Hexa ond Deifel oder der Rosch-Narren. Eher gemütlich wirken hingegen die Böblinger Bären. Das bunte Völkchen lässt sich brav die Häs abstauben, die Guggenmusik spielt und schließlich erhalten unter anderem Oberbürgermeister Belz, Bela Stahl von Grün-Weiss Böblingen und Seegärtle-Wirt Uwe Hutfilz für ihre Verdienste für die Fasnet eine Auszeichnung der Europäischen Narrenzunft verliehen.

Die Kemmla-Hexa gestalten ihre Masken nach eigener Aussage selbst. Jede ist einzigartig. Foto: Anke Kumbier

Fehlt nur noch der Narrenbaum. Aber kein Problem für die Hästräger. Innerhalb weniger Sekunden steht der knapp zehn Meter hohe Baum an seinem angestammten Platz am „Seegärtle“. Dann heißt es erst mal aufwärmen. Nicht alle sind so gut ausgerüstet wie eine Schlossberg-Hexe. Sie hat sich extra beheizbare Schuheinlagen zugelegt. In Bewegung muss sie trotzdem bleiben. Denn: Die Einlagen erledigen ihren Job so gut, dass ihre Füße ansonsten zu heiß geworden wären, wie sie lachend berichtet.

Vor den Narren liegen ereignisreiche Wochen: Ihren Höhepunkt erreicht die Fasnet am Donnerstag, 12. Februar, wenn die Narren um 13.39 Uhr das Böblinger Rathaus stürmen. Der Rosenmontagszug, bei dem alle Böblinger Gruppen und zahlreiche aus der Umgebung dabei sind, folgt am 16. Februar. Für die kleinen Narren gibt es am Dienstag, 17. Februar, einen Kinderumzug mit anschließender Party in der Böblinger Kongresshalle. Am Mittwoch, 18. Februar, tragen die Narren die Fasnet zu Grabe und waschen ihre – dann – leeren Geldbeutel.