Erst wurde der Strom abgestellt, dann Insolvenz beantragt - droht der legendären Bühlerhöhe nun das Aus? Foto: dpa

Erst wurde der Strom abgestellt, dann Insolvenz beantragt - droht der legendären Bühlerhöhe nun das Aus? Nicht unbedingt, meint der Insolvenzverwalter.

Bühl - Könige, Staatsmänner und Stars logierten hier. Der erste Kanzler der jungen Bundesrepublik, Konrad Adenauer, genoss bei seinen häufigen Besuchen den Ausblick vom Balkon des Schlosshotels Bühlerhöhe auf die Rheinebene. Tennislegende Boris Becker verbrachte im luxuriösen Ambiente der Schwarzwaldidylle nahe Baden-Baden seine erste Hochzeitsnacht. Und die Schlichter des öffentlichen Dienstes nutzten in den 1990er Jahren die Abgeschiedenheit auf rund 800 Meter Höhe, um in Ruhe ein Lösungspaket im Tarifkonflikt zu schnüren.

Das Haus gehörte einst zu den ersten Adressen der Welt. Doch seit drei Jahren ist mit der großen Politik und dem Glamour an der Schwarzwaldhochstraße Schluss. Damals verkaufte SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp den barockähnlichen Prachtbau an einen ukrainischen Geschäftsmann. Seitdem ruht der Hotelbetrieb in dem 1912 ursprünglich als feines Offiziergenesungsheim errichteten Gebäude. Nun hat die wechselvolle Geschichte der Nobelherberge den vorläufigen Tiefpunkt erreicht: Vor einigen Tagen ging wegen unbezahlter Rechnungen das Licht aus - jetzt wurde auch noch Insolvenz gegen das einstige Fünf-Sterne-Hotel beantragt.

Steuerberater der Hopp-Familie erklärt Insolvenzantrag

„Als wir hörten, dass das Gebäude noch nicht einmal mehr in Betrieb gehalten wird, schrillten bei uns die Alarmglocken“, begründet Berthold Wipfler, der Steuerberater der Unternehmerfamilie Hopp, den Insolvenzantrag. Schließlich hat der ukrainische Geschäftsmann Igor Bakai Hopp auch nach drei Jahren erst etwas mehr als die Hälfte des geschätzten Kaufpreises in Höhe von etwa 35 Millionen Euro überwiesen.

Aus Zahlungsunfähigkeit oder -unwilligkeit? Das muss jetzt die auf heikle Fälle spezialisierte Insolvenzkanzlei Schultze & Braun aus dem badischen Achern herausfinden. Keine leichte Aufgabe. Bakai sollen neben dem Schlosshotel in und um Baden-Baden einige wertvolle Immobilien gehören, darunter auch ein Schloss. Die aber zählen zum Privatvermögen der Familie; Insolvenzantrag wurde nur gegen den Eigentümer der Bühlerhöhe gestellt, die Anna Maria GmbH, deren Chef wiederum Bakai ist. Der Insolvenzverwalter will sich nun erst einmal einen Überblick verschaffen, „was an Vermögen überhaupt vorhanden ist“. Ist nichts mehr da, müsste der Verwalter notfalls einen neuen Investor suchen.

Das Hotel ist sanierungsbedürftig

Und der sollte schon etwas Geld auf der Kante haben, wenn er dem Schlosshotel eine Zukunft bieten will: Aus der Mode gekommene Holz vertäfelte Räume, renovierungsbedürftige Bäder oder eine veraltete Technik bei Lüftung und beim Brandschutz - um das angemuffte Fünf-Sterne-Hotel zeitgemäß aufzupolieren, hätte Hopp an die 30 Millionen Euro reinstecken müssen. Das war selbst dem Mäzen zu viel. „Wir hatten uns aus rationalen Gründen von dem Hotel verabschiedet“, sagt sein Steuerberater.

An Plänen für den Umbau des Hotels will der neue Eigentümer schon länger arbeiten. Vor wenigen Tagen erst versicherte ein Mitarbeiter Bakais dem Bühler Rathaus, dass man im Herbst endlich die Vorstellungen für ein „kleines, aber feines“ Hotel konkretisieren will.

Der Insolvenzantrag hat die Stadt Bühl deshalb kalt erwischt - zumal es leidvolle Erinnerungen an ein benachbartes früheres Grandhotel weckt, das Hundseck. Auch dieses wurde von einem ausländischen Investor gekauft, der es verfallen ließ. Im November rückten Bagger an, um das ehemals denkmalgeschützte, zuletzt aber baufällige Gemäuer abzureißen.

Steht der Bühlerhöhe, dem letzten verbliebenen Luxushotel an der berühmten Schwarzwaldhochstraße ein ähnliches Schicksal bevor? Nicht unbedingt, meint zumindest der Insolvenzverwalter: „Insolvenzen sind immer auch eine Chance, weil man sich von alten Zöpfen und auch Schulden trennen kann.“