Die Baustelle nervt die Händler. Foto: Stefanie Schlecht

Die Sindelfinger Innenstadthändler sind sauer: Die Ziegelstraße bleibt bis Mitte Dezember zu. Umsatzeinbußen machen sich bemerkbar.

Seit vier Monaten ist der Juwelierladen von Oliver und Jeanette Britsch in der Sindelfinger Ziegelstraße vom Verkehr abgeschnitten. An der Einmündung von Böblinger und Vaihinger Straße am Marktplatz stoppt eine Absperrung die Autofahrer. Notwendig ist die Sperrung wegen der Sanierungsarbeiten an der Tiefgarage und auf der Oberfläche des Marktplatzes.

 

Wo sich sonst ein Auto ans andere durch die Ziegelstraße reiht, herrscht nun gähnende Leere. Die Fußgänger können bequem auf der Straße spazieren. Doch für den Schmuckladen ist das ein Fiasko. „Wir haben deutlich weniger Kunden“, sagt Oliver Britsch. „Die Leute wissen ja gar nicht, wie sie uns erreichen können. Und Laufkundschaft gibt es wegen der Baustelle momentan gar nicht“ Gehofft hatte er, im Weihnachtsgeschäft die Verluste wieder reinholen zu können. Denn die ursprüngliche Planung der Stadtverwaltung hatte vorgesehen, dass die Sperrung der Ziegelstraße Ende November aufgehoben werden soll. Doch nun heißt es aus dem Rathaus: Erst Mitte Dezember ist es so weit.

Die Bauarbeiten seien nicht im Zeitplan – witterungsbedingt, hören die Händler. Foto: Stefanie Schlecht

Für Jeanette Britsch war das Zuviel. Sie rief im Rathaus an. „Sieben Leute habe ich durchtelefoniert, die gefragt haben: ‘welche Baustelle?‘, bis ich an einen Verantwortlichen geriet, der mir Auskunft geben konnte.“ Doch was sie hörte, konnte die Stimmung der Goldschmiedin nicht heben. „Witterungsbedingt sind die Bauarbeiten nicht im Zeitplan“, so die Antwort.

Kaum Laufkundschaft, aber auch Stammkunden bleiben aus

Nicht nur die Juweliere Britsch sind ob dieser Verzögerung verärgert. Auch andere Händler in der Ziegelstraße und auch der Planie trifft die verlängerte Durchfahrtssperre hart. „Wir merken das sehr“, sagt Silke Koch, die weiter oben in der Ziegelstraße eine Schuhreparatur mit angegliedertem Laden mit Schuhen und Jacken betreibt. „Die Baustelle: große Probleme, wenig Kunden“, lautet die knappe Auskunft des Inhabers vom Balkan Burek Grill gegenüber dem Laden von Silke Koch.

Die Geschäfte melden Umsatzrückgang. Foto: Stefanie Schlecht

Auch bei Henning Mezger in der Planie macht sich die Sperrung bemerkbar. Der Optiker verzeichnete in den vergangenen Monaten einen Umsatzrückgang. Trotzdem hat er Verständnis für die Baumaßnahme. „Dass die Tiefgarage saniert wird, ist wichtig für die Zukunft der Innenstadt. Und natürlich läuft nicht immer alles nach Plan.“ Ihn selbst treffe die verlängerte Straßensperrung nicht so hart, da er als Optiker kein Weihnachtsgeschäft habe. „Aber für andere Händler in der Innenstadt ist das sehr ärgerlich.“

Auch bei Axel Finkelnburg sind Beschwerden angekommen. Der SPD-Stadtrat stellte deshalb in der letzten Sitzung des Gemeinderats eine Anfrage zur verlängerten Sperrung. Die Baubürgermeisterin Corinna Clemens zeigte Verständnis für den Unmut der Händler, erklärte aber, dass sich die Bauarbeiten wegen des schlechten Wetters verzögert hätten. Das sei so nicht vorauszusehen gewesen.

Händler sprechen auch die Stadträte an

Finkelnburg versteht nicht, warum die Stadtverwaltung nicht ein Leitsystem für Autofahrer einrichtet, damit sie die Baustelle großräumig umfahren und geeignete Parkplätze ansteuern können. „Das haben wir schon mehrfach gefordert.“ Im Gespräch ist die Stadt laut Henning Mezger immerhin mit dem Gewerbe- und Handelsverein Sindelfingen (GHV). Mezger ist der Sprecher der Gruppe Handel im GHV. Ein großes Problem wegen der Tiefgaragen-Baustelle sei der aktuelle Parkplatzmangel, sagt er. Nur die Hälfte der Plätze in der Tiefgarage stehen während der Sanierung zur Verfügung. „Wir schauen, dass wir zusätzliche Parkplätze schaffen können, zum Beispiel um den Grünen Platz. Dazu gibt es demnächst wieder einen Termin mit der Stadtverwaltung“, erklärt Mezger.

Immer mehr Leerstand

Er hofft, dass alle Innenstadthändler durchhalten und die noch einige Zeit andauernde Tiefgaragensanierung überstehen. Oliver und Jeanette Britsch sind da weniger optimistisch. „Als wir vor 37 Jahren hier angefangen haben, da gab es in der Ziegelstraße noch ein Modegeschäft, einen Blumenladen und das renommierte Restaurant Hirsch: Und heute?“, sagt Oliver Britsch und deutet nach draußen. Der Laden nebenan steht seit Jahren leer und gegenüber hat nun auch der Dekoladen zugemacht. Die Innenstadt blutet aus, fürchten die Juweliere. Und Dauerbaustellen könnten das noch beschleunigen.

Optimistisch gibt sich hingegen Werner Mornhinweg, der direkt hinter der Absperrung seine Metzgerei betreibt. „Mein Weihnachtsgeschäft läuft in den letzten fünf Tagen vor dem Fest. Bis dahin rollt wieder alles.“