Ein Minarett – normalerweise wird hier zum Gebet gerufen, in Izmir ertönte ein Widerstandslied. (Symbolfoto) Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Eine Hackergruppe hat im türkischen Izmir offenbar die Minarett-Technik gekapert und das Lied „Bella Ciao“ statt des Muezzins erklingen lassen. Die türkische Staatsanwaltschaft untersucht den Vorfall.

Izmir - Nachdem aus mehreren Moschee-Lautsprechern in der Stadt Izmir das Widerstandslied "Bella Ciao" erklungen war, haben die türkischen Behörden am Donnerstag Ermittlungen eingeleitet. Das anti-faschistische Partisanenlied aus Italien war am Vortag in Izmir zu hören - statt des Rufs zum Gebet. Aufnahmen von der Hacker-Aktion verbreiteten sich rasch in den sozialen Medien. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete am Donnerstagabend ohne nähere Angaben, eine Frau sei festgenommen worden.

Die türkische Behörde für Religionsangelegenheiten, Diyanet, bestätigte den Vorfall am Mittwochabend über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Eine Beschwerde bei der Polizei sei bereits eingereicht. Die Staatsanwaltschaft in Izmir leitete eine Untersuchung gegen die unbekannten Hacker und genauso gegen Nutzer der sozialen Netzwerke ein, die die Aktion geteilt hatten. Nach Angaben von Anadolu wird ihnen die "Verunglimpfung religiöser Werte" vorgeworfen.

Izmir gilt als Hochburg der Opposition

Auch Ömer Celik, Sprecher der Regierungspartei AKP des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verurteilte den Vorfall. Die Urheber dieser "abscheulichen Tat" würden gefunden, versicherte er. Mehrere staatliche Medien sprachen von einem "Skandal" oder einer "widerlichen Attacke" auf Moscheen.

Izmir, die drittgrößte Stadt der Türkei, gilt als säkular und als eine Hochburg der Oppositionspartei CHP.

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