Weiße Partikel auf den Haaren sind kein schöner Anblick. Aber man kann etwas dagegen tun. Und manchmal sollte man auch aus medizinischen Gründen eingreifen.
Stuttgart - Jeder Mensch verliert winzige Hautschuppen – tagtäglich. Es sind alte, abgestorbene Hautzellen, die den neuen Hautzellen weichen müssen. Alle vier Wochen erneuern sich so die Hautzellen. Von Kopfschuppen spricht der Mediziner an sich erst, wenn dieser Vorgang zu schnell abläuft, die Hautzellen sich nicht normal entwickeln können und aneinanderhaften bleiben. Sie verklumpen und werden deshalb für das menschliche Auge sichtbar. Entzündungsreize triggern diesen Vorgang. Die Kopfschuppen können trocken oder fettig sein, wobei fettige Kopfschuppen deutlich häufiger auftreten als trockene Kopfschuppen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:
Was begünstigt die Bildung trockener Kopfschuppen?
„Es liegt nicht am häufigen Haare waschen“, sagt der Dermatologe Hans Wolff, der Leiter der Haarsprechstunde an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU in München. Frauen scheinen mehr zu trockener Haut zu tendieren als Männer. Das gilt besonders in und nach den Wechseljahren. Menschen, die zu trockener Haut neigen, haben oft auch eine trockene Kopfhaut. Insbesondere jene zehn bis zwanzig Prozent der Menschen mit einer milden Neigung zu Neurodermitis sind von trockenen Kopfschuppen betroffen. Die Kopfhaut juckt, aber es sind keine Ekzeme vorhanden. Föhnen auf höchster Hitzestufe und alkoholische Haartinkturen begünstigen trockene Kopfschuppen. Diese ungünstigen Faktoren führen dazu, dass die Produktion hauteigener Fette, sogenannter Lipide, abnimmt und die Haut schneller austrocknet.
Was kann man gegen trockene Schuppen machen?
Zunächst ist es wichtig, möglichst viele austrocknende Maßnahmen wegzulassen und zum Beispiel – wenn immer möglich – die Haare an der Luft trocknen zu lassen. Es ist zudem empfehlenswert, harnstoffhaltige und damit feuchtigkeitsspendende Shampoos zu verwenden und ab und zu eine feuchtigkeitsspendende Lotion abends auf die Kopfhaut aufzutragen. Hilfreich ist es auch, ein paar Tropfen Sonnenblumenöl aus einer Pipette auf die Kopfhaut zu träufeln und über Nacht einwirken zu lassen. Morgens einfach mit einem Shampoo auswaschen.
Welche Ursachen haben fettige Kopfschuppen?
„Die Betroffenen neigen zumeist zu einer gesteigerten Lipidproduktion durch die Talgdrüsen der Kopfhaut“, sagt Dermatologe Wolff. Für die gesteigerte Talgproduktion gibt es mehrere mögliche Ursachen. Dazu zählen hormonelle Umstellungen insbesondere während der Pubertät, eine erblich bedingte Neigung zu vermehrter Talgproduktion, hohe Luftfeuchtigkeit sowie das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS).
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„Das vermehrt gebildete Fett begünstigt das Wachstum des Hefepilzes Malassezia furfur“, so Wolff. „Er ist Teil der normalen Kopfhautflora, kann sich aber manchmal stark vermehren. Dann wird er unangenehm.“ Malassezia furfur wandelt das Fett in Glyzerin und freie Fettsäuren um. Ungesättigte Fettsäuren dringen in die tieferen Schichten der Haut vor und rufen dort eine Reizung hervor. Entzündungszellen wandern in die Kopfhaut ein mit der Folge, dass aufgrund des Entzündungsreizes mehr Hautzellen neugebildet werden als nötig. Die Schuppung der Kopfhaut nimmt zu.
Was hilft gegen fettige Schuppen?
„Spezielle Antischuppen-Shampoos, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Zink-Pyrithion, bekämpfen den Hefepilz wirksam“, rät Wolff. Dann werden auch weniger Reizstoffe gebildet und das Zink-Pyrithion verlangsamt zusätzlich die Teilung der Hautzellen. „Das Shampoo am besten zunächst täglich, später alle zwei Tage verwenden.“ Vor dem Auswaschen immer ein paar Minuten einwirken lassen. Hat sich die Schuppenbildung deutlich verringert, kann es ausreichen, das Shampoo nur zwei- bis dreimal pro Woche zu verwenden. Weiterhin gibt es medizinische Shampoos mit Antipilzmitteln wie etwa Ciclopiroxolamin oder Ketoconazol. Vorbeugend gilt: Wer zu selten die Haare wäscht, erhält den Hefepilzen die fettige Nahrung.
Was spricht sonst noch für eine Behandlung?
„Wer nichts gegen seine fettigen Kopfschuppen unternimmt, hat das Risiko, dass sich allmählich ein sogenanntes seborrhoisches Ekzem mit großen, gelblichen Schuppen und extremer Talgproduktion bildet“, warnt Wolff.
Können Schuppen auch auf eine Erkrankung der Kopfhaut hinweisen?
Zum einen können Inhaltsstoffe von Shampoos oder Therapeutika für die Haare zu Kontaktallergien führen. Sie können die Kopfhaut so sehr reizen, dass dadurch vermehrt Schuppen gebildet werden. Zum anderen kann eine Erkrankung an Kopfpilzen vorliegen, die ebenfalls zur Schuppenbildung führt. Wenn starker Juckreiz, Rötung, Schwellungen der Kopfhaut, Krusten oder auch festklebende Stellen und Haarausfall auftreten, müssen die Betroffenen unbedingt einen Arzt aufsuchen, am besten zu einem Dermatologen.
„Etwa sechs Wochen nach Ende der Sommerferien beobachten wir regelmäßig eine Zunahme der Kopfpilzfälle. Denn in den Sommerferien hatten die Kinder Kontakt zu jungen Kätzchen, Meerschweinchen oder Kälbchen“, berichtet Hans Wolff und bedauert: „Leider wird die Pilzerkrankung oftmals erst nicht erkannt und falsch behandelt.“ Die Infektion ist sehr ansteckend. Sie kann allerdings innerlich und äußerlich innerhalb von acht bis zwölf Wochen mit einem Antipilzmittel erfolgreich behandelt werden.
Was hat eine ganz feine Kopfschuppung um die Haare zu bedeuten?
Es handelt sich manchmal um vernarbenden Haarausfall, Lichen planopilaris genannt. Juckreiz oder andere Unannehmlichkeiten wie eine berührungsempfindliche Kopfhaut sind möglich. Mit bloßem Auge ist die feine Kopfschuppung kaum zu sehen. Hier hilft eine Hautlupe. Es ist wichtig, diesen vernarbenden Haarausfall frühzeitig zu erkennen, um ihn zu stoppen. Bereits vorhandene Vernarbung lässt sich nicht rückgängig machen.