In Teams sind die Mathe-Talente angetreten, darunter Rico Haas (von rechts), Fabio Wuensch und Johannes Kretz. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Sie tüfteln Spielpläne für EM-Qualifikationsrunden aus, lösen geometrische Aufgaben und erfahren alles über die blendenden Zukunftsaussichten nach einem Mathestudium: 100 Gymnasiasten aus 13 Schulen haben am Mathe-Cup der Hochschule für Technik teilgenommen.

Stuttgart - Wir haben gedacht, wir können’s ja mal probieren“, sagt Maren Wezel. Die 16-jährige Schülerin der Jörg-Ratgeb-Schule in Neugereut ist wie ihre 15-jährige Klassenkameradin Johanna Demissie vom Mathelehrer angesprochen worden, ob sie beim Mathe-Cup der Hochschule für Technik (HfT) mitmacht. „Wir wussten nicht, was uns hier erwartet“, sagt Johanna. Doch was kann einer Zehntklässlerin mit einer Mathe-Eins schon passieren? Auch für die Hochschule ist die Veranstaltung eine Premiere. Dass gleich 100 Schüler aus 13 Schulen teilnehmen, hätten die Organisatoren nicht gedacht.

„Wir wollen unsere Hochschule bekannter machen“, sagt Jochen Brunk, der sich gemeinsam mit seiner Kollegin Annegret Weng das neue Format zur Nachwuchsakquise ausgedacht und vorbereitet hat. Allerdings räumt er ein: „Wir haben immer mehr Bewerber als Studienplätze im Jahr.“ Man wolle aber die besten. Die HfT sei die einzige Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg, die das Studienfach Mathe anbiete, berichten die beiden Professoren vom Fachbereich Mathematik.

Schüler tüfteln Spielpläne für EM-Qualifikationsrunden aus

Für die Schülerteams haben sie sich extra Aufgaben ausgedacht, „die auch Spaß machen sollen“, wie Annegret Weng betont. So dürfen die Mathe-Talente Spielpläne für EM-Qualifikationsrunden mit genauen Vorgaben für Hin -und Rückrunden , Spielpaarungen und Heimrecht austüfteln. Sie lösen geometrische Aufgaben zur Aufteilung des Fußballfelds in regelmäßige oder unregelmäßige Dreiecke – oder in Vierecke, bei denen ein Innenwinkel größer als 180 Grad ist. „Es war nicht so kompliziert, wie ich gedacht hab“, sagt Johanna hinterher. Mathe ein Angstfach? Nein. „Wenn man’s versteht, dann macht’s auch Spaß“, sagt die 15-Jährige.

Den Titel abgeräumt hat dann allerdings das Team vom Schönbuch-Gymnasium Holzgerlingen mit Verena Jauß, Corina Krumrein, Anna Lena Schaible und Sophia Häußler. Platz zwei ging an ein Team des Lise-Meitner-Gymnasiums Remseck, Platz drei belegte ein weiteres Team vom Schönbuch-Gymnasium.

Doch es ging nicht nur darum, sich mit Teams aus anderen Schulen zu messen. Die Hochschule nutzte die Veranstaltung natürlich auch, um die jungen Leute über ein Mathestudium an der HfT und die blendenden Zukunftsaussichten der Absolventen zu informieren.

Auf Mathe-Absolventen warten attraktive Berufsfelder – etwa im Bereich autonomes Fahren

Vielen Menschen sei unbekannt, was für attraktive Berufsfelder sich hinter einem Mathe-Studium verbergen, so Weng. „Wir sind gut vernetzt mit Versicherungen, Automobilbetrieben und -zulieferern“, ergänzt Brunk. „Die Stärke des Studiengangs ist der Anwendungsbezug – da heben wir uns von den Unis ab“, sagt er. Oft sei das Praxissemester schon der Fuß in der Tür für eine spätere Beschäftigung. Wer hätte gedacht, dass Absolventen etwa Bilderkennungskonzepte fürs autonome Fahren oder komplexe Finanzprodukte für Banken entwickeln oder Simulationssoftware für Produktionsabläufe in Fabriken?

Stefan Stark, Mathelehrer an der Jörg-Ratgeb-Schule, berichtet: „Wir haben gezielt gesucht, um kreative Köpfe zu finden. Wir wollen auch Werbung machen fürs Fach.“ Das funktioniere aber nur, wenn Schüler keine Lücken anhäuften.

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