Misstöne statt Ferienstimmung: Gymnasiallehrer fühlen sich von Kultusminister Andreas Stoch ausgegrenzt Foto: dpa

Das Dankschreiben von Kultusminister Andreas Stoch verärgert viele Gymnasiallehrer – sie fühlen sich nicht angesprochen. CDU-Landtagsfraktionschef Guido Wolf nutzt dies gleich zur Attacke.

Stuttgart - Bevor sich Kultusminister Andreas Stoch (SPD) nach einem stürmischen Schuljahr in den Sommerurlaub verabschiedete, dankte er den Schulleitern und Lehrern „für die geleistete Arbeit sehr herzlich“ und wünschte ihnen „gute Erholung und schöne Ferien“.

In seinem Brief erwähnt er auch „einige wichtige Maßnahmen, die wir im jetzt zu Ende gehenden Schuljahr umgesetzt haben oder die geplant sind“: Extrastunden für die Realschulen, die ab 2016 auch den Hauptschulabschluss anbieten sollen; die Stärkung der Schulleitungen an großen Real-, Sonder- und Gemeinschaftsschulen; zusätzliche Lehrerstellen für die Inklusion von Kindern mit Behinderungen an allgemeinen Schulen; den Ausbau der Ganztagsgrundschulen; Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge und Vorbereitungskurse für sie an beruflichen Schulen; 62 neue Gemeinschaftsschulen; die geplanten Angebote für die berufliche Weiterbildung von Kollegen an Haupt- und Werkrealschulen.

Und wo bleiben wir?, fragen seit Bekanntwerden des dreiseitigen Schreibens viele Gymnasiallehrer. Für Bernd Saur, Vorsitzender des Philologenverbandes, ist der Brief ein weiterer Beleg, „dass der Focus der Bildungspolitik von Kultusminister Stoch nicht auf dem Gymnasium liegt“. Der Verband, dem gut ein Drittel der 25 800 Gymnasiallehrer im Südwesten angehören, wirft der grün-roten Landesregierung immer wieder vor, sie ziehe die neuen Gemeinschaftsschulen vor. Auch die Opposition im Landtag nutzt Stochs Brief zur Abrechnung.

Das Schreiben zeige erneut, dass die Gymnasien von Stoch „nicht mehr gewollt“ seien, erklärt CDU-Landtagsfraktionschef Guido Wolf. Nach Ansicht des FDP-Bildungsexperten Timm Kern sind die Gymnasien „für die Landesregierung ein Dorn im Auge und müssen aus grün-roter Sicht über kurz oder lang aus der Bildungslandschaft verschwinden“, weil sie den Gemeinschaftsschulen Schüler wegnähmen.

Natürlich richte sich der Dank auch eindeutig an die Gymnasien, widerspricht ein Sprecher des Kultusministeriums den Kritikern. „Dass in der Auflistung von Maßnahmen die Gymnasien nicht auftauchen, hat nur damit zu tun, dass in diesem Schuljahr keine Entscheidungen getroffen wurden, die die Gymnasien originär betreffen.“ Das sei bei den anderen Schularten nicht so.

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