Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit seinen zwei Töchtern und seiner Frau Stephanie Foto: dpa

Das Reha-Programm zu Guttenberg läuft: Womöglich geht der Ex-Minister erst mal ins Ausland.

Berlin - "Es ist schön wieder da zu sein!" Die Fans jubeln, der Star verbeugt sich, winkt mit seiner Army-Mütze in die Menge. Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurück, genießt seinen ersten öffentlichen Auftritt in der Nähe einer wahrhaft großen Bühne. Auch der frühere Bundesminister der Verteidigungsminister trägt eine Army-Mütze und winkt. Schön wieder da zu sein?

Nein, nicht der wegen der unrühmlichen Plagiatsaffäre mühsam von allen Ämtern zurückgetretene CSU-Politiker sagt diesen Satz in die jubelnde Menge. Der, der sich freut wieder auf der Bühne zu stehen, ist Jon Bon Jovi, Frontman der gleichnamigen amerikanischen Band, die hier im Münchner Olympiastadion am Pfingstsonntag aufspielt. Karl-Theodor zu Guttenberg taucht eher beiläufig auf - und durch die wogende Menge, seine Frau Stephanie an der Seite und den einen oder anderen Personenschützer, die nach wie vor den Auftrag haben, einen möglicherweise noch immer sicherheitsbedrohten Ex-Minister sicher durch die tanzende Bon-Jovi-Fans zu manövrieren.

Karl-Theodor zu Guttenberg lächelt und freut sich, fotografiert zu werden. Am nächsten Tag steht das Foto in der Bild-Zeitung: "So lässig haben wir die Guttenbergs lange nicht mehr gesehen", steht darunter. "Wir" ist "Bild", die dem Freiherrn medial nach wie vor die Stange hält. Stephanie zu Guttenberg (36) ist Bon-Jovi-Fan. Klar, dass ihr Gatte (39) sie hierher ausführt. Bequem haben es die Guttenbergs, als sie erst kurz vor Beginn des Konzerts mit einer Limousine und Begleitfahrzeug durch die Katakomben gelotst und von Sicherheitsprofis bis zur Bühne begleitet werden.

Umzug zum Schuljahreswechsel?

Der Staat zahlt den VIP-Auftritt mit Blaulicht und Eskorte. Das bayrische Landeskriminalamt verweist ans Münchner Innenministerium. Dessen Sprecher trägt die Regeln vor: "Bei Personen, die Ämter mit Gefahrenpotenzial bekleidet haben, wirkt der Nachschutz. Da der Rücktritt des Herrn zu Guttenberg vom Amt des Bundesverteidigungsministers noch nicht so lange zurückliegt, dauert diese Phase nach wie vor an. Egal, was er unternimmt."

Vielleicht reist er sogar derart geschützt aus Deutschland aus. Sofern er richtig zitiert wird, trägt er sich mit dem Gedanken, für zwei Jahre nach Großbritannien oder in die USA zu gehen. Die Quellenlage scheint gesichert: Vertraute sind es, die entsprechende Emails vermutlich kaum ohne Guttenbergs Plazet verplaudern. Wohin die Reise örtlich und politisch geht, stehe noch nicht fest. Der Umzug freilich böte sich zum kommenden Schuljahreswechsel der älteren Tochter an.

Und damit nicht genug gezwitschert. Die Vertrauten pfeifen von den Dächern, dass zu Guttenberg eine Rückkehr in die Politik nach seiner Auszeit nicht ausschließt. Sein Wahlkreis bietet ihm längst an, ihn zur Bundestagswahl 2013 wieder zu nominieren. Er sei dabei, wieder Selbstbewusstsein zu tanken, sagt einer eben jener Vertrauten. Anwaltskanzleien und Unternehmen würden ihn mit Angeboten überhäufen. Im Sommer will der Vater, der Dirigent Enoch zu Guttenberg, eine Autobiografie auf den Markt bringen - sein Sohn kommt auch drin vor. Das Reha-Programm zu Guttenberg läuft.

Der des Plagiierens überführte Minister hatte sich nach seinem Rücktritt am 1. März aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Auch als ihn die Uni Bayreuth der arglistigen Täuschung überführte und ihm den Doktortitel aberkannte, schwieg der Ex-Verteidigungsminister öffentlich. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen nichtgewerbsmäßiger Urheberrechtsverletzung. Mehrere Strafanzeigen beschäftigen die Staatsanwaltschaft Hof. Eine mögliche Verdunklungs- oder Fluchtgefahr wegen des geplanten Auslandsaufenthalts schließt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber den Stuttgarter Nachrichten aus.

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