Beim „Wild Brut“ vom Weingut Dopff passt alles: der Crémant d’Alsace schmeckt hervorragend, hat einen guten Preis und ist rein historisch betrachtet ein Württemberger.
Im Weinbau geht Württemberg weit über seine Grenzen hinaus. Zum Beispiel mit der Qualität, wie der Deutsche Rotweinpreis jüngst wieder zeigte. Oder mit Exporten in alle Welt. Dann mit Weinmachern, die fast überall vertreten sind. Und nun auch historisch betrachtet. Als mir kürzlich ein hervorragender Crémant unterkam, war ich erst leicht verzweifelt: Reichen allein partnerstädtische Verbindungen aus, um ihn in dieser eigentlich Württembergern vorbehaltenen Kolumne unterzubringen? Im Archiv stieß ich auf eine bessere Begründung: Riquewihr gehörte einst zu Württemberg! Die Gemeinde im Oberelsass wurde 1324, als es Reichenweier hieß, von den Grafen von Horburg an ihren Onkel, den Grafen Ulrich X. von Württemberg, verkauft. Ludwig XIV. stellte die Dörfer 1680 eigenmächtig wieder unter französische Oberhoheit, rechtlich fiel das Gebiet erst 1796 an Frankreich zurück.
Tüftler wie die Schwaben beim Sekt
Es passt zur Geschichte, dass die Elsässer offenbar Tüftler wie die Schwaben sind. Den Crémant soll nämlich Julien Dopff aus Riquewihr erfunden haben, als er 1900 bei der Pariser Weltausstellung die „méthode champenoise“ kennenlernte. Sein Nachfolger sorgte 1976 dafür, dass Crémant d’Alsace zu einer kontrollierten Herkunftsbezeichnung erklärt wurde. Seit 13 Generationen widmen sich die Dopffs dem Wein, ihr 70 Hektar umfassendes Weingut ist das größte in der Grand Cru-Lage. Ihr Crémant Zéro
Dosage schmeckt tatsächlich fast wie ein Champagner, kostet aber nur so viel wie ein Württemberger Winzersekt. Der supertrockene Tropfen aus Weißburgunder und Auxerrois überrascht mit einem Duft nach Blumen und Gebäck, einer wunderbaren Vollmundigkeit, frischen Zitrusnoten, angenehmer Säure und leichter Salzigkeit im Abgang. Den „König unserer Crémants“ nennen ihn die Dopffs zurecht. Und man muss nicht einmal ins Elsass fahren, um ihn probieren zu können: Dafür reicht ein Besuch bei den im April stattfindenden Weintagen in Weil der Stadt aus, das seit 1961 mit Riquewihr partnerschaftlich verbunden ist.
Das Urteil der Weinrunde:
Holger Gayer Dieser Crémant ist wirklich ein Geheimtipp: Für vergleichsweise wenig Geld bekommt man einen hervorragenden Sekt, der mit den Burgundertypischen Aromen von Brioche bis Orangen- und Zitronenschale aufwartet.
Michael Weier Bei allem Lokalpatriotismus, den ich pflege: Die Franzosen können es halt auch. In diesem Fall verdammt gut. Ein perfekter Crémant, um mit Menschen aufs Neue Jahr anzustoßen. Sofern gerade kein Winzersekt zur Hand ist.
2020 „Wild Brut“ Zéro Dosage Crémant d’Alsace, 13,95 Euro (bei wirwinzer.de), Dopff au Moulin, Riquewihr, www.dopff-au-moulin.fr