Vater und Tochter im Weinberg: Svenja Kölle ist die fünfte Generation im Familienbetrieb, ihr Vater Heinz hat 2004 übernommen. Foto: Kellerei Kölle

Mit einem Verkaufswagen tuckert der Bönnigheimer Winzer Heinz Kölle bis nach Dänemark, um seine Tropfen zu verkaufen. Mit einer Weinstube wird die Kundschaft daheim bedient.

Der große Durst der Württemberger bereitet den Weingütern noch so manches Problem. Erstens geht er bekanntermaßen wie überall auf der Welt stark zurück und zweitens hat er dafür gesorgt, dass die heimischen Winzer nur langsam nach neuen Verkaufsstrategien Ausschau hielten. „Was macht ihr denn hier?“, wurde Heinz Kölle am Anfang oft gefragt. Von Köln über Bielefeld bis nach Dänemark reist der Bönnigheimer Weinküfer mit seinem Verkaufswagen und schenkt auf Weinfesten, Messen und anderen Veranstaltungen seine Tropfen aus. An die Pfälzer und Rheinhessen waren die Besucher gewohnt, die mussten schon viel früher schauen, wo sie ihre Weine an den Mann und die Frau bringen konnten.

 
Zur Fassdaube heißt die Weinstube, die 2023 eröffnet wurde. Foto: Kellerei Kölle

„Vorder Haustüre sind alle am Markt“, dachte sich der 58-Jährige, der 2004 den Betrieb übernahm, schon früh und suchte nachneuen Absatzmöglichkeiten. Als mit der Tochter Svenja die fünfte Generation in den Betrieb einstieg, stellte sich die Familie noch breiter auf und eröffnete vor zwei Jahren eine Weinstube. Mittagstisch wird dort serviert und an drei Abenden in der Woche Zwiebelrostbraten, Käsespätzle oder aktuell Rehbraten und Hirschgulasch. Damit wollen die Kölles ihre Kundschaft ins Industriegebiet ziehen, seit sie den Verkauf aus Bönnigheim in die Kellerei verlegten. „Für die heutige Zeit ist ein weiteres Standbein wichtig“, sagt Heinz Kölle.

In Geisenheim studiert, in Neuseeland hospitiert

Svenja Kölle ist zwar in die Rolle der Gastronomin geschlüpft, im Keller macht sich die 27-Jährige aber auch bemerkbar. Önologie und Weinbau hat sie an der Hochschule in Geisenheim studiert, war nach dem Abschluss noch in Neuseeland. Vor sehr Jahren startete sie das Projekt Cuvée Nummer eins: ein Wein von Grau- und Weißburgundertrauben von alten Reben, ertragsreduziert, im Holzfassgereift. Daraus wurde die Linie New Generation, die mit Lemberger ein rotes Pendant hat. Der aktuelle Weißburgunder leuchtet goldgelb, duftet nach Birne und Honigmelone, hat deutliche Holznoten und viel Kraft – und sollte nicht nur im Norden, sondern definitiv auch vor der eigenen Haustüre viele Käufer finden.

Das Urteil der Weinrunde:

Holger Gayer: Dieser Weißburgunder ist eine barocke Angelegenheit. Mollig breit ist er, mit viel Vanille ausgestattet, aber auch Aromen von Birne und Kräutern sind zu erkennen. Dazu gesellt sich eine knackige Säure, die als Gegenpol dient.

Michael Weier: Diese Art ist nichts für den häufigeren Konsum, aber zuweilen bin ich in der Stimmung für heftigen Eicheneinsatz. Dann ist dieser Weißburgunder perfekt. Klar, sauber, die Frucht präsent, aber auch extrem viel Vanille vom Holzfass.

New Generation Weißburgunder trocken 2022, 19,10 Euro, Weinkellerei Heinz Kölle, www.weinkellerei-koelle.de