Seit Ende Oktober fahren auf der Strecke zwischen Böblingen und Dettenhausen Busse. Nun soll es am 7. Januar wieder losgehen auf der Schiene – zumindest teilweise.
Das ist eine gute Nachricht zum Beginn des neuen Jahres: Die Schönbuchbahn geht von Mittwoch, 7. Januar, an teilweise wieder in Betrieb. Das meldet das Landratsamt Böblingen. Zu den Stoßzeiten nehme die Bahn den Betrieb wieder auf; parallel werde aber weiterhin der Schienenersatzverkehr mit Bussen angeboten.
Verkehren werde sie zunächst auf dem Haupttakt zwischen Dettenhausen und Böblingen, pro Fahrt stehe im Allgemeinen allerdings lediglich ein Fahrzeug zur Verfügung. Zu den Stoßzeiten werde aber doch mit zwei Fahrzeugen gefahren. Das sind folgende Uhrzeiten: ab Dettenhausen um 5:32, 7:02 sowie 8:32 Uhr und ab Böblingen um 6:05 und 7:35 Uhr; außerdem nachmittags / abends ab Dettenhausen um 13:02, 14:32, 16:02, 17:32 und 19:02 Uhr und ab Böblingen um 12:05, 13:35, 15:05, 16:35 und 18:05 Uhr.
Rücksicht der Großen auf die Kleinen
Bis zur vollen Auslastung ist es aber noch ein Schritt. Solange die Kapazitäten mit der Schönbuchbahn noch nicht ausreichen, werde parallel der Schienenersatzverkehr aufrechterhalten. Der 15-Minuten-Takt zwischen Böblingen und Holzgerlingen wird weiterhin mit Bussen bedient. Den Fahrgästen wird empfohlen, auf die Busse auszuweichen. „Insbesondere werden für die Schulzeiten die Schüler der höheren Klassen gebeten, mit den Bussen zu fahren, um den jüngeren Mitschülern den Vorzug auf der Bahn zu lassen“, rät und hofft das Landratsamt.
Und Einschränkungen gebe es überdies zu gewissen Zeiten: Am 11. Januar kann aufgrund einer Faschingsveranstaltung in Dettenhausen der parallele Ersatzverkehr mit Bussen nur bis Weil im Schönbuch (Wilhelmstraße) verkehren. Fahrgäste nach Dettenhausen können an diesem Tag ausschließlich die Bahn nutzen, die an diesem Tag mit Doppeltraktion unterwegs sein wird.
Züge mögen unser Wetter nicht
Das Kernproblem für den Stillstand liegt laut Herstellerangaben in einem zu sensibel eingestellten Software-Parameter des Gleit- und Schleuderschutzsystems der neuen elektrischen Nexio-Züge. Dieses System reagiert bei nasskalter Witterung über. Gerhard Ferstl, Projektmanager beim spanischen Hersteller CAF in Deutschland, erläuterte die Probleme jüngst gegenüber unserer Zeitung: Der Mechanismus signalisiere dem Zug, unnötig zu bremsen, was zu einem erheblichen Verschleiß der Räder führe. Besonders empfindlich reagierte das System wohl am frühen Morgen und in den späten Abendstunden, wenn Morgentau und Abendfeuchte auf den Schienen liegen. Im Klartext: Die spanischen Züge vertragen das deutsche Wetter nicht.
Damit die Fahrzeuge sicher anfahren und bremsen können, ist in den Zügen das Gleit- und Schleuderschutzsystem eingebaut. Es sorgt dafür, dass die Räder beim Anfahren nicht durchdrehen und beim Bremsen nicht blockieren. Offenbar ist der Mechanismus zu empfindlich eingestellt. Folglich greift das System zu früh in den Fahrtverlauf ein und bringt die Fahrzeuge zum Stillstand.
Trotz umfangreicher Tests, sogar auf einer mit Schmierseife präparierten Strecke, habe die Realität vor Ort andere Bedingungen offenbart. Der Fehler wurde zwar nach wenigen Tagen gefunden, doch seine Behebung zog sich hin und es bedurfte auch noch der behördlichen Freigabe.
„Langsam hochfahren“ – das ist der Plan
Die Zustimmung der Behörde für die Umsetzung der Parameteränderung liege nun vor, so die Mitteilung aus dem Landratamt. Es stehen jedoch noch nicht ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung, um den vollen Betrieb wieder aufzunehmen. Denn alle Fahrzeuge müssen mit einer neuen Software ausgestattet werden. Außerdem haben einige Fahrzeuge Schäden an den Rädern eingefahren, die noch behoben werden müssten. Hier ist ebenfalls noch nicht an allen Radsätzen die Reparatur erfolgt.
„Der Zweckverband Schönbuchbahn hat sich dazu entschlossen, den Betrieb mit den zur Verfügung stehenden Fahrzeugen langsam hochzufahren. Der Zweckverband bedauert die Einschränkungen und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten. Sobald es möglich ist, werden die Kapazitäten erhöht“, heißt es abschließend.