Dem Scala – hier eine Veranstaltung zum 25-Jährigen der Filmakademie – laufen seit der 2014 abgeschlossenen umfassenden Sanierung die Kosten davon Foto: factum/Archiv

Eine unabhängige Agentur bescheinigt dem Ludwigsburger Scala eine solide Geschäftsführung, legt aber auch den Finger auf wunde Punkte. Etwa das Auseinanderdriften von Mietkosten und Einnahmen.

Ludwigsburg - Das Ludwigsburger Scala steckt in der Krise: Seit Jahren steigt das Defizit, und erst im September wurde ein Antrag auf Anerkennung als soziokulturelles Zentrum abgelehnt – womit eine Landesförderung in Höhe von 170 000 Euro durch die Lappen ging. Am Mittwoch wurde im Kulturausschuss des Gemeinderats der nächste Antrag der Musik- und Kinoveranstalter diskutiert: Die Verwaltung wünscht sich für das nächste Jahr einen Zuschuss von 323 500 Euro. Üblicherweise bekommt das Scala 210 000 Euro pro Jahr aus der Stadtkasse. Begründet wird der Antrag damit, dass das Kulturhaus sein Profil als soziokulturelle Einrichtung weiter schärfen möchte.

Seit dem Sommer hat die Münchener Agentur Actori die Betriebsstrukturen des Scala analysiert, nun stellte deren Geschäftsführer Frank Schellenberg die Ergebnisse vor. Demnach ist die aufgrund der turbulenten Geschichte des Scala inzwischen sehr verwirrende Gesellschafterstruktur nicht das Problem. „Seltsamerweise balanciert sich das aus“, sagte Schellenberg. Allerdings verhindere diese Vielfalt ein einheitliches Erscheinungsbild des Scala nach außen.

Mietkosten sind explodiert

Für problematischer hält er die Diskrepanz zwischen Mietkosten und den Einnahmen über den Ticketverkauf. Die Miete ist von 64 000 Euro im Jahr 2011 auf 231 000 Euro im letzten Jahr angestiegen. „Das kann die Scala GmbH nicht erwirtschaften“, sagte Schellenberg. Das Gebäude wurde 2012 von der Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) generalsaniert. Die Scala GmbH ist Mieter. Da das auf eine chronische Unterfinanzierung hinauslaufe, müsse entweder der städtische Zuschuss dauerhaft auf deutlich mehr als 300 000 Euro erhöht – oder das Kulturangebot reduziert werden.

Aber die Agentur hat auch Optimierungspotenziale ausfindig gemacht. Er halte etwa ein Controlling für sinnvoll, das mehr Transparenz über Erfolg oder Misserfolg von Veranstaltungen bringen könnte, sagte Schellenberg. Außerdem sollte sich das Scala als einheitliche Marke präsentieren und eine gemeinsame Linie für seine Vermarktung entwickeln. Schwierig sei auch, dass das Kulturhaus zwar über einen hervorragenden Saal verfüge, ihm aber ein kleinerer Raum für kleinere Veranstaltungen fehle, sagt Schellenberg.

Das Kino – ein Klotz am Bein?

Die Grünen möchten den höheren Zuschuss bewilligen. „Das erscheint uns nötig und angemessen“, sagte der Stadtrat Michael Vierling. Die Stadt müsse die Fixkosten tragen, während Scala Live vor allem den Betrieb aufrecht erhalten müsse. Annette Deetz (SPD) meinte, das Scala müsse nach weiteren Sponsoren suchen.

Außerdem fragte sie, ob nicht „das Kino ein Klotz am Bein“ sei. Schellenberg hatte erläutert, dass Kinokult weniger Miete zahle als die Kulturmacher von Scala Live. Was stets zu einer Deckungslücke von 90 000 Euro führe. Auch Klaus Herrmann (CDU) und Reinhardt Weiss (FW) sehen deshalb „Gesprächsbedarf“ in Sachen Kino. Die Freien Wähler wollen zwar einen erhöhten Zuschuss für 2018 mittragen, eine dauerhaft höhere Förderung allerdings sehen sie skeptisch. Weiss regte an, die Stadtverwaltung könne dem Scala für weniger publikumswirksame Veranstaltungen kleinere Räume zur Verfügung stellen, um so die Kosten zu drücken.

Die Miete sei auch in der aktuellen Höhe angemessen, sagte die Kulturamtsleiterin Wiebke Richert. „Aber das können wir nicht einspielen.“ Das Kino dürfe nicht in Frage gestellt werden, sagte sie, es gehöre dazu. „Ein Programmkino gehört zum genetischen Code des Scala“, sagte auch Oberbürgermeister Werner Spec. Man dürfe das Kino als Frequenzbringer nicht unterschätzen, sagte Schellenberg: „Das Kino ist kein Klotz am Bein.“ Ein Haus wie das Scala müsse an möglichst vielen Tagen belebt sein, das sei gut für die Außenwirkung. „Allerdings gibt es Programmkinos, die etwas mehr zahlen als Kinokult“, sagte der Actori-Geschäftsführer. „Man muss untersuchen, ob die das leisten können.“

Über den Zuschussantrag wird erst in der nächsten Sitzung des Gemeinderats im November entschieden.

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