Otto Rombach ist Ehrenbürger in Bietigheim und die Stadtbibliothek trägt seinen Namen. Ein Gutacht beleuchtet nun sein Wirken während der NS-Diktatur. Foto: dpa

Ein Gutachten kratzt am Denkmal von Otto Rombach, Ehrenbürger der Stadt Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg). Er soll an Nazi-Propaganda mitgewirkt haben. Wie geht die Stadtverwaltung damit um?

Erhält die Stadtbücherei in Bietigheim-Bissingen bald einen neuen Namen? In Heilbronn hat man Namensgeber für Straßen auf eine etwaige Belastung durch die NS-Zeit hin untersuchen lassen und dabei wurde auch Otto Rombachs Vergangenheit von einer Historikerin genauer durchforstet. Der in Böckingen geborene Otto Rombach ist in Bietigheim Ehrenbürger und Namensgeber der Bücherei.

 

Der Schriftsteller und Journalist ist in Heilbronn Namensgeber für eine Straße und ein Stipendium der Stadt. Das Ergebnis der Untersuchung ist deutlich: Wegen seines Wirkens in der NS-Zeit empfiehlt Historikerin Susanne Wein die Umbenennung sowohl der Rombachstraße als auch des Stipendiums. Der Gemeinderat ist der Empfehlung inzwischen gefolgt. Rombach, so Wein, tauge nicht als vorbildhafter Namensgeber.

Rombach habe, obwohl nicht NSDAP-Mitglied, die Möglichkeit ergriffen, seine Karriere als Schriftsteller von Unterhaltungsliteratur während des Nationalsozialismus voranzutreiben und hatte in dieser Zeit seine größten Erfolge. Laut Gutachten ließ Rombach sich mit der Annahme von Ehrungen wie dem Schwäbischen Dichterpreis für ein völkisches und rassistisches NS-Weltbild als „schwäbischer Dichter“ vereinnahmen.

Seit 1984 trägt die Stadtbibliothek in Bietigheim den Namen Otto Rombachs. Foto: Simon Granville

Seine stärkste NS-Belastung sei aber seine Mitarbeit von 1942 bis 1945 in der Propagandaabteilung des Auswärtigen Amtes. Dort wurden „Sprachregelungen“ für deutsche Radiostationen in aller Welt festgelegt. Die Verbesserung der Struktur der NS-Lügenpropaganda sowie die Intensivierung antisemitischer Propaganda, während der Holocaust im vollen Gange war, gehörte dort zur alltäglichen Arbeit.

Otto Rombach: NS-Vergangenheit und fehlendes Unrechtsbewusstsein

„Diese NS-Belastung verschwieg Otto Rombach bei seiner Entnazifizierung und danach, während er weitere öffentliche Würdigungen für sein literarisches Werk annahm“, schreibt Wein. Er habe behauptet den Nationalsozialismus abgelehnt zu haben und Zeit seines Lebens keine Ansätze eines Unrechtsbewusstseins für seine Mitarbeit entwickelt.

Auch Otto Rombachs Bruder Hermann, nach dem in Heilbronn ebenfalls die Rombachstraße benannt ist, wurde von Wein unter die Lupe genommen. In Bietigheim-Bissingen gibt es eine Hermann-Rombach-Straße. Laut dem Heilbronner Gutachten eignet sich aber auch Hermann nicht als Namensgeber.

Hermann Rombachs NSDAP-Mitgliedschaft: Ein belastetes Erbe

Mit seinem Eintritt in die NSDAP am 1. Mai 1933 gelte er als formal belastet. Überdies sei er von 1935 bis 1939 Fördermitglied der SS gewesen. Im Spruchkammerverfahren wurde Hermann Rombach bescheinigt, dass er als respektable Persönlichkeit in seinem Wohnort durch seine NSDAP-Mitgliedschaft und andere Mitgliedschaften in NS-Organisationen das Ansehen des NS gefördert habe.

Hermann (1890 bis 1970) und Otto Rombach (1904 bis 1984) wurden beide in Böckingen geboren. Die Familie zog 1905 nach Bietigheim, wo Hermann eine Ausbildung machte und Otto aufwuchs. Hermann wurde Maler und Zeichner. Otto wurde 1964 zum Ehrenbürger Bietigheims. 1984 wurde die Bücherei nach ihm benannt.

Die Stadtverwaltung in Bietigheim-Bissingen will sich nun aus Heilbronn nähere Informationen vorlegen lassen, „um auch unsererseits notwendige Konsequenzen ziehen zu können“, sagt Pressesprecherin Anette Hochmuth. Die Ergebnisse der Prüfung würden dem Gemeinderat „zu gegebener Zeit“ zur Entscheidung vorgelegt.

Reiner Theurer vom Geschichtsverein Bietigheim-Bissingen zeigt sich auf Anfrage nicht überrascht von den Erkenntnissen zu Otto Rombach. „Wenn Otto Rombach in der Nazizeit den Schwäbischen Dichterpreis erhielt, dann war er auch sehr eng mit den damaligen Machthabern verbunden“, sagt Theurer. Er habe schon früher Nachforschungen angeregt zur NS-Vergangenheit Rombachs, sei aber in Heilbronn und Bietigheim-Bissingen auf taube Ohren gestoßen. Er begrüße das Umdenken. „Eine Umbenennung der Stadtbibliothek Bietigheim-Bissingen unterstütze ich“, sagt Theurer.