Still ruht der See im Rotwildpark: Dabei wird es jetzt auch bleiben, das Wasser wird doch nicht abgelassen. Foto: Leif Piechowski

Rund 50.000 Euro würde es kosten, wenn ein Biologe die Folgen des vorübergehenden Trockenlegens des Bärensees untersucht. Das kann der Württembergische Anglerverein nicht bezahlen. Dessen Chef hat jetzt ganz zerknirscht den Plan aufgegeben, den Fischbestand zu regulieren.

Stuttgart - Wäre es nach dem Württembergischen Anglerverein gegangen, dann würde sich den Spaziergängern und Joggern im Rotwildpark jetzt schon ein ganz anderes Bild bieten: Der See am äußersten Zipfel des Stadtbezirks Stuttgart-West würde seit September nur noch aus einem Rinnsal bestehen und rund ein Jahr lang so dahinvegetieren. Doch die Einwendungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), der um Libellen, Wasserfledermäuse, Mandarinenten und Ringelnattern fürchtete, haben den Plan vereitelt. Vor allem aber die Auflagen des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart. Der Anglerverein hat jetzt kapituliert.

Das RP hatte entschieden, dass die Pächter des Gewässers erst einmal ein Gutachten einholen müssten. Es sollte klären, welche geschützten Pflanzen und Tiere im See und am Ufer durch das Ablassen beeinträchtigt werden könnten. Man sei noch nicht überzeugt, dass das öffentliche Interesse am Ablassen des Sees die Bedenken überwiege.

„Damit wäre ein Biologe ein Jahr lang beschäftigt, und es würde 50 000 oder 60 000 Euro kosten“, sagt der Vereinsvorsitzende Hans-Hermann Schock. Seinen Anglerverein würde das finanziell überfordern. Zudem sei die Einholung des Gutachtens Sache des Landes, dem der See gehöre. Das RP ist aber nicht nur Naturschutzbehörde, sondern auch Mittelbehörde und rechte Hand der Landesverwaltung. So gesehen, braucht Schock wohl nicht mehr auf das Land zu hoffen. Damit bleibt es am Bärensee, wie es ist. Und das, meint Schock, ist nicht gut.

Trockenlegen hat sich schon beim Neuen See bewährt

Auf dem Seegrund vermuten die Petrijünger eine Menge sogenannter Grasfische, eine Gattung, die ursprünglich aus dem südostasiatischen Raum stammt und die irgendwann einmal im Bärensee eingesetzt wurde. Der Silberkarpfen und Konsorten würden regelrecht den Seegrund abgrasen und so anderen Seebewohnern die Nahrungsgrundlage streitig machen, glaubt Angler-Chef Schock. Er strebte deswegen vor rund einem halben Jahr an, die Wasserfläche des Bärensees von vier auf einen halben Hektar zu verringern und am Abflussgitter die Grasfische herauszuholen. Anschließend sollte der trockengelegte Seegrund wieder eine Wasserpflanze aufbauen dürfen: das Tausendblatt.

Dieses Vorgehen, sagt Schock, habe sich vor fünf Jahren beim Neuen See bewährt, der nur durch einen Damm mit Gehweg vom Bärensee getrennt ist und von dort sein Wasser erhält. Im Katzenbachsee, rund dreieinhalb Kilometer vom Bärensee entfernt, hätten sich die Wasserpflanzen auch wieder erholt, nachdem man stattliche Grasfische beseitigt habe.

Dass die Erfahrungen im Fall des Neuen Sees gut waren, bestätigt auch Jörg Busse von der EnBW Regional AG, die sich um die Dämme und Wehre der drei Parkseen – Bärensee, Neuer See und Pfaffensee – kümmert, weil sie vor langer Zeit als Wasserreserve für Stuttgart ins Spiel kamen.

Mit Anglerverein lediglich über Katzenbachsee im Gespräch

Eine andere Aussage von Schock kann Busse aber nicht bestätigen: dass die EnBW sowieso einen Damm am Bärensee reparieren müsse, weshalb Vertreter verschiedenster Behörden die Kombination mit der Gewässersanierung befürwortet hätten. „Aktuell steht da nichts an“, sagt Busse. Man sei mit dem Anglerverein lediglich über den Katzenbachsee im Gespräch, wo man nach dem verheerenden Hochwasser im Juli den Fischbestand wieder ergänzen wolle.

Den früheren Vorwurf, dass im RP die Fischereiabteilung übergangen worden sei, ehe ein Gutachten gefordert wurde, nimmt inzwischen Schock selbst zurück. Die Fischerei-Abteilung sei offenbar doch angehört worden – aber auch überhört worden.

Nach Schocks Meinung findet der BUND bei den Naturschutz-Experten im Regierungspräsidium zu viel Gehör. Dabei gerate ins Hintertreffen, dass die Angler einen „Hegeauftrag“ hätten. Sie müssten für die richtige Zusammensetzung des Fischbestands Sorge tragen. „Es ist ganz einfach“, sagt Schock, „ohne Kraut auf dem Seegrund gibt es auch keine Krautlaicher im Wasser, und ohne Krautlaicher gibt es keine Erfüllung des Hegeauftrags.“

Für den BUND sei leider nur Natur, was oben kreucht und fleucht, klagt Schock. Die starke Position, die der BUND einnimmt, müsste für seinen Geschmack längst infrage gestellt werden.

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