Der Plastinator Gunther von Hagens plant eine Dauerausstellung für seine Körperwelten. Foto: dpa

Nach 20 Jahren mit weltweiten Wanderschauen will der Anatom Gunther von Hagens im Alten Hallenbad seiner Heimatstadt Heidelberg eine Dauerausstellung einrichten. Seit er 1977 das Verfahren zur Konservierung von Organen und ganzen Körpern erfunden hat, träumen er und seine Frau von einem Körperwelten-Museum.

Heidelberg - Seit fast 20 Jahren schon wandert die Ausstellung der „Körperwelten“, die mit großen und kleinen Plastinaten Einblicke ins Innere des Menschen gibt, rund um den Globus. Mehr als 44 Millionen Besucher haben sie bereits gesehen. Demnächst sollen die bis heute zum Teil umstrittenen Exponate in Heidelberg ein eigenes Museum bekommen. Dies haben der Anatom Gunther von Hagens und seine Frau Angelina Whalley angekündigt. Es soll im ehemaligen Männerbad im Alten Bergheimer Hallenbad eingerichtet werden. In dem denkmalgeschützten Jugendstilbau, dessen Schwimmbecken schon vor Jahrzehnten trocken gelegt wurden, sind in den vergangen Jahren verschiedene Konzepte für eine neue Nutzung gescheitert. Weder eine zunächst eingerichtete Markthalle noch ein Zentrum mit kleinen Einzelhandelgeschäften konnten sich halten. Ende 2016 ist die große Halle mit ihrem imposanten Tonnengewölbe deshalb ganz geschlossen worden. Dort soll das neue Museum Ende September eröffnet werden.

1998 wurde die Idee eines Menschenmuseums publik

Mit dem Projekt gehe für ihn „der langgehegte Wunsch in Erfüllung, die Plastination wieder an ihre Geburtsstätte zurückzubringen“, sagte von Hagens. Er hatte das Verfahren zur Konservierung von Organen und ganzen Körpern 1977 am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg erfunden und später zusammen mit seiner Frau ein eigenes Institut zur Weiterentwicklung des Verfahrens gegründet. Bereits 1998, nach Beginn der ersten überaus erfolgreichen Körperwelten-Ausstellung im Mannheimer Landesmuseum für Technik, hatte er die Idee, ein Menschenmuseum zu gründen, publik gemacht. Rund fünf bis zehn Jahre hatte er damals bis zur Realisierung veranschlagt. Angesichts von teilweise massiver Kritik, unter anderem aus Kreisen der Heidelberger Universität, zeigte er seine Arbeiten dann aber zunächst überwiegend im Ausland.

„Den Traum von einem eigenen Museum haben wir aber nie aufgegeben – und eine Ausstellung, die so erfolgreich war, hat sicher auch eine Dauerausstellung verdient“, sagte Angelina Whalley anlässlich der Ankündigung des Heidelberger Projekts. Das Interesse an der Schau – „manchmal war es ja ein regelrechter Hype“, so Whalley – habe sich zwar mit den Jahren normalisiert: „Aber es gibt noch immer viele Menschen, die sich die Exponate ansehen möchten.“ Man rechne mit 200 bis 300 Besuchern pro Tag.

Mit dem ehemaligen Männerbad in dem Heidelberger Jugendstilbau, der 1906 nach Entwürfen des Heidelberger Architekten Franz Sales Kuhn errichtet wurde, habe man „eine unvorstellbar atmosphärische Location für die Schau“, gefunden, erklärte Whalley. Die Ärztin und Ehefrau des Plastinators hat alle bisherigen Körperwelten-Schauen kuratiert. Seit einigen Monaten arbeitet sie nun an dem Konzept für das künftige Museum. „Wir wollen dort natürlich einen Überblick geben über alle menschlichen Organe und Organfunktionen sowie eine Reihe spektakulärer Körperexponate zeigen, damit man diese Organe auch an Ort und Stelle im Körper sehen kann“, erklärte sie. „Doch darüber ist auch die emotionale Erfassung des Themas von großer Bedeutung.“

Besucher sollen für den eigenen Körper sensibilisiert werden

Unter der Überschrift „Dem Glück auf der Spur“ wolle man in dem neuen Museum „nicht nur der Anatomie des Menschen sowie Fragen rund um das Thema Gesundheit nachgehen, sondern auch der Anatomie des Glücks“ – und die Vorgänge im Körper beim Entstehen von Gefühlen darlegen. „Das Glück wohnt in uns. Glück und Unglück wirken unmittelbar auf unseren Körper zurück. Wer mit sich und seinem Leben zufrieden ist, wird seltener krank und lebt länger“, ist sich Whalley sicher­. Eines der Ziele der Heidelberger Schau sei es daher, die Besucher für den eigenen Körper in allen Lebenslagen und Lebensphasen zu sensibilisieren. „Doch bis das ganze Konzept im Detail steht, muss noch einiges Hirnschmalz fließen“, gestand die Kuratorin.

Glücklich mit der künftigen Nutzung ist schon jetzt Hans-Jörg Kraus, der Eigentümer des Bades. Der Heidelberger Immobilienunternehmer hatte den Jugendstilbau 2008 von der Stadt erworben, aufwendig saniert und in den ehemaligen Technikräumen, dem Frauenbad sowie einigen Nebenbauten Restaurants, einen Supermarkt und Veranstaltungsräume eingerichtet. Nur die zentrale Schwimmhalle, das frühere Männerbad, wurde zu einem Sorgenkind. „Jetzt haben wir dafür eine Superlösung“, davon ist Kraus jedenfalls überzeugt. „Die Nutzung ist perfekt. Wenn das Konzept so aufgeht, wie wir es uns vorstellen, wird das Museum auch in 20 Jahren noch bestehen“, meinte er.

Der Plastinator Gunther von Hagens

Mit seiner Erfindung hat der Anatom Gunther von Hagens seit 1977 die Technik des Präparierens von Organen revolutioniert. Bei dem Verfahren werden Gewebeflüssigkeiten durch Kunststoffe ersetzt und Präparate dauerhaft konserviert. Die dadurch mögliche Herstellung feiner, transparenter Körperscheiben, einzelner Organe und lebensgroßer Plastinate ermöglicht Einblicke ins Körperinnere. Gunther von Hagens (72) hat in der DDR Medizin studiert. 1974 kam er als Assistenzarzt an die Uni Heidelberg. Er arbeitete als Wissenschaftler in der Anatomie und Pathologie. 1997 hat er sein eigenes Institut gegründet.