Boris Rommel hat im Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe innerhalb kurzer Zeit den zweiten Stern erkocht. Foto: Friedrichsruhe

Mit 74 von bundesweit 300 Sternerestaurants bleibt Baden-Württemberg die Nummer eins. Die Schwarzwaldstube in Baiersbronn behält auch ohne Harald Wohlfahrt die höchste Auszeichnung.

Stuttgart - Für den „Guide Michelin“ hat mit seiner Deutschlandausgabe 2018 eine neue Zeitrechnung begonnen. Nach einem Vierteljahrhundert mit Harald Wohlfahrt an der Spitze – nicht nur der Schwarzwaldstube der Traube Tonbach – ist die aktuelle Ausgabe des Gourmetführers, die am Freitag in den Handel kommt, die erste ohne den Grandseigneur der Hochküche. „Man kann vor ihm nur den Hut ziehen“, sagte der Chefinspektor des „Guide Michelin“, Ralf Finkenflügel. Aber, so der wichtigste Restauranttester der Republik weiter: „Die Qualität und das Niveau sind unverändert sehr hoch.“ Das bedeutet: Die Schwarzwaldstube bleibt auch ohne Wohlfahrt ein Dreisternerestaurant.

Die Turbulenzen um den Rückzug von Wohlfahrt, die beinahe vor Gericht geendet hätten, haben sich nicht auf die Küche ausgewirkt. Dort ist nun Torsten Michel, 40, der alleinige Chef. Er gehört schon seit 2004 zum Traube-Team und leitete seit Mai des vergangenen Jahres zusammen mit Wohlfahrt die Küche der Schwarzwaldstube. Nach einem langen Abend in der Metropolishalle im Filmpark Babelsberg, wo am Dienstag der neue „Guide Michelin“ auf einer Gala vorgestellt wurde, zeigt sich Michel „erleichtert, dass es so einen Ausgang genommen hat“. Man sei schon mit einer Ungewissheit nach Potsdam gefahren, obwohl er sich immer auf die Arbeit konzentriert habe. Sein Arbeitgeber Heiner Finkbeiner sieht sich bestätigt: „Wir hatten immer vollstes Vertrauen in Torsten Michels großes Talent und seine Küche“, so der Inhaber des Luxushotels in Baiersbronn.

Eine der besten Adressen Deutschlands

Auch das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe im Hohenlohekreis zählt zu den besten Adressen in Deutschland – jetzt umso mehr mit dem zweiten Stern, den das Gourmetrestaurant Le Cerf bekommen hat. Dort ist seit Februar 2016 Boris Rommel der Küchenchef im Haus, das im Besitz der Würth-Gruppe ist. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so schnell mit dem zweiten Stern geht“, sagt Rommel, der auf viele Sechs- und Siebentagewochen zurückblicken kann, in denen er neue Gerichte kreierte. „Der dritte Stern ist aber noch einmal eine ganz andere Liga“, sagt der 33-Jährige. Einen solchen hat in diesem Jahr Jan Hartwig für das Atelier im Bayerischen Hof in München erhalten. Somit hat Deutschland jetzt elf Dreisterneköche.

Außer dem Le Cerf gibt es noch drei weitere neue Zweisternerestaurants. Nach seiner Auszeit ist Nils Henkel zurück in der Gourmetszene im Schwarzenstein im hessischen Geisenheim. Keilings Restaurant im niedersächsischen Bad Bentheim wurde ebenso ausgezeichnet wie das Courtier im schleswig-holsteinischen Wangels. Baden-Württemberg bleibt mit 74 Sterne-Restaurants vor Bayern (48) spitze, wenngleich einige Sterne wegen Schließung oder Konzeptänderung erloschen sind: Seit Längerem schon der für den Adler in Rosenberg (Ostalbkreis), auch der für den Landgasthof am Königsweg in Ohmden (Kreis Esslingen), für die Ente in Ketsch (Rhein-Neckar-Kreis) sowie die Kerzenstube in Backnang (Rems-Murr-Kreis). Weil Brenners Park-Restaurant in Baden-Baden erst im Frühjahr wieder neu eröffnet, sind sogar zwei Sterne auf einen Streich verloren.

Fünf neue Sterne

Neue Sterne gibt es für das Eckart in Grenzach-Wyhlen (Kreis Lörrach), das Anima in Tuttlingen und das Siedepunkt in Ulm. Mannheim hat gleich zwei Sterne mehr: das Emma Wolf since 1920 und das Le Corange. Somit gibt es dort jetzt fünf Sternerestaurants, darunter mit Tristan Brandt als Aufsteiger des Vorjahres im Opus V sogar ein Zweisternerestaurant.

Darauf muss Stuttgart mit seinen acht Sternerestaurants weiterhin warten. Denis Feix als neuer Küchenchef der Zirbelstube im Schlossgartenhotel hatte zuvor in Bad Griesbach zwar zwei Sterne, sagt aber jetzt in Stuttgart gut gelaunt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Ein Stern an neuer Stelle sei erst einmal völlig in Ordnung. „Mit mehr konnte man im ersten Jahr nicht wirklich rechnen.“ Also dann: auf ein Neues für die Ausgabe 2019 des „Guide Michelin“!

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