Blick in den Containerbahnhof. Mehr Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Max Kovalenko/PPF

Stadt macht beim Besuch von Verkehrsminister Ziele deutlich – Kein regionales Güterverkehrszentrum.

Kornwestheim - Auf den Schienen des Kornwestheimer Güterbahnhofs hatte Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) eine Begegnung der besonderen Art. Als er zusammen mit Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck und Eckart Fricke, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn, in einer Rangierlok über das weitverzweigte Gleisareal tuckerte, hüpfte ein leibhaftiger Hase auf den Schienen herum. Das Vorkommen von Meister Lampe auf dem Gelände des zweitgrößten Güterbahnhofs im Land ist für Hermann ein sicheres Zeichen, dass es dort noch Platz für einige Logistikfirmen gebe. Dort lasse sich dem politischen Ziel der Landesregierung, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen, ein gutes Stück ­näher kommen.

Hermanns politische Ziele decken sich ­zumindest in Kornwestheim mit den Vorstellungen der Bahn. Zug um Zug hat das Unternehmen zusammen mit seinen Logistiktöchtern DB Intermodal oder Schenker zu einem Zentrum für den Umschlag von Waren von der Straße auf die Schienen oder umgekehrt ausgebaut. Beim Besuch Hermanns in Kornwestheim kündigte Fricke an, dass jetzt erneut sieben Millionen Euro auf dem Gelände investiert werden, um die Depotflächen für Container zu vergrößern und an einem Platz zu konzentrieren. Durch die Konzentration der drei alten Containerplätze auf einer ungenützten Brache werden auf dem Bahngelände rund zehn Hektar Fläche für neue Projekte frei.

Fläche der Stadt Kornwestheim zu 60 Prozent überbaut

Wenn es nach Ursula Keck geht, dürfen sich dort nur solche Logistikfirmen ansiedeln, die sich dem Transportkonzept Straße/Schiene verpflichtet haben. Ob die Bahntochter Aurelis, die die Flächen vermarktet, tatsächlich an Fremdfirmen verkauft oder ob die Bahn und ihre Logistiktöchter das Transportgeschäft in Kornwestheim selbst weiter ausbauen, blieb beim Besuch ­Hermanns ungeklärt.

Deutlich wurde allerdings, dass die vom Verband Region Stuttgart vor zehn Jahren ausgearbeiteten Pläne für ein 100 Hektar großes Güterverkehrszentrum auf und rund um das Kornwestheimer Bahngelände bei den heutigen politischen Konstellationen im Land und in der Stadt keine Chance haben. Die Fläche der Stadt, so die Oberbürgermeisterin, sei zu 60 Prozent überbaut. Die Kommune werde deshalb ihre Freiflächen besonders schützen. Für die regionale Planung stelle Kornwestheim nur die vorhandenen Brachflächen zur Verfügung.

Der Verkehrsminister verteidigte bei ­seinem Besuch ebenfalls den Schutz der Freiräume. Zudem wies er darauf hin, dass die Logistikprobleme der Region Stuttgart nicht zentral in Kornwestheim gelöst werden können. Dieser Standort werde als Umschlagplatz von Waren vor allem von Unternehmen aus dem Süden der Region nicht gern genutzt. Auf dem Weg durch Stuttgart gehe den Firmen zu viel Zeit verloren. Um die Probleme zu lösen und die Schiene als Transportweg für Waren zu stärken, suche die Landesregierung deshalb auch nach geeigneten Standorten im Süden des Landes. Für die Region Stuttgart komme ein Ort zwischen Reutlingen und Plochingen infrage. Der Verband Region Stuttgart hat als weitere Güterverkehrszentren neben Kornwestheim die Orte Kirchheim/Teck und Bondorf, Kreis Böblingen, im Visier. Allerdings sind diese Standorte nicht oder nur unzureichend an das Schienennetz angeschlossen.

Die Stadt Kornwestheim selbst hat ebenfalls ein Auge auf die Schienenbrache geworfen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um den Güterbereich, sondern um nicht mehr benützte Gleisflächen zwischen dem S-Bahn-Halt und der Innenstadt. Beim Besuch Hermanns haben Oberbürgermeisterin Keck und Vertreter der Bahn eine Machbarkeitsstudie vereinbart. Sie soll aufzeigen, welche Gleise in Zukunft nicht mehr gebraucht und deshalb überbaut werden können. Keck erwartet von der Studie zudem Hinweise, wie sich die Weststadt mit den Gebäuden der ehemaligen Salamander- Schuhfabrik über die Bahngleise hinweg besser mit der Innenstadt verbinden lassen. Ein Ergebnis erwartet die Oberbürger­meisterin innerhalb eines Jahres.