Auf dem Traktor wäre er auch gern gefahren: Günther Oettinger übergibt die Spielsachen den Kindern. Foto: Gottfried Stoppel

EU-Kommissar Oettinger wird zum Botschafter des Spielens ernannt. Dabei beweist er, dass er nicht nur etwas von Flipper und Tischfußball versteht.

Schorndorf - Bist du der Besucher, auf den wir warten?“, will der Dreikäsehoch wissen, der zusammen mit zwei anderen Kindern auf Rollern im SOS-Kinderdorf herumfährt. Nein, dieser Besucher ist es nicht. Der steht zu der Zeit noch im Stau auf der A 81. „Da war ein Unfall, es ging nichts mehr“, erzählt Günther Oettinger – der lang erwartete Besucher – als er doch noch in Schorndorf-Oberberken eintrifft. Die Kinder des SOS-Kinderdorfs sind froh, dass die Wartezeit endlich um ist. Nur ein Mädchen meint angesichts Oettingers Autos etwas enttäuscht: „Das ist aber keine große Limousine.“

Lieblingsspielzeug Märklin-Eisenbahn

Der EU-Kommissar und frühere Ministerpräsident ist nicht allein in den hoch auf dem Schurwald gelegenen Teilort Schorndorfs gekommen und vor allem nicht mit leeren Händen. Zum Botschafter des Spielens wird der CDU-Politiker ernannt, eine Auszeichnung, die der Verband der Spielwarenindustrie vergibt. Dessen Geschäftsführer Ulrich Brobeil ist dazu ins SOS-Kinderdorf gekommen und hat eine große Ladung Spielsachen mitgebracht. Diese sind auf der Bühne der Aula des Kinderdorfs aufgebaut. Man merkt den anwesenden Kindern an, dass sie es kaum erwarten können, die Sachen auszuprobieren. Rund 80 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 19 Jahren sind da.

„Mein Lieblingsspielzeug war eine Märklin-Eisenbahn, die mein Bruder und ich im Alter von sieben und fünf Jahren geschenkt bekommen haben“, erzählt Oettinger. „Wir haben eine große Spanplatte aufgestellt und sie darauf aufgebaut. Dazu haben wir jede Menge Faller-Häuschen zusammengeklebt. Mit 14 Jahren kam dann der Flipper, eine fantastische Sache, die es heute kaum noch gibt.“ Und als Politiker, kommt man da noch zum Spielen? „Heute spiele ich noch Tischfußball und Skat.“

Der Traum von Evil Knievel

Spielen und Spielsachen seien wichtig für Kinder. „Es ist das Beste, was man ihnen schenken kann. Beim Spielen lernt man auch viel: soziale Regeln und Fairplay.“

So wie Oettinger hätten sicher die meisten heute Erwachsenen ein bestimmtes Spielzeug gehabt, dass sie sich sehnlichst gewünscht haben, ist Ulrich Brobeil überzeugt. „Bei mir war es eine Figur des Stuntmans Evil Knievel auf seinem Motorrad“, erzählt der 1965 geborene Manager. Knievel sei seiner Generation immer noch ein Begriff. Der Stuntman hatte schließlich versucht, auf dem Motorrad den Grand Canyon zu überspringen – was allerdings erst seinem Sohn gelang.

„Ich hab die Motorradfigur nicht bekommen, was sich vor einiger Zeit Kollegen in den USA erzählt habe“, berichtet Brobeil den Anwesenden. „Kurz vor Weihnachten kam dann von ihnen ein Paket. Darin war die Figur in der 70er-Jahre-Originalverpackung. Ich hab mich riesig darüber gefreut“, gesteht er ein.

Ein Ständchen am Klavier

Nachdem die Erwachsenen alle Reden gehalten haben – sogar Kay Vorwerk, der Geschäftsführer der SOS-Kinderdörfer ist angereist – darf Oettinger endlich den Kindern die Spielsachen übergeben. „Ich wär ja am liebsten mit dem grünen Traktor gefahren“, sagt er, auf dem ein Bub bereits an ihm vorbeirollt. Bälle fliegen durch die Aula, es ist eine Stimmung wie an Weihnachten und auf einem Kindergeburtstag gleichzeitig .

Und Oettinger beweist, dass er nicht nur Flipper spielen kann. Zur Begeisterung der Anwesenden setzt er sich ans Klavier und revanchiert sich für das Dankeslied der Kinder mit einem Ständchen.

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