Wer flexibel ist, kann für wenig Geld am Strand liegen. Foto: Monthira/Adobe Stock

Portale wie Urlaubstracker oder Urlaubspiraten vermitteln Reisen zu unglaublich niedrigen P reisen. Manchmal handelt es sich um Fehler im Buchungssystem, manchmal um Restposten. Gibt es dabei einen Haken?

Stuttgart - Für 199 Euro nach Peking und zurück fliegen. Fünf Tage Badeurlaub auf Kreta inklusive Anreise und Unterkunft für 104 Euro. Eine Woche Dubai mit Flug und Hotel für 520 Euro. Hinter solch unglaublich günstigen Reisen steckt manchmal Absicht – es sind Restplätze mit umständlichen Flugverbindungen. Manchmal wurde auch ein falsches Presseetikett aufgeklebt. „Error Fares“ nennt man Fehler im System der Reisebranche. Sie entstehen, weil eine Ziffer vergessen, ein Komma falsch gesetzt wurde, Gebühren und Steuern nicht bedacht wurden.

 

Solche Spezialangebote sind für den Laien schwer zu finden. Es sei denn, man schaut sich bei Plattformen im Netz um, die sich auf das Aufspüren und die Vermittlung sehr günstiger Reisen spezialisiert haben. Jonas Schulze Dieckhoff hat ein solches Start-up gegründet. In einem Büro am Stuttgarter Hauptbahnhof sitzt sein 20-köpfiges Team und durchforstet die Portale der Reisekonzerne. Findet jemand ein Beispiel, wie man für den Gegenwert eines Abendessens drei Tage verreisen kann, wird das in einem Blogbeitrag zusammengefasst. „Wir stellen uns vor jeder Veröffentlichung die Frage: Würdest du das selbst buchen?“, erklärt Jonas Schulze Dieckhoff.

Eine falsche Buchung kann wieder storniert werden

Schon als Teenager besserte der 31-jährige Unternehmer sein Taschengeld mit der Entwicklung von Software auf, noch während des Studiums gründete er seine Firma. „Reisen war schon immer mein Hobby. Als Student hatte ich aber nur ein geringes Einkommen. Also habe ich mithilfe des Internets Tricks zum Sparen entwickelt, und die habe ich dann in einem Blog geteilt.“ Schulze Dieckhoff tut das nicht aus Nächstenliebe, Urlaubstracker will Geld verdienen. Provision gibt es immer dann, wenn ein User auf einen Link klickt, der ihn zu einem Reiseunternehmen weiterleitet, und es zu einer Buchung kommt. Affiliate Marketing nennt sich das Modell. Webseiten wie Urlaubsguru oder Urlaubspiraten verfolgen ein ähnliches Konzept.

Doch wo ist der Haken? Bei Error Fares besteht das Risiko, dass man den unverschämt günstigen Flug am Ende doch nicht bekommt. Rein rechtlich kann eine irrtümliche Buchung vom Unternehmen storniert werden. Wenn an einer Ware im Laden ein falsches Preisschild hängt, fällt das ja auch manchmal an der Kasse auf. Nur wer mit Kreditkarte bezahlt, kann Glück haben. Ist das elektronische Flugticket erst mal ausgestellt und per Mail versendet, hat man eine gute Chance, zum Knallerpreis auch tatsächlich reisen zu können. „Also erst dann das Hotel buchen“, rät Jonas Schulze Dieckhoff. Allerdings gebe es immer seltener solche fehlerhaften Angebote. „Die Softwaresysteme der Fluggesellschaften oder Reisekonzerne haben sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Heute steckt hinter einem extrem niedrigen Preis meist Marketing“, sagt der 31-Jährige. Die Reisekonzerne arbeiten dabei mit den Schnäppchenportalen zusammen. Denn sie bedienen eine Zielgruppe, die die Veranstalter sonst nicht erreichen. Die Reichweite entsteht über soziale Medien wie Facebook oder Alarmmeldungen auf Whatsapp.

Mails vom Veranstalter sollte man genau lesen

„Günstig muss nicht automatisch unseriös sein“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der Reiserechtsexperte rät jedoch, alle Nachrichten des Reiseveranstalters, die man per Mail erhält, sorgfältig zu prüfen. Oft wird zuerst nur eine Eingangsbestätigung und dann erst die richtige Buchungsbestätigung verschickt. „Manchmal kommt es zu nachträglichen Preisanpassungen“, sagt Buttler. Ansonsten gelte wie bei jeder anderen Reisebuchung auch: genau hinschauen, vergleichen, Bewertungen lesen, Adressen googeln: „Spielen Sie ruhig Detektiv.“

Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) hat keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Schnäppchenportale, hält das Phänomen aber für eine Nische: „So ein Abverkauf von Reisen richtet sich an eine sehr preissensible und flexible Klientel wie Studenten oder Freiberufler. Das Gros der reisenden Bevölkerung, etwa die auf Ferien angewiesene Familie, kann das aufgrund der sehr eingeschränkten Auswahl kaum nutzen.“ Zu speziell und zeitlich begrenzt seien die angebotenen Reisen – häufig nur an vereinzelten Tagen oder ab wenigen Abflughäfen. Schnäppchenreisen machen daher nach Auskunft des DRV nur einen geringen Teil des Marktes aus. Dank der guten Konjunktur haben die Deutschen im Moment große Lust auf Urlaub und sind bereit, dafür auch gutes Geld zu bezahlen. Die Deutsche Gesellschaft für Konsumforschung hat ermittelt, dass im Jahr 2018 deutsche Urlauber 67,9 Milliarden Euro ausgegeben haben – fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Tricks für die perfekte Buchung

Schulze Dieckhoff sieht das anders: „Die Nachfrage nach preiswerten Reisen ist da. Durch uns kann sich jeder etwas leisten. Und man muss sich nicht stundenlang selbst durchs Netz wühlen“, sagt der 31-Jährige. Seine Tricks für die perfekte Buchung lauten: Geduld haben, maximal sechs Wochen vor Abflug buchen. „Noch besser: Nerven behalten und bis zum letzten Tag abwarten. Dann besteht allerdings die Gefahr, dass man am Ende leer ausgeht. Wem das nichts ausmacht, fährt aber so am besten.“ Man sollte flexibel sein, kein festes Ziel im Auge haben und nicht auf Ferienzeiten angewiesen sein. Es kann viel ausmachen, statt direkt zu fliegen einmal umzusteigen. Umständlich und länger unterwegs zu sein ist der Preis für ein Schnäppchen.

„Günstige Last-minute-Angebote bekommt man auch im Reisebüro oder am Flughafen – und noch dazu eine fachkundige Beratung“, sagt Torsten Schäfer. Sein Tipp: sich nicht vom Preis blenden lassen, sondern genau schauen, welche Leistungen enthalten sind. „Fehlen Anreise, Transfer und Mahlzeiten, kann es schnell teuer werden.“