Bei ReBäck in Ludwigsburg gibt es Backwaren vom Vortag. Foto: Werner Kuhnle

Die Bäckerei Lutz betreibt mit „ReBäck“ ein Konzept gegen Lebensmittelverschwendung. Die Filiale in der Seestraße ist nur ein Teil eines ausgeklügelten Systems.

Wer die Filiale ReBäck in der Seestraße in Ludwigsburg betritt, findet Backwaren zu auffallend günstigen Preisen. Dahinter steckt jedoch mehr als ein reines Sparangebot. Für Geschäftsführer und Inhaber Florian Lutz ist das Konzept vor allem eine Frage der Haltung.

 

„Nachhaltigkeit ist ein großer Begriff, aber hier passt er einfach“, sagt der 38-Jährige. Sein Ziel sei es, Backwaren, die in den Filialen der Bäckerei Lutz nicht verkauft wurden, eine zweite Chance zu geben. „Es wird viel zu viel weggeworfen, dem wollen wir entgegenwirken.“ Gleichzeitig gehe es auch um Wertschätzung gegenüber den eigenen Mitarbeitern: „Unsere Produkte werden mit viel Leidenschaft hergestellt. Da tut es weh, zu sehen, was an Retouren zurückkommt.“

Filiale in bester Lage

Gestartet ist ReBäck im Januar 2018. Nach dem Auslaufen des Mietvertrags in der Oberpaur-Passage zog die Filiale nach knapp eineinhalb Jahren in die Seestraße um. „Wir sind sehr glücklich mit dem Standort“, sagt Lutz. „So eine Filiale gehört einfach in die Innenstadt.“ Auch einige Sitzplätze ergänzen das Angebot.

Die ReBäck-Filiale ist dabei Teil eines größeren Systems, um Lebensmittelverluste zu minimieren. „Wir haben verschiedene Bausteine, dass so wenig Backwaren wie möglich übrig bleiben“, erklärt Lutz. Nicht verkaufte Waren aus den Filialen der Bäckerei Lutz gehen an Tafelläden und andere Partner wie ein Inklusionscafé. Zusätzlich arbeitet die Bäckerei mit der App „Too Good To Go“ zusammen. „Wir haben echt viel in Bewegung gesetzt“, so Lutz.

Viele Kunden kaufen auf Vorrat und frieren die Backwaren ein. Foto: Werner Kuhnle

Auch intern werden Reste weiterverwertet: Aus Brot entstehen etwa Semmelbrösel, in der Küche werden Backwaren für Gerichte wie Knödel oder Ofenschlupfer für den Mittagstisch genutzt. Mitarbeiter können Produkte im Rahmen steuerlicher Freigrenzen mitnehmen. Was darüber hinaus übrig bleibt, geht zurück in die Produktion und wird von einem Landwirt abgeholt. „Wir werfen fast nichts weg“, betont Lutz. Eine Ausnahme bilden lediglich einzelne Produkte mit empfindlichen tierischen Bestandteilen wie Sahne. „Davon ist am Abend allerdings wenig bis gar nichts übrig.“

Hochwertige Lebensmittel machen Weiterverarbeitung möglich

Dass sich die Backwaren aus seiner Bäckerei nicht nur am Backtag zum Verzehr eignen, sei kein Zufall. Die Bäckerei setzt nach eigenen Angaben auf hochwertige Zutaten. „Unsere Produkte sind qualitativ hochwertige Backwaren, die auch nach zwei oder drei Tagen noch lecker sind.“

Auch wenn das Geschäft keine „Cash Cow“ sei, falle das Fazit nach acht Jahren positiv aus. „Es läuft sehr gut“, sagt Lutz. Viele Kunden kämen gezielt wegen der Kombination aus günstigen Preisen und hochwertiger Ware. Andere wiederum unterstützten bewusst den Nachhaltigkeitsgedanken. „Einige Kunden kaufen direkt fünf oder sechs Brote, um ihre Tiefkühltruhe zu füllen“, berichtet Lutz.

Veränderungen am Konzept sind derzeit nicht geplant. „Wir sind glücklich, so wie es ist“, sagt der Geschäftsführer. Zwar ließe sich das Konzept noch ausbauen, doch konkrete Expansionspläne gibt es nicht.