Unsicherheiten belasten die Branche: Es gibt aber auch Gewinner, die über steigende Umsätze berichten.
Italiens Modebranche leidet unter den konjunkturellen und geopolitischen Unsicherheiten, aber auch unter Strafzöllen aus den USA, deren Tragweite jedoch noch nicht absehbar ist. Die Unsicherheiten, mit denen die Branche zu kämpfen hat, wurden auch bei der gerade zu Ende gegangenen Männermodemesse Pitti Uomo in Florenz deutlich. Sie ist nach der Milano Fashion Week mit in diesem Jahr 740 vertretenen Einzelmarken die zweitgrößte Veranstaltung der Branche in Italien.
Die Ausfuhren des italienischen Männermodesektors sind 2024 um 3,6 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zurückgegangen. Und die Aussichten sind nicht gut. Insgesamt sind die Exporte der gesamten italienischen Modeindustrie – die 2024 auf einen Umsatz von 90 Milliarden Euro kam, zehn Prozent weniger als 2023 – in den beiden ersten Monaten des Jahres um fast sieben Prozent gesunken. Die Produktion in der Branche geht seit mehr als zwei Jahren zurück. Im Januar und Februar reduzierte sie sich gegenüber dem Vorjahr um 12,7 Prozent. Die Modeindustrie ist einer der wichtigsten Industriezweige Italiens.
Zuwächse in den USA
Mit Ausnahme der USA, wo es zu Jahresbeginn noch Ausfuhrzuwächse von fast zehn Prozent gab, sind die Verkäufe der italienischen Modeindustrie fast überall gesunken. Die Zuwächse in den USA könnten aber auch nur die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein, weil viele Amerikaner vor drohenden Strafzöllen noch einmal zugegriffen haben. Rückläufig waren die Verkäufe in Frankreich (minus 3,5 Prozent), Deutschland (minus 4,2 Prozent) und Spanien (minus 2,6 Prozent). In China waren die Rückgänge mit einem Minus von 16,6 Prozent besonders ausgeprägt.
Die Unsicherheit über die Höhe der US-Zölle verstärkt die Unsicherheit in der Branche: Immerhin wurden im vergangenen Jahr Modeprodukte für 5,6 Milliarden Euro in die USA exportiert. Rund ein Drittel der im Land gefertigten Mode wird in Italien selbst verkauft. Käufer in den Luxusboutiquen in Venedig, Florenz oder Rom sind aber häufig ausländische Touristen.
Kunden sind preisbewusster geworden
In der Krise sind die Kunden preisbewusster geworden. Sie machen nicht mehr jede Preiserhöhung mit. Und dass die Importe in Italien im ersten Quartal um neun Prozent gestiegen sind, deutet nach Ansicht von Luca Sburlati, neuer Präsident des Branchenverbands Confindustria Moda, darauf hin, dass mehr billigere Mode aus dem Ausland gefragt ist. Die Branche hofft, von einem strategischen Plan der Regierung zu Exportförderung, Steuergutschriften und Hilfsprogrammen für die Branche zu profitieren. Sburlati wünscht sich ein rasches Ende der diversen Krisen und fordert mehr Einigkeit innerhalb der Branche. Das war bisher nicht gerade eine Stärke der italienischen Modebranche.
Betroffen von der Krise sind vor allem die rund 40 000 Klein- und Kleinstunternehmen der Branche, die keine Reserven haben, um eine längere Durststrecke durchzustehen. Sie sind typisch für die Struktur der italienischen Wirtschaft und bilden ein dichtes Zuliefernetz, das nun zunehmend löchrig werden könnte. Die Zahl der Kurzarbeiter in der Branche hat stark zugenommen.
Krise betrifft auch große Modehäuser
Die Entwicklung trägt dazu bei, die Spreu vom Weizen zu trennen. Auch die Konsolidierung dürfte sich wieder beschleunigen. In den vergangenen Monaten ist etwa der französische Branchenführer LVMH beim Daunenmodehersteller Moncler und beim Schuhproduzenten Tod’s eingestiegen. Und die in Hongkong börsennotierte Prada hat gerade von der Capri-Holding die defizitäre Modemarke Versace übernommen.
Die Krise betrifft durchaus auch große Modehäuser – jedoch in unterschiedlicher Weise. So vermeldet die Kering-Gruppe, zu der etwa Gucci gehört, deutlich sinkende Umsätze. Der Börsenkurs hat sich binnen eines Jahres nahezu halbiert: Kering ist nur noch 21 Milliarden Euro wert. Der mit 75 Einzelmarken weltgrößte Luxusgüterkonzern LVMH (unter anderem Dior, Fendi, Bulgari, Loro Piana, Louis Vuitton) schrumpft leicht und hat am Aktienmarkt stark verloren.
Zu den Gewinnern gehört dagegen die französische Hermès, die mit einem Börsenwert von 238 Milliarden Euro diesbezüglich an LVMH vorbeigezogen ist. Die italienischen Modekonzerne Prada und Brunello Cucinelli wachsen auch in der Krise stark. Auch Herno ist mit einem Umsatzzuwachs von acht Prozent auf 184 Millionen Euro auf der Gewinnerseite, ist aber im internationalen Vergleich ein Zwerg.