GT-Masters-Serie Frentzen kehrt zurück an den Rhein

Von Jürgen Kemmner 

Wiedervereinigung: Heinz-Harald Frentzen und ein Mercedes-Rennwagen Foto: Pressefoto Baumann
Wiedervereinigung: Heinz-Harald Frentzen und ein Mercedes-Rennwagen Foto: Pressefoto Baumann

Am Wochenende beginnt die neue Saison der GT-Masters-Serie – mal wieder mit Heinz-Harald Frentzen. Der ehemalige Formel-1-Vizeweltmeister spielt erneut Fahrlehrer.

Stuttgart - Es ist immer schön, nach Hause zu kommen. Oft lernt ein Mensch dies erst im fortgeschrittenen Alter zu schätzen. Heinz-Harald Frentzen gehört zu dieser Spezies. In Mönchengladbach wurde er 1967 geboren, am Niederrhein wuchs er auf – doch Mitte 20 zog es ihn hinaus in die weite Welt des Motorsports. Er startete in Japan in der Formel Nippon, danach in der Formel 1, und weil es bei einem Spitzen-Rennfahrer zum guten Ton gehörte, siedelte er nach Monaco über. Doch seit geraumer Zeit lebt Heinz-Harald Frentzen wieder am Rhein, derzeit baut er sich ein Häuschen in Neuss. Mit 46 Jahren ist er wieder in der alten Heimat angekommen. „Meine Frau und ich waren der Meinung, dass unsere drei Töchter in Deutschland aufwachsen und zur Schule gehen sollten“, sagt der Formel-1-Vizeweltmeister von 1997. Frentzen ist Vater von Lea (2000 geboren), Sarah (2003) und Fenya (2006).

Das neue Domizil in Neuss ist nicht die einzige Rückkehr, die HHF in diesem Jahr vollzieht. Wenn an diesem Samstag und Sonntag (je 12 Uhr/Kabel 1) die GT-Masters-Serie in Oschersleben in die neue Saison startet, sitzt der Rennfahr-Oldie wieder einmal am Steuer eines Mercedes. 2014 ist es der Flügeltürer SLS AMG GT3, 1990 war es ein Gruppe-C-Sportwagen; Heinz-Harald Frentzen war damals Mitglied der legendären Junior-Truppe mit Karl Wendlinger und Michael Schumacher.

„Fast 25 Jahre ist das nun schon her“, sagt der Rheinländer, „als ich noch jung war, waren 25 Jahre eine kleine Ewigkeit – doch aus heutiger Sicht ist die Zeit rasend schnell vorbei gegangen.“ Die eine oder andere Leidenschaft hat sich Heinz-Harald Frentzen aber bewahrt – die Liebe zum Motorsport und die unbezähmbare Motivation, ein Auto möglichst schnell über eine Runde zu jagen. „Das liegt in meiner Natur“, sagt er, „das ist weit mehr als ein Beruf für mich.“

Für die GT Masters hat das saarländische HTP-Team den Altmeister aber nicht wegen seiner Liebe zum Auto, sondern wegen seines Könnens sowie seiner Erfahrung verpflichtet. Frentzen soll wieder einmal Fahrlehrer sein, Instruktor für einen Nachwuchs-Piloten. 2011 führte er Ex-Skispringer Sven Hannawald in die Geheimnisse des Motorsports ein, nun soll er dem 18 Jahre alte Luca Stolz den Feinschliff im Cockpit verpassen. „Bei Sven musste ich bei Adam und Eva anfangen“, beschreibt Frentzen seine veränderte Aufgabenstellung, „nun geht es darum, die Feinheiten weiterzuentwickeln – Luca ist ja sozusagen schon mit dem Kart um den Weihnachtsbaum gefahren.“

Bei Hannawald haben sich die Unterschiede bei den Rundenzeiten im Vergleich zu Frentzen im Lauf der Saison von 3,5 Sekunden auf bis zu 1,2 Sekunden verringert, bei Luca Stolz dürften die Differenzen zwischen Jung und Alt „von Beginn an nur noch im Zehntel-Bereich liegen“, glaubt der Routinier. Allerdings ist für Heinz-Harald Frentzen die Renn-Fahrschule keine Daueraufgabe.

Rund 40 Tage hat er sich für die acht Rennwochenenden sowie für Kurz-Lehrgänge freigehalten. „Sonst artet das Ganze doch in Arbeit aus“, scherzt er. Frentzen hat auch noch anderes zu erledigen. Schließlich ist das neue Häuschen in Neuss noch nicht ganz bezugsfertig; und jeder Bauherr weiß, wie wichtig es ist, regelmäßig auf der Baustelle nach dem Rechten zu schauen. Und nicht zuletzt will der Heimkehrer dank der kurzen Entfernung von nur 35 Kilometern hin und wieder bei seinem Lieblings-Fußballclub Borussia Mönchengladbach vorbeischauen.

Es ist ein Genuss für Heinz-Harald Frentzen, endlich wieder nach Hause zu kommen.

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