Hitzerennen in Hockenheim: Yves Volte (re.) verteidigt im Sprintrennen Platz zwei gegen die Angriffe des BMW. Foto: GTC Race/Alex Trienitz

Beim Rennwochenende der Serie GT-Cup-Race in Hockenheim hat der Renninger GT4-Pilot Yves Volte allerhand zu erledigen – aber es bleibt auch etwas Zeit für Partnerin Josephine sowie den Hund.

Der Sekt bleibt im Kühlschrank an diesem Samstagnachmittag. Es gibt nichts zu feiern bei Razoon Racing am Hockenheimring im GT-Cup. Im GT60-Rennen über eine Stunde ist schon nach gut der Hälfte des Rennens Sabbat – der Däne Tobias Andersen will zu viel, viel zu viel. In seinem ersten Renneinsatz in einem GT4-Auto verbremst sich der 24-Jährige gleich in seiner ersten Rennrunde im Kampf um Platz zwei und knallt ans Heck eines BMW. Der kann weiterfahren, der Porsche Cayman GT4 ist zu schwer beschädigt und bleibt liegen.

 

„Das ist Motorsport“, sagt Yves Volte in der Box des Teams lapidar, „das kommt vor und gehört dazu.“ Der Rennfahrer aus Renningen hat kurz davor beim Stopp das Cockpit an den Teamkollegen auf Position zwei liegend übergeben und hoffte auf einen Podiumsplatz. Den hat der Rookie, wie Neulinge genannt werden, weggeschmissen. So sagt man, wenn sich einer durch eine unnötige oder unbedachte Aktion aus dem Rennen katapultiert. Yves Volte ist emotional aufgeräumt, meint nur „Tobias hat sich wohl verbremst“, und hakt den Vorfall ab. Man macht den Kollegen nicht öffentlich runter.

Dieser Arbeitstag hat sich nicht ausgezahlt in Punkten. Aber der 22-Jährige hat seinen Teil zum Job beigetragen – im Qualifying verpasst er die Pole-Position lediglich um vier Tausendstelsekunden. Im Rennen verteidigt Yves Volte Platz hartnäckig Rang zwei, wie es die Renntaktik vorgesehen hat. „Ich bin zufrieden mit meiner Vorstellung“, bemerkt er, „ich musste Reifen schonen.“

Eine gute Performance ist wichtig, Yves Volte will beim österreichischen Team Razoon ein Cockpit in der Serie GT4 Germany, die im Rahmen der DTM fährt – ein Sprungbrett in den professionellen Motorsport in der GT3-Klasse. Deshalb versucht der Renninger, in der GT4 Erfolge, Meriten sowie Sponsoren zu sammeln, um das Cockpit für die kommende Saison finanzieren zu können.

Ein Förderprogramm für Talente

Da ist er im GT-Cup richtig. Davon ist Kilian Weitz überzeugt, was nicht verwundert, er ist schließlich der Serienmanager. „Wir wollen Gentleman-Rennfahrern etwas bieten und dem Nachwuchs die Chance eröffnen, die Karriere zu beschleunigen“, sagt der Düsseldorfer im großen, offenen GTC-Race-Zelt im Fahrerlager mit trendigen, aufblasbaren Sitzmöbeln. Eine Serie für Ältere und Jüngere – Gentleman-Fahrer sind gut situierte Menschen, die sich zum Spaß auf der Rennstrecke messen wollen, die Talente aber wollen vorankommen. „Wir sehen uns als hochwertiges Jugend-Förderprogramm“, erklärt Kilian Weitz, „als Technologie-Bühne und als Plattform für Netzwerke im Motorsport.“ 30 000 Euro sind pro Saison allein als Nenngeld aufgerufen, um an den fünf Rennwochenenden auf den Pisten mitzumischen.

Zahlreiche Aufgaben rund ums Rennen

Yves Volte hat dabei mehr Aufgaben als ein paar schnelle Runden auf den Asphalt zu zaubern. Er analysiert am Rechner mit Renningenieur Thomas Wilperling die Daten der Trainingsläufe und dem Qualifying, bespricht Taktik und Technik für die Sprintläufe und das GT60-Rennen. Er redet mit Chefmechanikerin Vivi und Rennmechaniker Stradi, was zu schrauben ist, und verrät, dass Vivi aus Warmbronn stammt – weil solche Handarbeiter aber nicht immer scharf auf Publicity sind, hat Vivi nicht das Bedürfnis, sich mit dem Reporter zu unterhalten. Sie widmet sich lieber ihrer Rätsche und baut am Porsche die Bremsscheibe hinten links aus.

Hätte das Team aus Österreich Geschäftspartner oder Sponsoren nach Hockenheim eingeladen, würde Yves Volte sie herumführen, ihnen in der Box erklären, wie ein Rennwochenende getaktet ist, wer welche Aufgaben besitzt und worauf es auf der Strecke ankommt. Doch da das nicht der Fall ist, kann sich der Renninger um seine Partnerin Josephine und seinen Freund Marcel kümmern.

Ein Leben im Wohnmobil

Marcel ist aus Gechingen zum Motodrom ins Badische gefahren, er mag es, gelegentlich in die Welt des Motorsport einzutauchen – im vergangenen Jahr hat er seinen Kumpel auch schon in Hockenheim besucht. „Das, was Yves tut, würde mir auch gefallen, das ist echt spannend“, sagt er und darf sich ein klein wenig wie ein GT4-Pilot fühlen. Er zwängt sich in den Sitz des Porsche Cayman, Yves Volte schnallt ihn fest und erklärt ihm die verschiedenen Anzeigen – dass am Auto hinten links kein Rad montiert ist und die Bremsscheibe fehlt, spielt für Marcel eine ziemlich untergeordnete Rolle. Die spürbare GT4-Impression ist eindrücklicher.

Für Voltes Partnerin Josephine aus Weil der Stadt sind solche Wochenende schon fast eine Routine, „ich bin in aller Regel mit dabei“, erzählt sie, „wenn ich es einrichten kann“. Das Paar wohnt gemeinsam mit dem Hund im Wohnmobil direkt neben den Rennstrecken, lebt zwischen Teambox, Fahrerlager und Camper. Yves Voltes Wochenende: Runde um Runde – mal mit dem Hund, mal mit dem Porsche.

Im Sprint am Sonntagmittag kämpft Yves Volte mit Linus Hahne wie schon am Samstag im GT60-Rennen um Platz zwei – der Renninger behauptet sich im Duell mit dem BMW. Zweiter, ein Platz auf dem Siegerpodest im Fahrerlager. Ein guter Grund, die Sektflasche aus dem Kühlschrank zu holen ...