85 000 Euro wurden für den Neuaufbau des abgebrannten Hüttles gespendet. Foto: Baumann

Die Spendenbereitschaft für das neue Hüttle des GSV Pleidelsheim ist ein Beispiel dafür, das vor allem die Nähe zu einem Unglück Menschen antreibt, zu helfen. Flammen hatten das Hüttle im März vollkommen zerstört.

Die Sturzfluten im Ahrtal, ein verheerender Tsunami in Teilen Asiens oder der Krieg in der Ukraine – oft sind es Bilder solcher Katastrophen, die Menschen dazu bringen, Geld zu spenden. Rund fünf Milliarden Euro haben die Deutschen im Kalenderjahr 2023 für wohltätige Zwecke gespendet. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Spendenniveau jedoch um etwa 12 Prozent gesunken. Das liegt laut Angaben des Deutschen Spendenrats aber nicht an geringerer Großmütigkeit, sondern eher daran, dass das Niveau durch Krisen wie der Pandemie und dem Ukraine-Krieg in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hoch war.

Die Deutschen spenden gerne

Die Bereitschaft zu helfen, ist aber auch groß, wenn im engeren Umfeld Hilfe benötigt wird. Das bestätigt auch Birger Laing, langjähriger Experte für Fundraising-Projekte aus Marbach. „Wenn vor Ort Bedarf ist, dann ist das für die Menschen spürbar und sie tun sich leichter für eine Sache zu spenden“, sagt Laing und nennt als Beispiele die großen Zuwendungen der Bürger für die Voit Orgel in Marbach oder den Synagogenplatz in Ludwigsburg. „Und die Menschen können dann konkret sehen, was mit ihrem Geld passiert und wie etwas Neues entsteht“, sagt Laing und kommt zu dem Schluss: Die Deutschen spenden gern.

In die Kategorie Nachbarschaftshilfe fällt auch die hohe Spendenbereitschaft für den Neuaufbau des zerstörten Hüttles beim GSV Pleidelsheim. Bei dem Brand im vergangenen März wurde das gesamte Inventar für den Trainingsbetrieb und die Bewirtung vernichtet. Schaden: Rund 100 000 Euro. „Mich hat dann überwältigt, dass sehr viele Menschen gespendet haben, die mit uns gar nichts zu tun haben“, sagt Susanne Düding, die Vorsitzende Fußball des Vereins. Sehr schnell seien die Gelder für den 30 000 Euro teuren Abriss zusammengekommen.

Inzwischen stehen dem Verein, dessen Team in der Landesliga spielt, rund 125 000 Euro zur Verfügung – 40 000 hat der Gemeinderat als Sportstättenförderung bewilligt. Immer wieder hörte Düding von den Spendern: „Es geht und doch gut, da helfen wir gerne und Gott sei Dank ist kein Mensch zu Schaden gekommen.“ Geholfen hat aber auch das gute Netzwerk der Vorsitzenden sowie die Aufrufe in diversen Social-Media-Kanälen. „Da haben wir auch mit kleinen Filmchen gearbeitet, die haben die Menschen auch erreicht“, sagt Düding.

Finanzielle Zuwendungen an den Verein kamen aus allen Bereichen. „Die Bandbreite war auch für mich erstaunlich“, sagt die Vorsitzende. Auch drei Firmen aus der Kommune haben geholfen: Dazu zählen die Parker Prädifa, die Greiner GmbH sowie die Heinerich GmbH mit einer Spende von jeweils 5000 Euro.

Am alten Standort soll ein Lagertrakt mit zwei kleinen Umkleiden und zwei Toiletten entstehen – der neue Kiosk ist einige Meter daneben geplant. Das alte Hüttle war nicht „versicherbar“, wie Düding ausführt. Diesmal wird es der Verein anders machen und bei der Auswahl der Materialien genauer hinschauen und Rücksprache mit der Versicherung halten, was möglich ist und was nicht.

Neuaufbau kostet rund 150 000 Euro

Susanne Düding rechnet Stand jetzt insgesamt mit Kosten von 150 000 Euro für das Projekt. Konkrete Zahlen gibt es aber erst, wenn die Angebote der Handwerker vorliegen. Noch steht auch noch die Höhe der Fördergelder seitens des Württembergischen Sportbundes (WLSB) aus und auch das Ergebnis der Crowdfunding-Aktion der VR-Bank: Sollten die 5000 Euro erreicht werden, würde das Geldinstitut die Summe auf 10 000 Euro aufstocken.

Auch Düding ist ein bisschen auf Ursachenforschung gegangen in Sachen Psychologie des Spendens: „Manche Menschen tun sich mit Geldspenden für eine konkrete Sache leichter als beispielsweise vor Ort selbst zu helfen, wie das im Ahrtal der Fall war“, sagt Düding. Die Wissenschaft kommt zu folgenden Erkenntnissen, weshalb die Bürger gerne ein gutes Werk tun: Sie handeln zwar aus Altruismus, weil sie mit den Betroffenen mitfühlen und diese unterstützen möchten. Aber ganz oben steht für die meisten auch dieses warme Glücksgefühl - Experten sprechen vom „warm glow“ das eintritt, wenn man etwas Gutes tut und spendet. Davon hat auch das neue Hüttle profitiert.