Enge und zugeparkte Straßen machen den Schulweg gefährlicher Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Fünf Stuttgarter Institutionen wollen Eltern davon überzeugen, dass Grundschüler durchaus zu Fuß zur Schule gehen können und davon auch noch einen Gewinn haben. Die Schüler von 22 Schulen machen dabei mit und wetteifern nun fünf Tage lang um einen Preis: einen Wandertag.

Stuttgart - In den 1970er-Jahren gingen 91 Prozent der Kinder ihren Schulweg alleine. Heute sind es noch 17 Prozent. So weist es die Statistik der Verkehrspolizei aus. „Das wollen wir ändern, denn das so genannte Elterntaxi tut allen nicht gut“, sagte Ordnungsbürgermeister Martin Schairer am Montag in der Filderschule in Stuttgart-Degerloch. Zum zweiten Mal haben er, die Polizei, das Staatliche Schulamt und der Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart die Stuttgarter Grundschulen aufgerufen, sich an der Aktion Sicher zu Fuß zur Schule zu beteiligen – und 23 sind inzwischen dem Ruf gefolgt.

„Ausgerechnet die Fußgänger unter den Kindern sind vor der Schule gefährdet“, sagt Hermann Volkert, der Leiter der Verkehrsprävention, und nennt Fahrzeuge, die auf dem Gehweg parken und rangierende Väter und Mütter. Die zweifache Mutter Heike Greis bemängelt „zugeparkte Ecken, die den kleinen Kindern die Sicht nehmen“. Deshalb habe sie die Beteiligung der Filderschule an der Schulwegaktion angeregt, so Heike Greis.

Ein Baustein von vielen

Bei Carola Frech, der Rektorin der Grundschule, stieß Greis auf offene Ohren. „Das Thema bewegt uns alle gewaltig“, sagt sie und verweist auf mehrere bereits laufende Verkehrserziehungsmethoden: Elternorganisierte Laufgrüppchen, ein einheitlicher Schulbeginn am Morgen, so dass ältere und jüngere Kinder gemeinsam zu Fuß gehen können, das Training der Verkehrspolizei mit Erstklässlern und der Radfahrunterricht für die Viertklässler. „Wir pflegen seit Jahren eine gute Zusammenarbeit“, sagt Carola Frech, auch mit Hinweis auf das Bezirksamt Degerloch und deren Chefin, Brigitte Kunath-Scheffold.

Klaus Thomas, der Vorsitzendes des Vereins Sicheres und Sauberes Stuttgart, hat inzwischen mehrere Verbündete gefunden, die sich als Anlaufposition für Kinder auf dem Schulweg beteiligen. Er wolle ein Signal setzen und zeigen, dass die Schüler sicher sind und „dass das Fahren nicht sein muss, wenn man laufen kann“. Ludwig Haupt, der Leiter des Referats Prävention des Polizeipräsidiums Stuttgart, kann keinen einzigen Fall aus dem vergangenen Jahr benennen, bei dem ein Erst- oder Zweitklässler von einem schweren Unfall betroffen gewesen sei.

Tempo 30 vor 17 Schulen

Bewegungsförderung, motorisches Training und eine gute Schule fürs Selbstbewusstsein – so viele positiven Effekte kann das Kultusministerium dem Schulweg abgewinnen. „Aber wichtiger als die Verankerung im Bildungsplan ist das, was an Ort und Stelle geschieht“, sagt Elke Windisch vom Staatlichen Schulamt. Jeder Schüler, der läuft, bekommt einen Stempel. Die Schule mit den meisten Stempeln gewinnt einen gemeinsamen Wandertag. Über die Homepage des Staatlichen Schulamts können sich noch weitere Schulen für die zweite Aktionswoche anmelden.

Die Diskussion um die Entzerrung des Verkehrs vor Schulen dauert schon lange an. Ursprünglich hatte die ehemalige SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind erklärt, sie könne sich vor Kindergärten und Schulen Tempo-30-Zonen gut vorstellen. Ein pauschales Tempolimit lehnte die Straßenverkehrsbehörde der Stadt ab, prüfte aber 38 Schulen mit einem Standort an einer Durchgangsstraße. Laut Ordnungsbürgermeister Schairer ist vor 17 Schulen die Geschwindigkeit begrenzt worden.

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