So hat man sich das mit der Änderung der Grundschulbezirke in Freiberg im Rathaus nicht vorgestellt. Foto: Pascal Thiel

Weil alle betroffenen Eltern ihre Kinder umschulen wollen, wird die Flattichschule einzügig. Das gefällt weder Schule noch Stadt – noch Schulamt.

Freiberg/Neckar - So hatte sich das die Stadt Freiberg am Neckar sicher nicht vorgestellt: Um zu verhindern, dass die Flattichschule im Stadtteil Beihingen in den kommenden Schuljahren nur noch einzügig ist, änderte die Verwaltung mit einstimmiger Zustimmung des Gemeinderats den Zuschnitt der Schulbezirke: Der Beihinger Grundschule wurden kleine Gebiete zugeschlagen, die bisher der Grünland- und der Kasteneckschule zugeschrieben waren. Jetzt machen die Eltern den Plänen der Verwaltung einen Strich durch die Rechnung.

Denn die Eltern all jener angehenden Erstklässler, die im kommenden Schuljahr 2017/2018 von der Änderung der Grundschulbezirke betroffen sind, haben beim Staatlichen Schulamt in Ludwigsburg einen Antrag auf Umschulung gestellt. Das geht aus einer Gemeinderatsvorlage hervor. Demnach habe es sechs Anträge gegeben, die um eine Umschulung von der Flattichschule in die Kasteneckschule bitten, sowie drei, die von der Flattichschule an die Grünlandschule wollen. Das Schulamt hat alle Anträge bewilligt. „Somit starten wir im kommenden Schuljahr mit nur 20 Erstklässlern und erstmals einzügig“, kommentiert Folkert Schröder, der Rektor der Flattichschule, den Vorgang. Die Verwaltung geht davon aus, dass es auch im Schuljahr darauf wieder nur eine erste Klasse in der Flattichschule geben wird.

Bei der Stadt ist man wenig überrascht

Diese so genannte Einzügigkeit wird von Lehrern und Rektoren gefürchtet, da sie zu Lasten des pädagogischen Angebots geht: weniger Lehrer, kein inhaltlicher Abgleich mit Kollegen und im schlimmsten Fall klassenübergreifender Unterricht mit mehr als 50 Schülern gleichzeitig. Die Begründungen der Elternanträge reichen von Geschwisterkindern an der anderen Schule bis hin zu Betreuungspersonen im jeweils anderen Stadtteil. Das Schulamt ist verpflichtet, diesen Anträgen jeweils stattzugeben, obwohl die Behörde daran interessiert ist, die Einzügigkeit zu verhindern.

Bei der Stadt ist man wenig überrascht: „Wir haben das kommen sehen. Leider bewahrheitet es sich nun“, sagt der Bürgermeister Dirk Schaible. Mit der Schulbezirksänderung habe die Verwaltung ihre einzig mögliche Maßnahme ausgeschöpft, um die Einzügigkeit zu verhindern. Auch das Schulamt kann die Entwicklung nur zähneknirschend akzeptieren: „Es ist natürlich im Sinne des Schulamtes, vergleichbare Verhältnisse an den Schulen in Freiberg zu sichern“, sagt der Leiter Hubert Haaga. Die sind durch die Einzügigkeit nun aber nicht gegeben.

Verwaltung muss alle drei Schulen erhalten

Die Entwicklung ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass bei einem Bürgerentscheid im Dezember 2016 eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen die Pläne des Gemeinderats, eine zentrale Grundschule zu errichten und die alten Schulen abzureißen, kippte. Die Verwaltung ist nun verpflichtet, alle drei Schulen zu erhalten.

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