Seit anderthalb Wochen herrscht auch in den Grundschulen wieder Betrieb. Foto: dpa/Arne Dedert

Inzwischen ist auch an den Grundschulen der Unterricht wieder aufgenommen worden – allerdings sieht er anders aus als vor der Corona-Pandemie.

Rems-Murr-Kreis - Petra Schiek erinnert sich an eine Begegnung auf dem Hof der Schorndorfer Reinhold-Maier-Schule: Als die Grundschulen nach Monaten der Schließung am Montag der vergangenen Woche wieder öffnen durften, habe ein Mädchen zu ihr gesagt, dies sei der schönste Tag in ihrem bisherigen Leben. „Die Kinder blühen wieder auf. Wie wichtig die sozialen Kontakte für sie sind, merkt man jetzt auch am hohen Redebedarf“, berichtet die Schulleiterin. „Ich glaube, die Kinder haben sich noch nie so auf die Schule gefreut.“

Rektorin mit dem Start zufrieden

Gleichzeitig müssten sich viele Mädchen und Jungen erst wieder an das „Format Schule“ gewöhnen – etwa an das frühe Aufstehen und die regelmäßigen Hausaufgaben, hat Schiek beobachtet. Man merke schon, dass nicht alle Kinder in den vergangenen Monaten einen geregelten Tagesablauf gehabt hätten. Trotzdem sei sie mit dem Schulstart zufrieden: „Es ist gut angelaufen.“

Diesen Eindruck hat auch Sabine Hagenmüller-Gehring, die Leiterin des Staatlichen Schulamts in Backnang. „Es war richtig gute Stimmung.“ Von keiner der insgesamt 85 Grundschulen im Rems-Murr-Kreis habe sie in der ersten Woche Beschwerden erhalten. „Das ist echt erfreulich“, sagt die Schulamtsleiterin.

Gleichwohl sieht der neue Regelbetrieb anders aus als vor der Corona-Pandemie. „Wir müssen möglichst konstante Gruppen haben“, erklärt Hagenmüller-Gehring. An der Reinhold-Maier-Schule sind der Unterrichtsbeginn und die Pausenzeiten für jede Jahrgangsstufe versetzt, die Kernzeitbetreuung muss ebenfalls nach Jahrgangsstufen getrennt erfolgen. Sportunterricht findet nicht statt, auch auf das Singen soll verzichtet werden. „Den Kindern fehlt der Sportunterricht, für sie ist Bewegung sehr wichtig“, sagt die Schulleiterin Schiek. Und normalerweise werde viel gesungen in der Grundschule, gerade in der ersten Klasse. Das fingen die Lehrkräfte nun etwa mit Sprechreimen auf.

Große Unterschiede beim Leistungsstand

Was den Leistungsstand der Kinder angehe, zeigten sich bereits große Unterschiede. „Die Schere ist weiter auseinandergegangen, je nach dem, ob die Kinder zu Hause viel oder wenig Unterstützung beim Lernen bekommen haben“, sagt die Schulleiterin. Weil der Sportunterricht wegfällt, könnten dessen Stunden zur gezielten Förderung eingesetzt werden. Personell ist die Reinhold-Maier-Schule dafür gut aufgestellt: „Wir haben Glück, bei uns gehört niemand zur Risikogruppe“, berichtet Schiek.

Die Zahl der Lehrkräfte im Kreis reiche aus, sodass nahezu jedes Schulkind 20 Wochenstunden Unterricht habe – „manche Kinder haben auch 25 Stunden“, sagt Hagenmüller-Gehring. Nun werde erhoben, welche Kinder nach den monatelangen Schulschließungen große Lerndefizite hätten. Für sie soll es in den letzten beiden Wochen der Sommerferien Förderprogramme geben. „Das Angebot ist nicht verpflichtend, aber wir werden es den betroffenen Kindern sehr empfehlen“, so die Schulamtschefin.

Hygieneerziehung wird bleiben

Um den Stoff zu entzerren, berate ihr Kollegium nun, welche Inhalte man weglassen könne, weil nicht darauf aufgebaut werde, sagt Petra Schiek. „Wichtig sind die methodischen Kompetenzen“. „Da gibt es mit Sicherheit auch im nächsten Schuljahr noch Lücken zu stopfen.“ Voraussichtlich werde dann die Wiederholungsphase, die üblicherweise bis zu den Herbstferien daure, ausgedehnt. Beibehalten will Schiek auf jeden Fall die Hygieneerziehung. Das regelmäßige und gründliche Händewaschen hätten ihre Schüler verinnerlicht. „Ich sehe das als etwas Positives, was man mitnehmen kann, weil es etwas Grundsätzliches ist – schließlich kommt jeden Herbst die Grippezeit“. Für den Moment aber gilt: „Es ist schön, dass wieder Leben im Schulhaus ist“, so Schiek.

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