In der Ludwigsburger Gartenstraße herrscht zu Stoßzeiten ein für Schüler gefährliches Verkehrschaos. Eine Straße weiter scheint man eine Lösung gefunden zu haben – oder?
Die bunte Wimpelkette in der Sonne erweckt fast den Eindruck, als würde am frühen Freitagmorgen eine kleine Gruppe Menschen auf der Gartenstraße ein Straßenfest veranstalten. Der Anlass ist jedoch weniger erfreulich.
Die private Elterninitiative „Kidical Mass Ludwigsburg“ hat eingeladen, um auf ein Problem aufmerksam zu machen: Zum Schulstart und -ende ist die Verkehrssituation vor dem Westdurchgang zur Sophie-Scholl-Schule so unübersichtlich, dass man um die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler fürchtet.
Das ist das Problem
Kurz nach der Kreuzung Blumenstraße/Gartenstraße kommt es laut den Eltern zu brenzligen Situationen. Es herrscht reger Durchgangsverkehr, verstärkt durch diverse Baustellen und Fahrzeuge, die aus der Sparkassengarage kommen. Der Radstreifen ist häufig zugeparkt – unter anderem von Elterntaxis – und mittendrin versuchen die Kinder, zur Schule zu kommen.
Als wenig hilfreich hat sich die Einbuchtung erwiesen, die vor dem Durchgang zur Schule eine Engstelle schafft. Ursprünglich so gebaut, dass der Gehweg weiter in die Straße ragt und die wartenden Kinder von Autofahrern besser gesehen werden, werde sie häufig zugeparkt, erzählt die Mutter Kathrin Quast.
Das sind die Lösungsansätze
Direkt vor dem Durchgang zur Schule in der Gartenstraße ist Platz für zwei Autos, idealerweise für Elterntaxis. Die seien aber häufig von Dauerparkern belegt, berichtet die Elterninitiative. Die Idee: Diese zwei Parkplätze weiter nach vorne in Richtung Schulgasse zu verlegen und damit für mehr Übersichtlichkeit zu sorgen. Zudem schlagen die Eltern vor dem Durchgang zur Schule einen Zebrastreifen vor.
„Man könnte temporär die Straße zum Schulbeginn sperren“, schlägt die Landtagsabgeordnete Silke Gericke (Bündnis 90/Die Grünen) während des Termins am Freitag vor. Autofahrer, die aus der Sparkassengarage in der Schulgasse kommen, müssten dann links in die Blumenstraße abbiegen, Anwohner sowie Hotelgäste des Best Western Hotel Favorit würden weiter durchkommen.
Doch wohin weichen dann die Elterntaxis aus? „Wir empfehlen den Eltern, in der Sparkassengarage zu parken, das geht 30 Minuten kostenlos“, sagt Marie-Christin Haufe von der Elterninitiative. Das würde auch immer besser funktionieren, bestätigt Schulleiterin Simone Werner-Mehl. Sie versteht, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, manche Kinder würden von weiter weg kommen. „Was bleibt, ist das Platzproblem mit Autos, Fahrradfahrern und den Kindern“, sagt sie.
Sie wünscht sich einen „Bus auf Beinen“. Dabei gibt es eine festgelegte Strecke mit Stopps, an denen sich Kinder anschließen können und so gemeinsam, wenn möglich in Begleitung eines Elternteils, zur Schule laufen.
Das ist die Vorgeschichte
Was an diesem Morgen auch deutlich wird: Eine temporäre Sperrung der Straße ist nicht unbedingt die optimale Lösung, zumindest nicht von Anfang an. Eine Ecke weiter in der Schulgasse, die am südlichen Schuleingang vorbeiführt, hat man im vergangenen September ein Schild aufgestellt. Von 7 bis 15.30 Uhr dürfen nur noch Bedienstete der Grundschule und der Lieferverkehr durchfahren – dazu kommen Autofahrer, die die Sparkassengarage verlassen. Es gilt Tempo 20. „Die Maßnahme funktioniert leider nur bedingt“, sagt Kathrin Quast.
Das hat auch Oberbürgermeister Matthias Knecht bemerkt. „Das hat mich heute Morgen direkt entzürnt, als drei Autos an mir vorbei gefahren sind.“ Deshalb sei der kommunale Ordnungsdienst dazu angehalten, die Straße immer wieder zu kontrollieren.
Mit Blick auf die Gartenstraße sagt er: „Wir können es hier nicht allen Verkehrsteilnehmern recht machen“, sagt Knecht. Dass die Sicherheit der Kleinsten ein besonderes Augenmerk verdient, darüber sind sich aber alle einig. Wie das Problem künftig angegangen wird, will die Stadt nun genauer prüfen – die aktuelle Haushaltssperre dabei jedoch im Hinterkopf behaltend.