Die Fernsehmoderatiorin DunjaHayali (re.) war die erste Gastrednerin in der Veranstaltungsreihe von Parlamentspräsidentin Muhterem Aras. Foto: dpa

Eine neue Veranstaltungsreihe der Landeszentrale für politische Bildung und Parlamentspräsidentin Muhterem Aras diskutiert über das, was lange unangefochten gegolten hat: unsere Grundrechte.

Stuttgart - Die Debattenkultur verroht immer mehr, im Internet sind Hassbotschaften an der Tagesordnung, die Medienlandschaft wird von einigen als „Lügenpresse“ verunglimpft. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ steht dagegen gleich im ersten Absatz des deutschen Grundgesetzes. Die Würde von zu vielen Menschen werde ganz offensichtlich schon lange nicht mehr geachtet, sagte die Fernsehjournalistin Dunja Hayali im Stuttgarter Landtag vor mehreren Hundert Gästen bei einer Diskussionsreihe über das Grundgesetz. „Da ist eine tiefsitzende Verbitterung bei vielen, weil sie das Gefühl haben, als einzelner Mensch nicht mehr wahrgenommen zu werden.“

Hayali eröffnete mit ihrem Vortrag eine von der Landtagspräsidentin Muhterem Aras und der Landeszentrale für politische Bildung initiierte Gesprächsreihe mit dem Titel „Wertsachen“. Dreimal im Jahr möchte Aras die Reihe künftig in Baden-Württemberg veranstalten und dabei die Basis „unseres Zusammenlebens“, das Grundgesetz, in den Blick nehmen. „Wir haben eine der besten Verfassungen weltweit“, ist die türkischstämmige Grünen-Politikerin überzeugt. Immer mehr habe sie aber das Gefühl, dass viele die demokratischen Grundrechte anzweifeln und skeptisch hinterfragen.

Hayali rechnet mit einem „harten und krassen Wahlkampf“

Wie man dem grassierenden Hass in der Gesellschaft und auch in der Politik entgegenwirken kann, diskutierte die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali nach ihrer Rede mit dem Freiburger Professor Albrecht Scherr und dem deutsch-russischen Poetry-Slammer Nikita Gorbunov aus Stuttgart. Während der Freiburger Soziologe und Experte für Rechtsextremismus dafür plädierte, nicht nur die politische Debatte zu stärken, sondern die Menschen mit mehr „Bildung über, durch und für Menschenrechte“ zu stärken, empfiehlt Hayali einen kritischen, aber sachlichen Umgang zum Beispiel mit der AfD, auch wenn sie mit Blick auf die Bundestagswahl mit einem „harten und krassen Wahlkampf“ rechnet. Die Fernsehjournalistin plädiert dafür, die Menschen und ihre Ängste ernst zu nehmen und mit Andersdenkenden in die Diskussion zu gehen. Denn ein „starker Staat ist nur das eine, eine starke Zivilgesellschaft das andere“.

Der 33-jährige Poetry-Slammer Gorbunov rät zu einem ganz anderen Umgang mit Hass: sich nicht provozieren zu lassen, die immer gleichen Spielchen des Internets zu durchschauen und simpel darauf zu reagieren – nämlich mit Katzenbildern.

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