Im Seepark in Möhringen sind viele Wohnungen entstanden – aber in den nächsten Jahren braucht Stuttgart noch viele neue Wohngebiete. Foto: Peter Petsch

OB Fritz Kuhn habe sich bemüht gezeigt, meint der Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein. Das Konzept des Stadtoberhaupts zum Thema Wohnen reicht der Interessenvertretung der privaten Immobilieneigentümer aber bei weitem nicht aus.

OB Fritz Kuhn habe sich bemüht gezeigt, meint der Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein. Das Konzept des Stadtoberhaupts zum Thema Wohnen reicht der Interessenvertretung der privaten Immobilieneigentümer aber bei weitem nicht aus.

Stuttgart - Im Konzept von OB Fritz Kuhn zur städtischen Wohnungspolitik fehlen dem Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein echte Handlungsvorschläge. Deshalb haben der Vorsitzende Klaus Lang und Geschäftsführer Ulrich Wecker am Donnerstag in einer Pressekonferenz „Enttäuschung“ geäußert – nach genauerer Prüfung.

Der Verein sieht sich ausgegrenzt. Ehe Kuhn nach geheimniskrämerischer Vorbereitung Anfang Dezember das Konzept präsentierte, habe er von einem Gesprächsangebot nicht Gebrauch gemacht. Inzwischen sei man zu einer Veranstaltung eingeladen, aber in den neuen Gremien zum Wohnungsthema dürfe der Verein auch künftig keine Rolle spielen. Man sei nicht beleidigt, sagte Lang, man verstehe es nur nicht: „Wir sind doch kein Kaninchenzüchterverein, sondern vertreten 19.500 Mitglieder in Stuttgart, die 70.000 Wohnungen besitzen.“

Zur Liste der Kritikpunkte zählt der Verein das Fehlen einer klaren Bedarfsprognose. Die Annahmen seien zu vage. Mit dem neuesten Bericht des Statistischen Amts der Stadt zur Wohnungssituation halte die Verwaltung hinter dem Berg. Immerhin sei mit dem im Konzept Gesagten die „Horrorzahl“ von angeblich 15.000 fehlenden Wohnungen abgeräumt, die der Mieterverein propagiert habe. Kuhn würde auch gut daran tun, eine regionale Bedarfsprognose zu veranlassen, meinte Wecker. Der öffentliche Nahverkehr sei gut ausgebaut. Nicht jeder, der nach Stuttgart wolle, könne erwarten, dass er in der Stadt selbst wohnen könne, sagte Lang.

Nicht mal Pilotprojekt für sinnvoll gehalten

Besonders scharf ist die Kritik an Kuhns Überlegung, den wachsenden Pro-Kopf-Bedarf an Wohnfläche zu begrenzen. Hier offenbare der OB eine „anmaßende und absurde Denke“ sowie eine dirigistische Haltung, sagte Wecker. „Wir halten nichts davon, nach dem vegetarischen Tag jetzt auch noch die Wohnfläche vorschreiben zu wollen und im prosperierenden Stuttgart Bezugsscheine auszugeben.“ Nicht einmal ein Pilotprojekt, bei der Vergabe von städtischem Grund auf ein Investorenmodell mit kleineren Wohnungen zu dringen, halte man für sinnvoll.

Beim Thema altersgerechte Wohnungen belasse es Kuhn beim Schlagwort und Appell, bemängelte Wecker. Die Studentenwohnungen kämen im Konzept praktisch nicht vor. Kuhn habe auch nicht auf dem Radarschirm, dass es einen Bedarf an Einfamilienheimen gebe. Hier sei die Lösung schwierig. Ein Weg könne es sein, zu verhindern, dass Einfamilienhäuser durch Mehrfamilienhäuser ersetzt werden. Der in der Tat „ärgerliche Wohnungsleerstand“ sei im Konzept überbewertet. Die 11.400 freien Wohnungen seien „ein Ammenmärchen“.

Was die energetischen Sanierungen angeht, ist der Verein besonders enttäuscht. Hier verbreite sich Kuhn nur über die Neubauten. Der Umgang mit älteren Wohnungen bleibe unerwähnt. Ausdrücklich warnte der Verein vor der Anwendung einer Mietpreisbremse. Das hemme Investitionen, verhindere Wohnungen, verschärfe die Preise.

Kuhn reagierte sofort. Er habe dem Verein am 5. Dezember ein Gesprächsangebot gemacht. Seine Tür stehe offen, wenn der Verein aus der Schmollecke kommen wolle.

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