Der Gemeinderat Heinz Schopp ist mit der Walze am Werk. Foto: Horst Rudel

Mit einem neuen Anstrich passt das Rathaus gleich viel besser zur sanierten Ortsmitte. Der Bürgermeister und die Gemeinderäte haben selbst Hand angelegt.

Gruibingen - Die Farbe der Fassade ist undefinierbar – irgendetwas zwischen Ockergelb und Rostrot mit einem Stich Rußschwärze von den vielen Autos, die durch den Ort fahren, vor allem, wenn es auf der allgegenwärtigen Autobahn mal wieder klemmt. Außerdem platzt an vielen Stellen der Putz oder die Farbe ab. So zeigt sich das Gruibinger Rathaus seit vielen Jahren. Doch diese Zeiten sind nun vorbei. Der Gemeinderat selbst hat am Mittwoch Hand angelegt und dem Gebäude aus den 1920er Jahren einen neuen Anstrich in einem warmen Farbton verpasst. „Damit passt das Rathaus zu unserer frisch sanierten Ortsmitte, mittlerweile war es ja das Gebäude, das am schlechtesten aussah“, sagt der Bürgermeister Roland Schweikert.

Die Idee stammt vom Bürgermeister

Er ist am Mittwochnachmittag als Erster da, um die Farbe anzurühren. Er hofft, dass das Rathaus schon am Abend fertig gestrichen ist. „Wenn ein paar Leute helfen, geht das ruck, zuck“, sagt er. Von Schweikert stammt auch die Idee, dass der Gemeinderat selbst anpackt. Da die Sanierung der Ortsmitte und ein gerade entstehender Anbau an den Kindergarten viel Geld verschlungen habe, sei eine umfassende Sanierung des Verwaltungsgebäudes in weite Ferne gerückt. Aber mit ein wenig Farbe und ein paar tatkräftigen Räten könne man wenigstens die schäbige Fassade verschönern – und gleichzeitig ein Zeichen setzen, dass im Gruibinger Gemeinderat nicht nur geredet, sondern auch etwas getan wird, regte er an. Die Idee kam an.

„So eine Aktion ist bis dato wohl einmalig“, erklärt Heinz Schopp, der kurz nach 16 Uhr, dem offiziellen Beginn der Streichaktion, als erster der Räte eintrifft, um mit einer Walze bewaffnet auf das Gerüst zu steigen, das dem Rathaus bereits vor einigen Tagen verpasst wurde. „Ich finde die Aktion sehr gut“, sagt er noch, bevor er die Leiter erklimmt. „Wir haben viele Bürger, die sich im Ehrenamt engagieren, da kann der Gemeinderat auch einmal etwas tun.“

Verzögerung durch schlechtes Wetter

Mit von der Partie ist auch Mohammed Abu. Der Asylbewerber aus Syrien lebt seit drei Monaten in Gruibingen und ist gern bereit, mit anzupacken. Schließlich hat er das Malerhandwerk gelernt. Als Erster steht er ganz oben auf dem Gerüst. Mit geübtem Griff taucht er die Walze in die Farbe und streicht die Fläche. Kurze Zeit später sieht der Giebel wie neu aus.

Auf rund 5000 Euro veranschlagt der Bürgermeister die Kosten der Aktion, das Gerüst inklusive. Klar, dass auch er sich in Arbeitsmontur auf das Gerüst schwingt und tüncht. Er ist froh, dass endlich das Wetter mitspielt. Der viele Regen der vergangenen Tage brachte den Zeitplan durcheinander. Ursprünglich hätte das große Pinseln schon am vergangenen Freitagnachmittag beginnen sollen. Aber es schüttete ohne Unterlass, so dass der Bürgermeister die Sache kurzerhand abblies. „Wenn es nicht mindestens vier Stunden trocken ist, dann wird die Farbe wieder abgewaschen, das bringt nichts“, sagt er.

Mit Nässe haben die freiwilligen Maler nun nicht mehr zu kämpfen, dafür mit umso größerer Hitze. Bis in den Abend hinein brennt die Sonne vom Himmel – ein Glück, dass eine Seite des Rathauses im Schatten liegt. Schweikert freut sich, dass das Gebäude schon viel besser aussieht, obwohl es noch gar nicht ganz gestrichen ist. Dennoch hofft er, dass die erforderliche Sanierung in den nächsten fünf, sechs Jahren kommt. Der Bedarf sei groß. Der Sitzungssaal sei zu klein, ein Aufzug fehle, und auch die Wärmedämmung liege im Argen.

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