Der kleine Fellbacher Zwickel zwischen den Stadtbahngleisen und der Kreuzung nahe Pflanzen-Kölle soll im Frühjahr biologisch aufgewertet werden. Weitere Verbesserungen in der Stadt könnten folgen.
Hochhaus in Fellbach? Ja klar, der Tower, der Schwabenlandtower 107, der mit seinen 34 Stockwerken den östlichen Stadteingang ziert, allerdings seit siebeneinhalb Jahren nicht über den Rohbaustatus hinausgekommen ist.
Einstige Hochhaus-Vision: 13 Etagen auf 47,8 Metern
Hochhaus? Na, auf der entgegengesetzten Seite, im Westen Fellbachs, wäre die Aussicht von den oberen Etagen in Richtung Kappelberg oder gen Cannstatt auch nicht schlecht. Die Vision hat einen realistischen Hintergrund – oder besser: Sie hatte mal gewisse Perspektiven. Rund 25 Jahre liegt es zurück, als der damalige Oberbürgermeister Friedrich-Wilhelm Kiel zum Ende seiner Amtszeit ein weiteres Highlight für Fellbach forcierte. Im August 1999 stellte er die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs vor: Das Gebäude sollte bei 13 Etagen genau 47,8 Meter hoch sein und die Form eines Dreiecks haben, mit spitzem Winkel in Richtung Stuttgart. Der damalige Baubürgermeister Hans Müller warb für ein „Stadttor als Gegenpol zu den Abluftkaminen“ (vom Schwabenlandtower war seinerzeit noch nicht die Rede); Kiel wiederum schwärmte von der „Pfiffigkeit“des Entwurfs.
Nun, der Widerstand im Gemeinderat wie in der Bevölkerung war zu groß, das Bauprojekt verlief im Sand. Um sich an diese kleine Episode der Fellbacher Stadthistorie erinnern zu können, muss man wohl der Generation Ü50 angehören. Der SPD-Stadtrat Hans-Peter Krause, mit seinen 67 Jahren mit genügend lokalpolitischem Erfahrungsschatz ausgestattet, erinnerte kürzlich an dieses „einstmalige Baugrundstück“: „Diese Fläche stand vor längerer Zeit im Fokus, weil dort ein Hochhaus geplant war“, klärte er seine jüngeren Ratskollegen auf.
Dass dieses schmale Grundstück nahe Pflanzen-Kölle im Gemeinderat ausführlich thematisiert wurde, hängt mit der 2019 beschlossenen Fellbacher Grünstrategie zusammen. Ökologisch aufgewertet werden soll insbesondere die von sehr breiten, mehrspurigen Straßen geprägte Ost-West-Achse entlang der Stuttgarter und Schorndorfer Straße, da sie das Eingangs- und Ausgangstor in die Stadt verbindet.
Eine dieser Flächen, auf der „ökologisches Potenzial gesehen wird“, befindet sich dort, wo die von Cannstatt kommende Stadtbahn im Viertelkreis in die Esslinger Straße einschwenkt. Aktuell besteht die verkehrsumtoste Fläche aus Rasen, zwei in der Vitalität stark eingeschränkten Birken sowie einem Buchsbaumrondell mit einer Eibe in der Mitte. Zur Bahntrasse hin stehen vereinzelte Großsträucher. Zwischen den Birken befindet sich ein Mast mit mehreren Halterungen der Straßenbeleuchtung.
Park an der Schwabenlandhalle als Vorbild
Künftig vorgesehen sind dort „ökologisch hochwertige Pflanzen ähnlich wie im Park der Schwabenlandhalle“, gedacht als Insekteninsel, führte Baudezernentin Beatrice Soltys aus. Diverse Neupflanzungen von Sträuchern und Großbäumen oder eine Insekteninsel sind vorgesehen. Angedacht sind Nistkästen oder ein Wildbienenhotel. Angepeilt wird generell die „Minderung des Hitzeinseleffekts des lokal versiegelten und verkehrsdominierten Bereichs“, die „Verbesserung von Mikroklima und Aufenthaltsqualität im Straßenraum“.
Die nachhaltige Aufwertung der Fläche soll nach Soltys’ Angaben in diesem Frühjahr zwischen Februar und Mai angegangen werden: „Das wird ein Quantensprung!“
Einziges Manko: Für die bisherigen Reklametafeln auf dem für Werbebotschaften günstig gelegenen Standort, etwa zur Ankündigung von Veranstaltungen des Kulturamts oder für die Internationale Bauausstellung 2027, ist künftig nicht mehr genügend Platz vorhanden.
Freude über die neue „tolle grüne Oase“
Im Gremium kam der „Sinneswandel“ (Krause) vom einstigen Baugrundstück zur erlesenen Grünfläche gut an. Agata Ilmurzynska (Grüne) freute sich über „die tolle, grüne Oase“ mit positivem Einfluss aufs Stadtklima. Nun müsse man „peu à peu weitere derartige Flächen in Fellbach finden“, erklärte Peter Treiber (Freie Wähler/Freie Demokraten). Für Franz Plappert (CDU) müsste die Überschrift zu diesem Vorhaben eigentlich heißen: „Von der Verkehrsinsel zum ökologischen Vorzeigeprojekt.“
Dieser vorbildlichen, 17 000 Euro teuren ökologischen Strategie sollen allerdings weitere Schritte folgen. So hat der Gemeinderat bereits vor einigen Wochen ein Fassadenbegrünungsprogramm an städtischen Gebäuden beschlossen. Dennoch: „Bei der Grünstrategie sind wir hinsichtlich Tempo und Umfang noch lange nicht zufrieden“, monierte Simone Lebherz von den Stadtmachern im Rahmen der Haushaltsdebatte.
Konkret bezog sie sich auf die beiden Ablufttürme des Stadttunnels im Fellbacher Osten unweit des Towers. Es sei „klasse, dass die Begrünung der Stadttürme im Haushalt zu finden ist. Danke!“ Diese Gegend habe schließlich „mehr Grün nun wirklich bitter nötig“. Allerdings forderte Lebherz für den Bereich um die Ablufttürme: „Denken Sie bitte bei der Planung auch an die unsäglichen Becken mit den blauen Glassteinchen, das passt gar nicht mehr in die Zeit.“ Die Glassteine waren einst eingesetzt worden, nachdem die vorherigen Wasserbassins häufig verdreckt und veralgt waren. Eine Bepflanzung des Bereichs wäre nun nach ihrer Einschätzung angebracht.
„Schmidener Turm“: Echtes Grün statt gelbem Anstrich
Ein weiterer „Eyecatcher“ wäre für Lebherz die Fassadenbegrünung des „gelben Turms von Schmiden“ – einer hohen Trafostation direkt an der Fellbacher Straße. Die ist derzeit giftgrüngelb gestrichen, könnte jedoch mit „echtem Grün“ ausgestattet werden. „Die Blattmasse“, so Lebherz’ Schätzung, „entspricht so ein bis zwei Bäumen.“