Slowenien sollte man auf dem Weg in den Süden nicht nur passieren. Wer mehrere Tage für das Land in der nördlichen Alpenregion einplant, kann viele Abenteuer erleben.
Auf dem Rücken liegend, die Füße aneinandergepresst und mit auf der Brust überkreuzten Händen scheint das Wasserbecken metertief unter einem zu liegen. Dann gibt es einen kräftigen Schub von hinten und der in einen Neoprenanzug eingepackte Körper gleitet in einem Affenzahn über die glatte Oberfläche der Felsen in der Jerečica-Schlucht im Nordwesten Sloweniens.
Einen Wimpernschlag später umfängt einen eiskaltes Wasser. „Alles in Ordnung?“, fragt Guide Lovro Pompe, der in der Hauptsaison täglich zwei Gruppen beim Canyoning begleitet. In acht Millimeter dicken Anzügen rutscht, wandert und klettert man etwa zwei Stunden durch die engen Felsformationen. Ein Abenteuer der besonderen Art.
Natur wohin man schaut
Das grüne Herz Europas, so nennen die Slowenen ihr Land. Mit 47 Seen und sattgrünen Wäldern, die über die Hälfte der Landesfläche bedecken, ist diese Beschreibung nicht weit hergeholt.
Die unverfälschte Natur des Landes entdeckt man am besten in einem Aktivurlaub, zum Beispiel beim Canyoning, Rafting oder Kajaking im und auf dem Wasser, unterwegs mit dem Rad in den Tälern oder Bergen oder klassisch in Wanderschuhen. Trotz des fast endlosen Angebots ist die Verweildauer von Gästen im Land mit durchschnittlich 2,8 Tagen pro Person jedoch gering.
Slowenische Tourismusakteure wie Matej Kandare, Direktor des Reiseanbieters Slovenia Outdoor, wollen das ändern: Dabei geht es nicht darum, dass noch mehr Touristen unbedingt nach Slowenien kommen müssen. Aber sie dürften gerne länger bleiben und die Vielfalt an nischenspezifischen Aktivitäten nutzen, sagt Matej Kandare.
Für dieses Ziel arbeitet der Tourismusanbieter mittlerweile mit über 60 Akteuren im ganzen Land zusammen. Viele von ihnen findet man im Triglav-Nationalpark, dem größten Nationalpark Sloweniens. Gregor Šilc vom Outdoor-Anbieter Hike and Bike ist hier im malerischen Dorf Stara Fuzina, unweit des berühmten, kristallklaren Bohinjer Sees, zu Hause. Wir treffen uns am Denkmal der vier mutigen Männer nahe dem Seeufer. Eine der eisernen Figuren zeigt zur 2864 Meter hohen Bergspitze des Triglav, der Zugspitze Sloweniens. So hoch wie die Bergsteiger, die 1778 als erste den Berg erklommen haben, geht es an diesem Tag nicht hinaus.
Stattdessen nehmen wir die E-Bikes und fahren ins Voje-Tal, das sich oberhalb des Sees erstreckt. Nach einem steilen Anstieg öffnet sich das breite Tal mit Blick auf die Julischen Alpen. Nach etwas mehr als einer halben Stunde zeigt sich der beeindruckende Voje-Wasserfall am Ende des Tals.
Lonely Planet Auszeichnung für Slowenien
Zurück am Fuße des Bohinjer Sees wird es wieder touristischer, hier und am benachbarten Bleder See haben sich zahlreiche Hotels und Restaurants angesiedelt, die Wert auf regionale Küche und Urlaub in Einklang mit Natur und Umwelt legen. In den Sommermonaten sind die beiden Bergseen ein Tourismusmagnet, besonders für Gäste aus Tschechien, Belgien, den Niederlanden oder Polen. Erst kürzlich hat der internationale Reiseführerverlag Lonely Planet das Land auf Platz fünf der besten Reisedestinationen für 2022 gelistet.
Wem es rund um die beiden berühmten Seen zu wuselig ist, kann die Julischen Alpen gegen das nordslowenische Kärnten eintauschen. Die Berge sind hier sanfter und Wildblumenwiesen bedecken die Hügel. Als „kleines slowenisches Geheimnis“ beschreibt Matej Kandare von Slovenia Outdoor diese Region. Orientierung aus fast allen Blickrichtungen geben die Petzen, ein Bergmassiv in den Karawanken, das Österreich von Slowenien trennt.
Tourismus hat ein natürliches Limit
Hier lebt Dušan Štrucl, der das Ekohotel Koroš in Jamnica, nordwestlich von Prevalje, gegründet hat. Das Abenteuer beginnt schon bei der Anreise. Diese führt über enge Wege, vorbei an alten Bauernhöfen mit Scheunen und den für die dortige Landwirtschaft typischen Heuharfen. Einen Bergbauernhof hat Dixi, wie Štrucl hier alle nennen, zu Sloweniens erstem Mountainbike-Hotel umgebaut, das mittlerweile Gäste aus der ganzen Welt aufsuchen. Über 1500 Kilometer Radwege gibt es im Umkreis des Hotels, viele führen über schmale Trails in verschiedenen Schwierigkeitsstufen.
In der bäuerlichen Bergregion sind Dixi und seine Gäste nicht allein. Als er mit seiner Frau Suzana und seinem Sohn Anej 2007 die Idee zu einem Mountainbike-Hotel entwickelte, war die Skepsis gegenüber wachsendem Tourismus in der unberührten Landschaft spürbar groß, erzählt Dixi: „Ich bin auf die Menschen zugegangen. Möglichst viele sollen vom Tourismus in der Region profitieren können.“
Wer traut sich?
Ein Tourismus, der sich an den Kapazitäten der Natur orientiert, das sei sein Ziel für die Gegend, erläutert Dixi. Trails werden in die Wälder und Wiesen integriert, Bäume fällen sei keine Option. Einige ortsansässige Landwirte beliefern das Hotel mit frischen Milchprodukten oder Gemüse. Andere halten die Fahrwege frei oder kümmern sich um das Land rund um das Ekohotel, auf dem der für die Region typische Buchweizen angebaut wird.
Wer zwischen den sportlichen Aktivitäten einmal dringend einen Tag Pause braucht, sollte den Ort Črna besuchen, der zwischen den Karawanken und dem Triglav-Nationalpark liegt. Hier wartet die längste Zipline Sloweniens auf alle Schwindelfreien. Über eine 1264 Meter lange Stahlseilrutsche gleitet – oder besser gesagt rast – man mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde mit Aussicht auf Berge, Wälder und die aus der Luft winzig erscheinenden Häuser auf die andere Seite des Tales.
Der Norden Sloweniens
Anreise
Flüge ab Stuttgart über Wien nach Klagenfurt, z.B. mit Austrian Airlines, www.austrian.com. Von hier weiter mit dem Mietwagen in den Triglav Nationalpark (ca. 90 Minuten) oder nach Jamnica (ca. 70 Minuten). Die Autovermietung Go Green bietet Mietwagen an, www.go-green.si.
Unterkunft
Das 2021 eröffnete Design Hotel Bohinj liegt 100 Meter vom See entfernt. Regionales Essen und nachhaltiges Wohnen wird sich hier zum Ziel gesetzt. Doppelzimmer ab 190 Euro, www.hotelbohinj.si. Das Hotel Majerca liegt zwischen dem Bohinjer See und dem Dorf Stara Fuzina. DZ ab 120 Euro, www.majerca.si.
Aktivitäten
In der Unterwelt der Petzen, unweit des Ekohotel Koroš, gibt es geführte Mountainbiketouren durch den stillgelegten Bergstollen. Auch im Kajak können geflutete Abschnitte erkunde werden, www.podzemljepece.com. Pac Sports am Bohinjer See bietet Kajaking, Rafting oder Canyoning an. Auch Paragliden ist möglich, www.en.pac.si. Bei Hike and Bike am Bohinjer See können (E-) Bikes ausgeliehen oder geführte Radtouren gebucht werden, www.hikeandbike.si.
Allgemeine Informationen
Auf der Seite des slowenischen Tourismusamtes gibt es umfassende Informationen zu Aktivitäten in allen Regionen des Landes, auch Tipps zu den besten Campingplätzen im Land werden genannt, www.slovenia.info/de.Über Slovenia Outdoor können Aktivitäten gesucht und gebucht werden, www.slovenia-outdoor.com.