Felder und Kleingärten würden durch den neuen Tunnel wohl beeinträchtigt. Foto: Werner Kuhnle

Vom Großprojekt Nordostring würden Kornwestheimer (Kreis Ludwigsburg) benachteiligt, findet Hans-Otto Härle. Der Jäger erwartet auch bei einer unterirdischen Variante schlimme Folge für die Natur und die Naherholung der Einwohner.

„Für das Projekt wird geworben wie früher für Persil.“ Hans-Otto Härle stoßen die Pläne für einen „grünen Auto-Tunnel“ zwischen Kornwestheim und Fellbach sauer auf. Die Kampagne, getragen von mehreren Unternehmen wie Mercedes, Mahle, Lapp, Stihl und Trumpf und initiiert von Unternehmer Rüdiger Stihl, wirbt für eine unterirdische Alternative zum viel diskutierten Nordostring. Bereits vor Jahren hatte Stihl die Idee ins Gespräch gebracht, nun will er das Projekt eines 10,7 Kilometer langen und 1,6 Milliarden Euro teuren Tunnels in der Öffentlichkeit voranbringen.

 

Härle, 76 Jahre alt, ehemaliger Verwaltungsbeamter, Jäger in Kornwestheim und im örtlichen Obst- und Gartenbauverein (OGV) im Vorstand, versteht sich nicht als Gegenspieler von Stihl. „Ich spreche als Privatperson“, sagt Härle dieser Zeitung, um klar zu machen, dass er nicht den OGV vertritt. Er kennt die Äcker, die von der neuen Trasse gekreuzt würden, aber sehr gut. Als Jagdpächter sorgt er sich um die Natur dort.

Auch wenn Härle sich als Einzelperson zu Wort meldet, teilen viele seine Abneigung gegen den „Grünen Tunnel“. „Wir brauchen keinen milliardenteuren autobahnähnlichen Tunnel nördlich von Stuttgart, der noch mehr Verkehr in die Region zieht,“ sagt etwa der VCD-Landesvorsitzender Jörg Dengler. Viel wichtiger sei es, das Geld für Brückensanierungen und in den Erhaltung der Infrastruktur zu stecken.

Dass eine Nord-Ost-Verbindung in der Region Stuttgart fehlt, ist seit Jahrzehnten ein Thema. Anders als um andere Großstädte, gibt es in der Region keinen Autobahnring um die größte Stadt des Südwestens. Das führt zu verkehrlichen Problemen und der Belastung kleinerer Straßen.

Der „grüne Tunnel“ soll 10,7 Kilometer lang sein. Foto: StZN/Yann Lange

Härle weiß, dass der „Grüne Tunnel“ durchaus auch Vorteile hätte, aus Kornwestheimer Sicht überwiegen aber die Nachteile, sagt er. Im Südosten der Stadt sollen Auffahrten für die neue Trasse auf bislang unbebauten Äckern errichtet werden. „Von Landwirten habe ich gehört, dass 22 Hektar bester Ackerboden dafür zerstört würden“, sagt der 76-Jährige. In der Bauzeit rechnet Hans-Otto Härle mit besonders großen Einschränkungen auch für die Kleingärtner, die direkt hinter dem Hornberg-Durchlass ihre Parzellen bewirtschaften. Durch die Baustelleneinrichtung werde erst recht viel Fläche verbraucht.

Naherholung für Bürger gefährdet

Dass im Gegenzug ein Teil der Bundesstraße für einen knappen Kilometer in einen Tunnel verlegt werden soll, überzeugt Härle nicht. „Was soll das bringen?“, fragt er lapidar. Schwer wiegt für ihn auch ein anderer Gedanke: „Über den Hornberg-Durchlass kommen bei schönem Wetter Hunderte Menschen aus der Stadt in die Natur zur Naherholung. Werden hier die Auffahrten gebaut, ist es damit vorbei.“ Auch wenn viele Abgase gefiltert würden, kämen doch noch eine Menge am Ende des Tunnels und damit in Kornwestheim heraus, ist sich Härle sicher.

Dem Kornwestheimer mit langer Berufserfahrung auf Ämtern des Landkreises ist allerdings nicht bange, dass die Umsetzung bald erfolgt. Erstens gebe es viel wichtigere Baustellen derzeit, etwa an Schulen oder bei Brücken. Zum anderen beruhigt ihn, dass sich das Projekt im Bundesverkehrswegeplan in der Kategorie „Weiterer Bedarf“ befindet und so von Bundesseite derzeit nicht mit Nachdruck vorangetrieben wird. Ganz ohne Widerspruch möchte er die jüngste Kampagne aber eben nicht stehen lassen.