Im Turmfuß befindet sich ein Transformator, der die Spannung von 6000 Volt auf 20 000 Volt hochtransformiert. Das und mehr hat Joseph Michl (links) den Teilnehmern bei der Führung erklärt. Foto: /Tatjana Eberhardt

Bei einer Führung auf dem Grünen Heiner drehte sich alles um die Frage nach der Zukunft des einzigen Windrades in Stuttgart.

Stuttgart-Weilimdorf - Ob zum Vogelflug, zur Windstärke, zur Ausfallsicherheit der Steuerelektronik oder zu Geräuschemissionen: Viele Fragen kamen am Samstag bei der Besichtigung der Windkraftanlage auf dem Grünen Heiner auf, die im März 2000 erstmals Strom geliefert hat. Eingeladen hatte die Energieoffensive Weilimdorf (EOW) aufgrund der ungewissen Zukunft der Anlage.

Im März 2020 läuft die Betriebsgenehmigung aus, ebenfalls fällt im kommenden Jahr die Förderung der Anlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz weg (wir berichteten). Joseph Michl, Mitglied im Ausschuss des technischen Vorstands der Betreibergesellschaft GEDEA Windkraft Grüner Heiner, ließ keine der Fragen der rund 20 Interessierten unbeantwortet. Auch nicht die, um die sich derzeit alles dreht: Wie geht es weiter mit dieser Energiequelle? „Wir haben den Standort noch für zehn Jahre gesichert und werden die Anlage so lange betreiben, wie dies technisch einwandfrei möglich ist. Wir prüfen hierfür verschiedene Optionen, wie der Weiterbetrieb auch wirtschaftlich sinnvoll darstellbar ist. Eine Verschrottung ist aktuell nicht geplant, wir bereiten den Weiterbetrieb vor“, erklärte Michl. „Eingeleitet wurde ein Weiterbetriebs-Gutachten, das ein Standsicherheits-Gutachten beinhaltet, um prüfen zu lassen, wie lange der Betrieb noch aufrechterhalten werden kann. Circa 10 000 Euro kostet uns das.“

Im Februar 2020 sollen voraussichtlich die Informationen vorliegen. „Sollte sich daraus wider Erwarten ergeben, dass ein technisch einwandfreier Betrieb nicht mehr sinnvoll möglich wäre, würde die GEDEA die Errichtung einer neuen Anlage auf dem Grünen Heiner anstreben.“ Ein Rückbau, den die Betreibergesellschaft in Absprache mit dem Hersteller abstimmen müsste, sei derzeit nicht geplant. Wenn doch, dann sei man darauf mit erforderlichen Rücklagen vorbereitet. Für die Entsorgung sei die GEDEA verantwortlich.

Ein Wahrzeichen für die Energiewende

Großes Ziel sei es, diesen Standort für Windkraftnutzung zu erhalten. Das Windrad sei mittlerweile ein „Wahrzeichen des Stuttgarter Nordens und ein wichtiges Symbol für die Energiewende“. Die Nutzung der Windenergie sei notwendig, um der atomaren Vermüllung und der Klimakatastrophe entgegenzuwirken. „Die Weilimdorfer identifizieren sich damit“, sagte Annekathrin Essig, Bezirksbeirätin und Mitglied der EOW. „Es ist nachhaltig, etwas Erstelltes weiter zu betreiben“, sagte Peter Hanle, ebenfalls Bezirksbeirat und Mitglied der EOW.

Ein Gespräch mit den Stadtwerken Stuttgart (SWS), die sich der Sache annehmen sollten, sei bereits erfolgt. Weitere Gespräche seien geplant. Michl: „Wir wollen uns alle Möglichkeiten offenhalten. Mehrere Unternehmen im Umfeld der Anlage zeigten ebenfalls Interesse daran, sich des Windrades anzunehmen.“ Michl versteht das. „Sie wollen eine positive CO2-Bilanz aufweisen. Auch Kunden achten verstärkt darauf, ob Unternehmen erneuerbare Energien nutzen. Da wäre es natürlich von Vorteil, wenn man Strom mittels eines eigenen Windrades erzeugen und das auch den Kunden direkt demonstrieren könnte.“

Zudem kam der Antrag der FDP im Weilimdorfer Bezirksbeirat zur Sprache, in dem Vorschlag eines Baus des „größten und leistungsstärksten Vertikalrotors der Welt“ die Rede war. Michl war überrascht: „Ich habe mich gefragt, warum man nicht zuerst mit uns gesprochen hat. Es wäre gut gewesen, sich erst die technischen und örtlichen Gegebenheiten vor Augen zu führen, bevor solch ein Vorschlag gemacht wird.“ Keiner der Antragsteller ist allerdings der Einladung gefolgt.

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