Die Prälatin Gabriele Arnold und Verkehrsminister Winfried Hermann haben die Zertifikate überreicht Foto: privat

Das Gymnasium in Stuttgart-Ost ist mit dem „Grünen Gockel“ der Evangelischen Kirche zertifiziert worden. Die Schule auf der Gänsheide hat damit angefangen, seinen eigenen Beitrag zur den Beschlüssen der Pariser Klimakonferenz zu leisten.

S-Ost - Wie viele Bögen Kopierpapier werden an einem Gymnasium pro Schuljahr beschrieben und bedruckt? Wie viel Wasser und Strom wird verbraucht, damit der Unterricht reibungslos ablaufen kann? Am evangelischen Heidehof-Gymnasium weiß man darüber bestens Bescheid.

Drei Jahre lang wurden die Energieverbrauchsentwicklung, der Umgang mit Wasser, Papier und anderen Wertstoffen, sowie das Abfallaufkommen an der Schule genauestens analysiert, beobachtet und dokumentiert. Drei Jahre lang wurden die Umweltauswirkungen des Schullebens erfasst, bewertet und schließlich in einer knapp fünfzigseitigen Umwelterklärung festgehalten. Warum tut sich eine Schule diesen enormen Aufwand, den Papierkrieg und Kampf mit endlosen Zahlen- und Datenketten an? Ganz einfach: allen am Heidehof-Gymnasium liegt die Umwelt sehr am Herzen. Die negativen Auswirkungen der Menschen auf das Weltklima möchten Schüler, Lehrer und Eltern nicht länger hinnehmen.

Umweltschutz ist an der Schule perfekt lokalisiert

Nachdem bereits viele Jahre in Klima-AGs und Umwelt-Arbeitskreisen an Projekten für eine umweltfreundlichere Schule gebastelt wurde, sollte das Thema Umweltschutz an der Schule nicht mehr nur temporär und in Arbeitsgemeinschaften vermittelt werden. Daher hat sich die Schule für das EMAS-Zertifikat, das Gütesiegel der EU für nachhaltiges Umweltmanagement und, als Schule mit kirchlicher Trägerschaft, konkret für den „Grünen Gockel“ entschieden – ein Projekt der evangelischen Kirche, das die nachhaltige, zukunftsfähige Entwicklung kirchlicher Einrichtungen anhand der EMAS-Zertifizierung zum Ziel hat.

„ Als Schule in Trägerschaft der Evangelischen Schulstiftung zählt die Bewahrung der Schöpfung zu den festen Bestandteilen unserer Arbeit“, erklärt der Schulleiter Berthold Lannert. Mit dem „Grünen Gockel“ und der EMAS-Zertifizierung erhoffe man sich nun, kontinuierlich mit Schülern, Eltern und Lehrern einen schuleigenen Beitrag zu den Beschlüssen der Pariser Klimakonferenz zu leisten. „Die Umweltschutzarbeit ist an einer Schule perfekt lokalisiert“, sagt die Lehrerin Isabel Wünsch. „Hier soll man junge Menschen auf den Weg in ein gutes Leben bringen, sie zu guten Menschen machen. Warum nicht gleich zu Menschen, denen ihre Umwelt und ihre Erde wichtig ist?“

Es war ein langer Weg bis die Schule nach den Weihnachtsferien die Umwelt-Zertifikate von der Prälatin Gabriele Arnold und Verkehrsminister Winfried Herrmann überreicht bekam. Erst musste ein engagiertes Team von Lehrern, Schülern und Eltern gefunden und das gesamte Kollegium von dem Projekt überzeugt werden. Der fünfköpfige „Arbeitskreis Nachhaltigkeit“ nahm das Projekt, unterstützt durch einen Auditor der Evangelischen Landeskirche, schließlich in die Hand.

„2015 haben wir mit Projekttagen zum Thema Nachhaltigkeit begonnen“, erzählt Isabel Wünsch, die Mitglied im Arbeitskreis ist. „Die Schüler konnten ihren ökologischen Fußabdruck errechnen, Wissenswertes über Umweltschutzlabels und Umweltverschmutzung erfahren und so ganz plastisch an das Projekt Grüner Gockel herangeführt werden.“ Eine Umfrage an der Schule habe das eindeutige Interesse an der Projektteilnahme ergeben. „Das hat uns natürlich unglaublich gefreut“, sagt der Lehrer Heiner Roser, der seit langem Nachhaltigkeitsbeauftragter und Leiter der Klima-AG am Heidehof ist.

Gemeinsam mit den Kollegen des Arbeitskreises begann Roser, die Daten für die Umwelterklärung zu sammeln, Leitlinien für eine ökologische und nachhaltig gestaltete Schule zu formulieren. Teil dieser Leitlinien für die Zukunft sind beispielsweise der ressourcenschonende Einsatz von Energie, Wasser und sonstigen Rohstoffen, sowie die Verringerung von Abfällen und Emissionen, die beispielsweise auf dem Schulweg entstehen.

Die Skeptiker sind mittlerweile Feuer und Flamme

„Nach unserer Zertifizierung wollen wir jetzt natürlich endlich loslegen und unsere Ziele umsetzen. Damit das auch gelingt, wurden in jeder Klasse nun zwei Umweltsprecher ernannt, die klasseninterne Beiträge zum Projekt koordinieren können.“ Begonnen werden soll mit der Einführung der Mülltrennung und dem Verkauf von Recyclingheften. Jeder, egal ob Fünft- oder Zehntklässler, kann und soll mitmachen.

„Ich weiß schon, dass das Engagement für die Umwelt an unserer Schule etwas Besonderes ist“, sagt die Schülerin Helena Muz, die schon einige Jahre in der Klima-AG dabei ist. Durch den „Grünen Gockel“ sei das Interesse an Nachhaltigkeit und Umweltschutz noch einmal gewachsen, die Arbeit in der Klima-AG habe neuen Schwung bekommen. „Das alles funktioniert aber nur so gut, weil es einen großen Zusammenhalt am Heidehof gibt und alle, Schüler, Lehrer und Eltern bereit sind, das Projekt gemeinsam für unsere Erde durchzuziehen.“

Ob es keine Befürchtungen gäbe, das Projekt könnte scheitern? „Die haben wir eigentlich in der Anfangsphase hinter uns gelassen “, sagt Heiner Roser. „Viele Kollegen hatten damals noch Angst, dass die Last der Aufgabe, die wir uns mit der Zertifizierung aufgebürdet haben, zu groß sein und es vielleicht viel zu viele Vorschriften geben könnte.“ Inzwischen seien aber auch die meisten Skeptiker „Feuer und Flamme“.

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