Das war’s: Omid Nouripour und Ricarda Lang sind als Bundesvorsitzende der Grünen mit dem gesamten Vorstand zurückgetreten. Foto: dpa/Fabian Sommer

Die Bundesspitze der Grünen tritt ab angesichts des Abwärtstrends der Partei. Warum das allein nicht reichen wird, den Trend zu drehen, schreibt StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.

Krisenbewusstsein lässt sich dem Bundesvorstand der Grünen nicht absprechen. Es äußert sich final im geschlossenen Rücktritt. Dieses Bewusstsein war schon lange da. Abzulesen an den Vorsitzenden Ricarda Lang und Omid Nouripour, denen die Situation entglitten ist.

 

Vorsitzende zwischen Ampel-Verdruss und Hilflosigkeit

Wie kaum jemand sonst im Spitzenpersonal der Koalitionäre von SPD, Grünen und FDP raunt Nouripour seit den Wahlen in Sachsen und Thüringen vom nahen Ende der Ampel. Lang wiederum verkörperte nach all dem, was in den vergangenen Monaten an Misserfolg und Missmut über die Grünen hereingebrochen ist, stets die fleischgewordene Hilflosigkeit. Viel tiefer als zu einem Schlimm-schlimm-ich-bin-dagegen! schien ihr Krisenmanagement selten zu reichen.

Der Personalwechsel an der Spitze wird für eine Rückkehr zu Wahlerfolgen nicht reichen. Dafür müssen sich die Grünen auf die Frage einlassen, warum sich die Ampel-Verdrossenheit bei so vielen Wählern vor allem an ihnen festmacht, warum Begriffe wie Bevormundung oder gar Gängelung so häufig mit ihnen in Verbindung gebracht werden.

Zur Energiewende muss noch was kommen

Weniger Staatsgläubigkeit und Regelungswut, weniger Dogma und auch mal ein glasklares Eingeständnis – Korrekturen inklusive – die Energiewende in Deutschland wirtschafts- und in vielen Ergebnissen klimaschutzfeindlich angelegt zu haben: Wer immer die Grünen von November an führen soll, kommt darum nicht herum.