Arbeiten im neuen Gemeinschaftsgarten (von links): Andreas Bürkle, Siegfried Bauerle (OGV Fellbach), Peter Laupheimer (OGV Schmiden), Johannes Beer (Jugendhaus Fellbach), Simone Weigand (Kunstverein Fellbach) Foto: Eva Herschmann

Auf dem Kunststückle an der Esslinger Straße in Fellbach entsteht auf zwei Ar ein Gemeinschaftsgarten, der in vielerlei Hinsicht reiche Ernte tragen soll.

Siegfried Bauerle vom Obst- und Gartenbauverein Fellbach zeigt Andreas Bürkle, wie er mit der Sense hantieren muss. Simone Weigand vom Kunstverein schaut, ob im Boden, den Peter Laupheimer vom OGV Schmiden und Johannes Beer vom Jugendhaus gleich mit Spaten und Harke bearbeiten wollen, ein Pflänzchen steckt, dass gerettet werden muss. Auf dem „Kunststückle“ an der Esslinger Straße in Fellbach blüht schon seit Jahren das pralle Leben. Es gibt dort Kunst und Konzerte, gesellige Beisammensein und regen Austausch. Jetzt wird das Stückle dank einer Kooperation aus Kunstverein, Jugendhaus sowie den Obst- und Gartenbauvereinen Fellbach und Schmiden zur „Kunstkulturnaturlandschaft“.

 

Der neue Fellbacher Gemeinschaftsgarten soll eine grüne Oase sein, in der miteinander gepflanzt, gepflegt, gelebt und gelernt wird. An diesem Samstag um 16 Uhr ist die offizielle Saisoneröffnung auf dem Kunststückle und im neuen Gemeinschaftsgarten. Der Dresscode ist „Weiß mit Blumenschmuck“, wobei Blüten zum Anstecken vor Ort erworben werden können.

Alle haben große Lust, im Gemeinschaftsgarten etwas Neues zu schaffen

So bunt wie Blumen ist auch die noch kleine Gruppe von Menschen, die sich aus Liebe zur Natur und zum Gärtnern zusammengefunden hat. Sie haben weniger oder mehr Vorkenntnisse, was das Setzen von Blumen und den Gemüseanbau betrifft, aber alle haben große Lust, gemeinsam etwas Neues zu schaffen und wachsen zu sehen.

Unter ihren Händen – und mit fachkundiger Unterstützung von erfahrenen Mitgliedern der OGVs Fellbach und Schmiden – soll hier ein Garten entstehen, in dem Blumen blühen und in dem Hochbeeten stehen, in denen Kräuter und Gemüse gedeihen. „Der vordere Teil bleibt den Veranstaltungen und der Kunst vorbehalten, aber dahinter können wir uns auf zwei Ar verwirklichen. Hier kann und soll was Schönes entstehen“, sagt Andreas Bürkle.

Eine Gartenhütte für Werkzeuge und anderes, was für das Gärtnern gebraucht wird, haben die Fellbacher Hobbygärtner schon. Die Firma Oettinger hat sie gespendet und aufgestellt. Einen Rasenmäher haben sie geschenkt bekommen, und sie haben auch schon einen Baum gepflanzt. Die schon recht stattliche Rohrbirke spendet immerhin etwas Schatten. Neben dem Engagement der mehr oder weniger erprobten Gemeinschaftsgärtner braucht es aber auch Geld für Gerätschaften und Material. Einen Förderantrag an die Bürgerstiftung haben sie schon gestellt, und sie freuen sich nicht nur über aktive Mitgärtnerinnen und Mitgärtner, sondern über jegliche Form der Unterstützung.

Fellbacher Gartenprojekt fördert Biodiversität und Bildung

Das eigene Gemüse zu ziehen, zu ernten und zu genießen, ist ein Grund für das Engagement im Fellbacher Gemeinschaftsgarten. Und sie wollen mit ihrem gärtnerischen Einsatz auch einen Beitrag zur Biodiversität, zum Arten- und Naturschutz leisten und mit mehr urbanem Grün das Stadtklima verbessern. Der Nachwuchs soll ebenfalls etwas lernen. Pädagoge Johannes Beer kommt regelmäßig zum Schaffen mit den Mädchen und Jungen vom Kids-Treff im benachbarten Jugendhaus her. „Wir haben schon den Mount Oeschbach von allzu viel Beikraut befreit.“

Auf dem Kunststückle ist – wie der Name schon andeutet – regelmäßig Kunst zu sehen Foto: Patricia Sigerist (Archiv)

Nicht alles, was spontan wächst, muss jedoch weg. Vieles darf auch bleiben. Denn es soll ein naturnaher Garten sein, in dem sich die Pflanzen gegenseitig schützen und sich Insekten, von Wildbienen bis Schmetterlinge, wohlfühlen. Und die Fellbacher wollen auf ihrem gemeinschaftlichen Stückle auch was ausprobieren, sich an Permakultur und an Bewässerungssystemen versuchen, etwa mit kleinen Tontöpfen als Zisternen im Boden zwischen den Pflanzen, erzählt Peter Laupheimer vom OGV Schmiden.

Auch mit unterschiedlichen Sorten von Gemüse und Blühpflanzen wollen sie experimentieren. Schließlich sollen möglichst viele ihrer Gewächse den immer heißer werdenden Sommern überstehen können und dabei einer wenig aufwändigen Pflege bedürfen, um gut durch die Hitzetage zu kommen. Zumal die Wasserversorgung problematisch ist. Immerhin hat die gestiftete Hütte eine Regenrinne, und das kostbare Nass kann in einem Fass aufgefangen und gesammelt werden.

In der „Kunstkulturnaturlandschaft“ soll aber noch mehr entstehen als ein blühender Garten. Miteinander, Begegnung und Austausch sollen im Gemeinschaftsgarten gedeihen. Es soll ein Ort sein, an dem sich Menschen aus verschiedenen Generationen, mit unterschiedlichen Biografien und kulturellen Hintergründen treffen und austauschen, ohne Grund und ohne Termin.

Und natürlich wollen sie auch gemeinsam ernten, wohl wissend, dass nicht alles, was sie anpflanzen ihnen auch Gärtnerglück bescheren wird. „Aber, wenn um Hilfe geschrien wird, sind wir da“, sagt Siegfried Bauerle, Kassierer beim OGV Fellbach. Sei es beim Umgang mit der Sense oder mit sensiblen Pflänzchen.